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Ärzteschaft

Gelenkersatz: Corona bringt erneut Wartezeiten, Empfehlungen zur Überbrückung

Mittwoch, 25. November 2020

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Berlin – Die zweite Coronawelle rollt über das Land, einige Krankenhäuser fahren bereits wieder elektive Eingriffe herunter, um Kapazitäten für COVID-19-Erkrankte frei zu halten. Für Patienten mit schwerer Arthrose kann dies bedeuten, dass die Operationen, bei denen sie einen Knie- oder Hüftgelenksersatz erhalten sollten, verschoben werden.

Im Vorfeld ihres Jahreskongresses informierte die Deutsche Gesellschaft für Endopro­the­tik heute über konservative Maßnahmen, die in der Wartezeit die Lebensqualität der Patienten verbessern können.

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Karl-Dieter Heller, Präsident der Fachgesellschaft und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig, erklärte: „Es ist meistens möglich, mit der OP einer arthrotisch geschädigten Hüfte noch etwas abzuwarten und Zeit zu über­brücken.“

Ausnahmen bilden lediglich Patienten mit massivsten Beschwerden, bis hin zu ausge­präg­ten Ruheschmerzen, sowie nicht planbare Operationen wie Schenkelhalsfrakturen Hüftkopfnekrosen. In diesen Fällen könne mit der OP nicht gewartet werden, betonte Heller.

Für alle anderen Patienten bietet die konservative Therapie zahlreiche Optionen: Sie kombiniert Krankengymnastik und physikalische Therapien, Schmerzbekämpfung und orthopädische Hilfsmittel wie Einlagen und Schuhzurichtungen, etwa Absatzerhöhungen – jeweils angepasst an die individuelle Erkrankungssituation.

„Die Beschwerden können durch diese Maßnahmen günstig beeinflusst werden, und häufig ist wieder eine normale körperliche Aktivität möglich“, so Stephan Kirschner, Vizepräsident der Fachgesellschaft und Direktor der Klinik für Orthopädie der St. Vincentius-Kliniken in Karlsruhe.

Nachholbedarf bei Schmerz- und Physiotherapie

Er räumt jedoch ein: „Laut aktuellen Studien erhalten in der Realität nur etwa 60 Prozent der Patienten eine geeignete Schmerztherapie und nur 43 Prozent Krankengymnastik und physikalische Therapien. Hier bestehe Nachholbedarf, so Kirschner. Patienten sollten ihren Arzt darauf ansprechen, aber auch selbst aktiv werden, rät der Karlsruher Ortho­päde. So gebe es zum Beispiel „Gelenkschulen“ mit Übungsprogrammen für Zuhause.

Bei den Patienten oft unbeliebt, aber dennoch hilfreich kann Kirschner zufolge auch die vorübergehende Nutzung von Unterarmgehstützen sein: „Sie entlasten das schmerzende Hüft- oder Kniegelenke, wodurch sich die Beschwerden häufig besseren.“ Unterarm­gehstützen können vom Arzt verschrieben werden.

Eine weitere Möglichkeit der konservativen Therapie von Gelenkarthrose sind Injektionen mit Kortison und Hyaluronsäure. Die Auswahl des Medikamentes wird dabei von den Symptomen des Patienten bestimmt: Das durch Flüssigkeit geschwollene Gelenk infolge einer Synovialitis profitiere von einer Kortisoninjektion, sagte Kirschner. Bei Funktions­einschränkungen und Steife kämen sowohl systemische NSAR als auch Hyaluronsäure für die Behandlung in Betracht.

Neuere Verfahren wie die Injektion angereicherter patienteneigener Blutplättchen stellten weitere Therapiemöglichkeiten dar, deren Wirkung stark von der jeweiligen Zubereitungsform abhängig sei.

Wartezeit nutzen, um Patienten „OP-fitter“ zu machen

Insgesamt könnten die Patienten die Wartezeit aber auch nutzen, um fitter für ihre Endoprothesen-OP und die Zeit danach zu werden.

„Betroffene sollten sich von ihrem Hausarzt über ihre persönlichen Risikofaktoren aufklären lassen und dann versuchen, gezielt gegenzusteuern“, sagte Kirschner.

„Klassische Risikofaktoren für Komplikationen bei einer OP sind Übergewicht, Rauchen, ein schlecht eingestellter Blutzucker – etwa bei nicht erkanntem Diabetes –, ein redu­zierter Allgemeinzustand und chronische Infekte etwa von Zähnen, der Blase oder der Haut.“ © nec/aerzteblatt.de

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