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Medizin

Europäer trainieren ihre Muskelkraft zu wenig

Donnerstag, 26. November 2020

/Peera, stock.adobe.com

Springfield – Wer seine Muskeln trainiert, lebt im Schnitt gesünder und länger. Doch nicht einmal 1/5 aller Europäer kommt einer neuen Studie zufolge auf den empfohlenen Trainingsumfang von mindestens 2 Tagen pro Woche. Besonders wenig wird demnach im Süden und Osten Europas Sport getrieben, Deutschland befindet sich auf Platz 6 der 28 untersuchten Länder, wie die Wissenschaftler im Fachjournal PLOS ONE berichten (2020; DOI: 10.1371/journal.pone.0242220).

Übungen wie Liegestütze und Kniebeugen sowie Gewichtstraining mit Hanteln oder an Geräten dienen dem Aufbau und Erhalt von Muskeln. Mehr und mehr Studien legen nahe, dass ein derartiges Krafttraining mindestens genauso wichtig für die Gesundheit ist wie etwa Laufen, Radfahren oder andere Arten des Ausdauertrainings.

So wurden regelmäßige Muskelaufbauübungen unter anderem mit einem geringeren Risiko für Diabetes, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Entsprechend heißt es in den Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungs­förderung: „Erwachsene sollten zusätzlich [zu aerober körperlicher Aktivität] muskel­kräftigende körperliche Aktivitäten an mindestens 2 Tagen pro Woche durchführen.“ Auch die gerade veröffentlichten Aktivitätsempfehlungen der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) raten zu jenem Umfang an Krafttraining und das vor allem Senioren.

Eine Studie der University of Southern Queensland, Springfield, Australien, zeigt nun aber, dass die wenigsten Erwachsenen in Europa dieser Empfehlung Folge leisten.

Ein Team von Wissenschaftlern um den Mediziner Jason Bennie analysierte 280.600 Datensätze der zweiten Runde der europäischen Gesundheitsumfrage EHIS (European Health Interview Survey). Sie war 2013 und 2014 in allen EU-Mitgliedsländern sowie Island und Norwegen erfolgt.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf Teilnehmer über 18 Jahren. Belgien und die Niederlande wurden nicht berücksichtigt, da Krafttraining dort nicht abgefragt worden war.

Nordeuropa ist am kräftigsten

Das Ergebnis der Auswertung: Gerade einmal 17,3 % der Befragten gaben an, 2 oder mehr Tage pro Woche Krafttraining zu betreiben. Die emsigsten Sportler gab es dabei im Norden Europas (Schweden, Dänemark, Finnland), am niedrigsten waren die Zahlen in Rumänien, Polen, Malta, und Kroatien. Wie lange das jeweilige Training dauerte, wurde nicht gefragt.

Zudem fanden die Wissenschaftler heraus, dass ein höheres Lebensalter, wenig Ausdauer­training und geringeres Einkommen oder Bildung mit einer geringeren Wahrscheinlich­keit dafür einhergingen, hinreichend Muskelkraft zu trainieren. Übergewicht oder Fettleibigkeit sowie die Einschätzung des eigenen Gesundheitszustandes als schlecht wirkten sich ebenso negativ aus. Frauen betrieben insgesamt weniger Krafttraining als Männer.

Für die Autoren um Bennie bieten all jene Faktoren Hinweise dafür, welche Gruppen besonders im Fokus möglicher Gesundheitsinterventionen stehen sollten. © nec/aerzteblatt.de

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