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Luftqualität in Europa bessert sich, weniger Tote durch Schadstoffe

Montag, 23. November 2020

/Gina Sanders, stock.adobe.com

Kopenhagen – Die Menschen in Europa atmen eine zunehmend sauberere Luft ein. Die Luftqualität auf dem Kontinent verbesserte sich im Laufe der vergangenen Jahre spürbar, wie die Europäische Umweltagentur EEA in einem heute veröffentlichten Bericht schreibt.

Die positive Entwicklung hat Schätzungen zufolge dazu geführt, dass im Vergleich von 2009 zu 2018 unter anderem knapp 60.000 weniger Menschen im Jahr vorzeitig durch die Belastung mit Feinstaub sterben, wie die Behörde in Kopenhagen mitteilte.

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Dennoch leiden nahezu alle Europäer an Luftverschmutzung etwa durch Feinstaub, Stick­stoffdioxid und bodennahes Ozon – und mehr als 400.000 Menschen sterben Schätzun­gen zufolge weiter pro Jahr an den Folgen der Belastung durch diese Schad­stoffe, darun­ter Zehntausende in Deutschland.

Einen wesentlichen Grund für die höhere Luftqualität sehen die EEA-Experten in einer Ver­ringerung der Emissionen in Schlüsselsektoren wie dem Verkehr und der Energie­ver­sor­gung. Beim Transport sei der Ausstoß von Schadstoffen wie Stickoxid seit dem Jahr 2000 trotz einer gesteigerten Mobilitätsnachfrage und der damit verbundenen Zunahme der Treibhausgasemissionen klar zurückgegangen.

Auch im Energiesektor seien die Emissionsverringerungen beachtlich. Mehr getan werden müsse dagegen in der Landwirtschaft und beim Heizen.

Bessere Luft, dennoch viele vorzeitige Todesfälle

„Die EEA-Daten belegen, dass Investitionen in bessere Luftqualität eine Investition in bessere Gesundheit und Produktivität für alle Europäer sind“, erklärte EEA-Exekutiv­direk­tor Hans Bruyninckx. Auch EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius sprach von guten Nachrichten.

Er wies jedoch darauf hin, dass es noch eine andere Seite der Medaille gebe: „Die Zahl der vorzeitigen Todesfälle in Europa aufgrund von Luftverschmutzung ist immer noch viel zu hoch.“ Dies dürfe nicht ignoriert werden.

Wie aus dem heute veröffentlichten jährlichen EEA-Bericht zur Luftqualität in Europa hervorgeht, starben 2018 immer noch rund 417.000 Menschen in 41 europäischen Staa­ten vorzeitig an der Belastung mit Feinstaub (PM2.5). Darunter waren knapp 379.000 Men­schen in der EU, zu der in dem Jahr auch noch Großbritannien zählte, und davon allein 63.100 in Deutschland.

Hinzu kommen in den 41 Ländern 55.000 vorzeitige Todesfälle in Verbindung mit Stick­stoffdioxid (NO2) und weitere 20.600 durch bodennahes Ozon (O3), darunter 9.200 be­ziehungsweise 4.000 in Deutschland. Während sich diese Todesziffer europaweit beim NO2 im Vergleich zu 2009 mehr als halbiert hat, ist sie beim Ozon um ein Fünftel ange­stiegen.

Die Problemkinder beim Feinstaub befinden sich weitgehend in Osteuropa, wo weiter vergleichsweise viel mit Holz und Kohle geheizt wird. Sechs EU-Staaten übersteigen die EU-Grenzwerte, und zwar Bulgarien, Italien, Kroatien, Polen, Rumänien und Tschechien. Nur in Estland, Finnland, Island und Irland sind diese Werte unter den empfohlenen Werten der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO, die noch einmal strenger als diejenigen der EU sind.

Die neue EEA-Analyse basiert auf den jüngsten Luftqualitätsdaten von mehr als 4.000 Messstationen in Europa. Diese Daten stammen aus dem Jahr 2018. Die Zahlen zu den vorzeitigen Todesfällen sollten nicht addiert werden, um Doppelzählungen zu vermeiden.

Legt man die WHO-Werte zugrunde, dann müssen vor allem städtische Bevölkerungen weiter mit zu hohen Schadstoffbelastungen klarkommen. Drei von vier EU-Bürgern in ur­banen Gebieten sind laut EEA einer Feinstaubbelastung oberhalb der WHO-Empfehlung ausgesetzt. Beim Ozon ist es so gut wie jeder Stadtbe­wohner.

Generell ändern sich die Schadstoffkonzentrationen von einem Jahr zum nächsten nicht sehr deutlich. Gegen die Schadstoffe werde jedoch bereits eine Menge getan, sagte der Hauptautor des Berichts, Alberto González Ortiz

In osteuropäischen Staaten werde bei­spielsweise bereits vielerorts auf weniger luftver­unreinigende Brennstoffe umgestellt. Auch beim Heizen und bei der Mobilität gebe es zahl­­reiche Möglichkeiten, die man im Zuge der Erholung von der Coronapandemie um­setzen könne.

Apropos COVID-19: Die Pandemie und mit ihr verbundene Lockdowns haben laut EEA für eine bessere Luftqualität gesorgt. Manche Schadstoffe hätten sich vorläufigen Daten zufolge in vielen europäischen Ländern um bis zu 60 Prozent verringert.

Die Stickstoff­dioxidkonzentration im April 2020 während der ersten Hochphase der Coro­nakrise sei etwa in Deutschland um 31 Prozent geringer gewesen als erwartet, in Ländern mit weitreichenden Lockdowns wie Spanien, Frankreich und Italien waren diese Verringe­rungen noch deutlich stärker.

Auf dem Weg zu einer besseren Luft hält die EEA die weitere Umsetzung von Umwelt- und Klimamaßnahmen für einen Schlüsselfaktor. Um die Gesundheit der Menschen in Eu­ropa und auch die Umwelt vollständig zu schützen, müsse man die Luftverschmutzung weiter verringern und die Qualitätsstandards stärker an die Empfehlungen der WHO an­passen, wurde Umweltkommissar Sinkevicius von der EU-Behörde zitiert. © dpa/aerzteblatt.de

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