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Medizin

Studie im Klassenzimmer: Stoßlüften wirksamer als Filtergeräte

Dienstag, 24. November 2020

/picturealliance, Frank May

Gießen - Laut einer Untersuchung hessischer Wissenschaftler ist das Stoßlüften in Schulen um ein Vielfaches wirksamer als der Einsatz von Luftfiltergeräten. 2 Professoren der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) hatten in einem nicht genutzten Klassenzimmer einer Wiesbadener Schule die Wirkung auf zuvor freigesetzte Aerosole ermittelt, die per Ventilator im Raum verteilt wurden.

„Als wesentliches Resultat zeigte sich, dass die Stoßöffnung aller Fenster über drei Minuten bei Außentemperaturen von 7 bis 11°C die eingebrachte Konzen­tration an Aerosolen bis zu 99,8 % senkte“, teilte die THM mit. Mit vier mobilen Luftfiltergeräten in dem Raum sei nach etwa 30 Minuten eine um 90 % verringerte Konzentration gemessen worden. Die Wissenschaftler verweisen zudem auf den Lärm beim Betrieb der Geräte und die hohen Kosten bei der Anschaffung.

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Die Kommission für Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt (Uba) mit 23 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte erst kürzlich wieder betont, dass mobile Luftreiniger kein Ersatz für ausreichendes Lüften seien.

Sie seien nur dort eine sinnvolle Ergänzung, wo Fenster nicht ausreichend geöffnet werden könnten und auch keine einfachen Zu- und Abluftsysteme infrage kämen. Luftreiniger mit speziellen Filtern sammeln Viruspartikel aus der hindurchströmenden Luft, andere Geräte sollen Erreger etwa mittels UV-Licht abtöten.

Etliche Hersteller preisen ihre Luftreiniger derzeit als ideale Lösung unter anderem für die rund 33.000 Schulen bundesweit an, in einigen Klassenzimmer sind solche Geräte bereits im Einsatz. Wenn für einen mobilen Luftreiniger angegeben werde, dass er 99,99 % der Viren herausfiltere, sei dies in Bezug auf eine Virenlast im Raum nicht erreichbar, erklärte der Präsident des Umweltbundesamtes (Uba), Dirk Messner.

„In der Praxis können 80 bis 90 % erreicht werden, wenn die Reinigung lange genug erfolgt und das Gerät im Raum richtig aufgestellt ist.“ Von einem entfernt davon sitzenden infizierten Schüler oder Lehrer abgegebene Viruspartikel gelangten unter Umständen aber erst nach längerer Zeitdauer zum Gerät.

Viele Menschen hofften in der Coronapandemie auf technische Lösungen, erklärte Messner. Luftreiniger könnten dazu verführen, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. „Und so übersimpel und steinzeitlich diese Lösung für manchen klingen mag: Lüften funktio­niert nun mal am besten.“

Erreger verschwänden nach draußen, ebenso das für Müdigkeit und Konzentrations­schwäche sorgende Kohlendioxid, gesundheitsschädliche Stoffe, die aus Materialien im Klassenraum ausdünsten und auch Feuchte, die zu Schimmel führen könne.

Aber offene Fenster bei kalter Außenluft sorgen für Erkältungen, oder? Diese Sorge sei unberechtigt, hatte der HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing kürzlich erklärt. Im Gegenteil sei es wahrscheinlicher, sich in einem schlecht gelüfteten Raum bei anderen anzustecken. Denn Luftaustausch hält nicht nur die Menge an SARS-CoV-2 klein, sondern auch die anderer möglicherweise vorhandener Erreger wie Grippeviren oder Bakterien.

Die Ansteckungsgefahr in Schulen grundsätzlich und nachhaltig zu senken, könne mit fest installierten zentralen Lüftungsanlagen erreicht werden, sagte Messner. „Es ist seit Jahren Forderung des Uba, Schulen damit auszustatten.“ Bei einem Neubau entfielen nur wenige Prozent der Bausumme auf eine solche Anlage.

„Als rasche Maßnahme empfehlen sich Zu- und Abluftanlagen für einzelne Klassen­räume“, ergänzte Messner. Professionelle Modelle mit Wärme- und Feuchterück­gewinnung könnten an der Fensterfront angebracht werden. „Das wäre zeitnah umzu­setzen und hält viele Jahre“, so der Uba-Präsident.

Auch improvisierte Abluftanlagen aus Baumarktmaterialien könnten Abhilfe im Klassen­raum schaffen, wie ein Vorschlag der Max-Planck-Gesellschaft gezeigt habe. Bei den mobilen Luftreinigern hingegen sei unklar, wie lange sie nach der Pandemie überhaupt noch eingesetzt werden.

Anders als viele mobile Luftreiniger verursachten sie zudem häufig nur geringe Geräu­sche im Klassenzimmer und ließen nicht nur die Menge an Krankheitserregern in der Raumluft sinken, sondern auch die an Kohlendioxid und ausgedünsteten Schadstoffen. Kurzfristig stehe ohnehin eine ebenso simple wie hoch effektive Lösung im Vordergrund: regelmäßiges Lüften. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #686731
samuelxy
am Freitag, 27. November 2020, 15:54

Details zum Lüften

Es ist prima, dass wir nun um die Unerlässlichkeit des Lüftens wissen.
Der Vollständigkeit halber hätte ich hier gern noch der Tatsache Beachtung geschenkt, dass - wie in einer anderen, ebenfalls hier zitierten Studie gesagt - am Beginn des Lüftens, Aerosole so aufgewirbelt werden, dass sich die Konzentration der Aerosole zunächst (deutlich?) erhöht.
Schließlich fehlt auch noch die nicht ganz unwesentliche Angabe, wie schnell die Konzentration nach Ende des Lüftens wieder ansteigt.
Dann wüssten wir, wie oft wir (nicht nur in Klassenzimmern) lüften sollten und dass zumindest zu Beginn des Lüftens niemand im Raum sein sollte.
Oder habe ich da was falsch verstanden?
LNS
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