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Medizin

Grüne Mittelmeerkost lindert metabolisches Syndrom in randomisierter Studie

Freitag, 4. Dezember 2020

/Racle Fotodesign, stock.adobe.com

Beer Sheva/Israel – Eine Reduktionsdiät auf der Basis der Mittelmeerkost hat in einer randomisierten Studie Körpergewicht und Bauchumfang von adipösen Menschen gesenkt und die kardiometabolischen Risiken vermindert.

Die Wirkung konnte laut der Publikation in Heart (2020; DOI: 10.1136/heartjnl-2020-317802) durch eine „grüne“ Variante der Mittelmeerkost verstärkt werden, die den Fleischkonsum weiter einschränkt und die Zufuhr von Polyphenolen deutlich erhöht.

Eine Adipositas geht bei vielen Menschen mit einem Anstieg von Blutzucker, Blutfetten und Blutdruck einher. Die Kombination wird als metabolisches Syndrom bezeichnet. Die Fettablagerungen, die sich bei diesen Personen vor allem im Bauchbereich befinden, werden für die Störung des Stoffwechsels verantwortlich gemacht. Diäten, die die „toxische“ viszerale Adipositas vermindern, können einem Typ-2-Diabetes vorbeugen, der eine häufige Folge des metabolischen Syndroms ist.

Die derzeit bevorzugte Diät strebt eine gesteigerte Aufnahme von Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen sowie Fisch und Olivenöl an. Der Verzehr von Fleisch und Wurstwaren, Milch und Milchprodukten und Fertigprodukten soll eingeschränkt werden. Weil diese Diät den (früher) in den mediterranen Ländern verbreiteten Ernäh­rungsgewohnheiten entspricht, wird sie als Mittelmeerkost bezeichnet.

Die günstigen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-Risiko werden unter anderem auf den hohen Gehalt an Polyphenolen zurückgeführt. Dies hat zu einer neuen Variante der Mittelmeerkost geführt, die den Anteil der Polyphenolen deutlich steigert.

Zur „grünen“ Mittelmeerkost gehört neben einer weiteren Einschränkung von rotem Fleisch und Wurstwaren auch täglich ein Getränk, das aus Wolffia globosa hergestellt wurde, einer in Asien verbreiteten Wasserlinse. Der tägliche Smoothie ist reich an Proteinen, die die tierischen Proteine ersetzen sollen. Eine weitere Komponente der „grünen“ Mittelmeerkost ist grüner Tee.

Die DIRECT-PLUS-Studie („Dietary Intervention Randomised Controlled Trial – Polyphenols, Unprocessed“) hat die Auswirkungen der grünen Mittelmeerkost mit der konventionellen Mittelmeerkost und einer normalen Ernährung verglichen, wobei den Teilnehmern in allen drei Gruppen ein Bewegungsprogramm angeboten wurde.

Die Studie wurde in einem abgelegenen Forschungszentrum in der Wüste Negev durchge­führt, wo die Mitarbeiter in einer zentralen Kantine essen und es wenig Gelegenheiten gibt, sich außer Haus selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Dadurch wurde mehr oder weniger sichergestellt, dass sich die Teilnehmer an die verordnete Kost halten.

An der Studie nahmen 294 Mitarbeiter des Forschungszentrums teil, die überwiegend eine sitzende Tätigkeit ausübten und im mittleren Alter von 51 Jahren eine Adipositas mit einem mittleren Body-Mass-Index von 31,3 entwickelt hatten. Sie wurden auf 3 Gruppen randomisiert, in der die Probanden eine konventionelle oder eine grüne Mittel­meer­kost erhielten oder einfach den Ratschlag, sich gesund zu ernähren.

In den ersten 6 Monaten, deren Ergebnisse ein Team um Iris Shai von der Ben-Gurion Universität in Beer Sheva jetzt vorstellt, wurden die Teilnehmer der beiden Mittelmeer­diäten auf eine Reduktionsdiät mit einer Kalorienzufuhr auf 1.500 bis 1.800 kcal/Tag für Männer und 1.200 bis 1.400 kcal/Tag für Frauen gesetzt, während es in der dritten Gruppe keine Einschränkungen gab.

In allen 3 Gruppen kam es zu einem Rückgang des Körpergewichts. Die Teilnehmer der grünen Mittelmeerdiät nahmen im Durchschnitt um 6,2 kg ab, unter der konventionellen Mittelmeerdiät betrug die Reduktion 5,4 kg und in der Kontrollgruppe 1,5 kg. Der Taillen­umfang nahm in den 3 Gruppen um 8,6 cm, 6,8 cm und 4,3 cm ab.

Die Gewichtsabnahme wirkte sich günstig auf die verschiedenen Komponenten des meta­bolischen Syndroms aus: Das LDL-Cholesterin ging unter der grünen Mittelmeerkost um 6,1 mg/dl zurück gegenüber einer Abnahme um 2,3 mg/dl unter der konventionellen Mittelmeerdiät und 0,2 mg/dl in der Kontrollgruppe.

Beim diastolischen Blutdruck betrug der Rückgang in den 3 Gruppen 7,2 mm Hg, 5,2 mm Hg, und 3,4 mm Hg. Auch der HOMA-IR, ein Maß für die Insulinresistenz, entwickelte sich unter der grünen Mittelmeerkost mit einem Rückgang um 0,77 am günstigsten. Unter der konventionellen Mittelmeerdiät kam es zu einem Rückgang um 0,46 und in der Kontroll­gruppe um 0,27 (der HOMA-IR ist als Quotient von Plasma-Glukose zu Insulin ohne Einheit).

Der Entzündungsparameter hsCrPC (C-reaktives Protein) ging unter der grünen Mittel­meer­kost ebenfalls stärker zurück (minus 0,52 mg/l gegenüber minus 0,24 mg/l unter der konventionellen Mittelmeerdiät und minus 0,15 mg/l in der Kontrollgruppe.

Die bessere Stoffwechselsituation wirkte sich auch auf das 10-Jahresrisiko auf ein Herz-Kreislauf-Ereignis aus. Der Framingham-Risiko-Score sank unter der grünen Mittelmeer­kost absolut um 3,7 % gegenüber einem Rückgang um 2,3 % unter der konventionellen Mittelmeerkost und einem Rückgang um 1,4 % in der Kontrollgruppe.

Das Fazit der Forscher fällt positiv aus. Eine grüne Mittelmeerdiät könnte ihrer Ansicht nach einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung leisten. Menschen mit einem metabolischen Syndrom könnten mit ihrer Hilfe ihre kardiovaskulären Risiken minimieren und langfristig ihre kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität senken.

Die Vorteile waren in der Studie nur für Männer signifikant, was an dem geringen Frauen­anteil (35 Personen) gelegen haben könnte. Unklar bleibt auch, welche spezifischen Faktoren für den Vorteil der grünen Mittelmeerkost verantwortlich waren.

Da in der Kontrollgruppe keine Gewichtsreduktion angestrebt wurde, bleibt unklar, welcher Anteil des verbesserten Stoffwechsels auf die Gewichtsreduktion und welcher auf die besonderen Komponenten der beiden Mittelmeerdiäten zurückzuführen sind. DIRECT-PLUS gehört zu den wenigen randomisierten kontrollierten Studien, die die Auswir­kungen einer Diät auf die Gesundheit untersucht haben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #625311
L.A.
am Sonntag, 27. Dezember 2020, 15:30

Warum kommen, wie so oft, die "Eier" nicht vor? Sind die unschuldig ?

"Weniger tierische Nahrung- mehr pflanzliche Nahrung (außer Zucker) !" -so könnte man die Regel für eine gesündere Ernährung zusammenfassen. Und, wohlgemerkt, "weniger" und NICHT "keine" tierische Nahrung !
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