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Medizin

Wie sich SARS-CoV-2 im letzten Winter in Österreich ausbreitete

Dienstag, 24. November 2020

/picture alliance, Johann Groder

Wien – Die Analyse von mehr als 500 Virusgenomen zeigt, wie sich das neue Coronavirus SARS-CoV-2 von Ischgl und von Wien ausgehend verbreitet hat. Laut der Studie in Science Translational Medicine (2020; DOI: 10.1126/science.abe2555) ist es offenbar zu Superspreader-Ereignissen gekommen, bei denen die Infizierten teilweise mehr als 1.000 Viren aufgenommen haben könnten.

Durch den Vergleich von Virusgenomen lassen sich Übertragungswege rekonstruieren. Denn die Viren, die in den ersten Abstrichen nach der Infektion nachgewiesen werden, sind genetisch mit Viren beim Überträger identisch. Wenn das Virusgenom bei beiden, Überträger und Empfänger, bekannt ist, kann auf die Zahl der Viren geschlossen werden, die bei der Infektion übertragen wurden.

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Wenn nur ein einziges Virus übertragen wurde, müssten alle Viren beim Empfänger identisch sein. Mit der Zahl der übertragenen Viren steigt die genetische Vielfalt der Viren im ersten Abstrich des Infizierten.

Ein Team um Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum CeMM („Center for Molecular Medicine“) in Wien kommt jetzt in seiner Analyse zu dem Ergebnis, dass in einigen Fällen mehr als 1.000 Viren übertragen wurden.

Dies spricht für eine Übertragung durch einen sehr engen körperlichen Kontakt, wie er etwa auf Après-Ski-Partys in Ischgl häufig (und wohl auch erwünscht) ist. In anderen Fällen scheinen die Infizierten weniger als 100 Viren aufgenommen zu haben. Solche Mengen wurden etwa bei Übertragungen innerhalb der Familie gefunden.

Die Analyse wurde möglich, weil die österreichischen Behörden früh begonnen haben, die Übertragungswege durch Kontaktuntersuchungen zu analysieren. Die Forscher konnten deshalb häufig die Viren von Überträgern und Infizierten genetisch vergleichen. Die Ergebnisse bestätigen, dass Ischgl (und Umgebung) im Februar zu einem wichtigen Umschlagplatz für die Viren geworden war.

Es ist inzwischen nachgewiesen, dass die Skitouristen das Virus bis nach Island verbrei­teten. In Dänemark und Norwegen lassen sich bis zur Hälfte der Viren genetisch in den Tiroler Skiort zurückverfolgen. Wie das Virus nach Ischgl gelangte, ist unklar. Die Vermu­tung, dass das Virus auf den ersten Ausbruch bei einem Autozulieferer in Bayern zurück­zuführen ist, konnte durch einen Genomvergleich ausgeschlossen werden. Vermutlich ist das Virus mit einem Skitouristen von der Lombardei eingeschleppt worden.

Bergthaler vermutet aufgrund seiner Genomanalysen, dass das Virus auch von Norditalien aus nach Wien eingeschleppt wurde. Dort ist es ebenso wie in Ischgl zu einem Super­sprea­der-Ereignis gekommen. Er hat sich wohl in einer Turnhalle bei einer Sportveran­stal­tung ereignet. Beide, Disko und Fitness-Center, werden heute als Risikoorte für Super­spreader-Ereignisse eingestuft.

Für Bergthaler könnte die Mutationsanalyse bei den Viren im Prinzip die Nachverfolgung von Kontaktpersonen sinnvoll ergänzen. Derzeit dürfte dies allerdings an den Kosten und dem Zeitaufwand scheitern. Das Verfahren scheint eher für die spätere Aufarbeitung einer Epidemie geeignet zu sein. © rme/aerzteblatt.de

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