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Ärzteschaft

Lieferengpässe bei Arzneimitteln gegen Hyperprolaktinämie und Akromegalie

Donnerstag, 26. November 2020

/picture alliance, Geisler-Fotopress, Dwi Anoraganingrum

Mainz – Lieferengpässe sorgen im Augenblick dafür, dass Patienten, die an Hyperpro­lak­tinämie und Akromegalie leiden, derzeit in der Apotheke oft nicht ihr gewohntes Präparat erhalten.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) empfiehlt den Betroffenen, zeitnah ihren behandelnden Endokrinologen aufzusuchen, denn ein Absetzen der Medikamente würde viele Patienten einem gesundheitlichen Risiko aussetzen. Zusammen mit dem Arzt sei es aber möglich, zur Überbrückung auf ein Arzneimittel eines anderen Herstellers aus­zuweichen, so die Fachgesellschaft.

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Schwer verfügbar sind im Augenblick laut DGE die Wirkstoffe Cabergolin und Bromocrip­tin – beides Dopaminagonisten. Sie werden unter anderem zur Behandlung der Hyper­pro­laktinämie eingesetzt. Diese tritt bei Vorliegen eines Prolaktinoms auf, einem gutarti­gen hormonbildenden Tumor im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse. Dadurch ist der Spiegel des Milchhormons Prolaktin im Blut zu hoch.

In der Folge bleibt bei betroffenen Frauen die Monatsblutung aus und sie können nicht schwanger werden. In vielen Fällen tritt auch Muttermilch aus den Brustdrüsen aus. Beim Mann kommt es unter anderem zu Libido- und Erektionsstörungen und einer Verringe­rung des männlichen Hormonspiegels bis hin zur Unfruchtbarkeit.

Auch die Akromegalie geht von einem Tumor der Hypophyse aus und wird bei manchen Betroffenen ebenfalls mit Cabergolin und Bromocriptin behandelt.

Neben Bromocriptin ist laut der DGE insbesondere Cabergolin in der Dosierung von 0,5 mg pro Tablette nicht erhältlich. Teilweise noch lieferbar ist der Wirkstoff in höheren Dosierungen. Diese sind jedoch lediglich für die Behandlung anderer Krankheiten wie Parkinson zugelassen.

„Da das Anwendungsgebiet dann nicht der Zulassung des Präpa­rates entspricht, sprechen wir von einem ‚Off-Label-Gebrauch‘. In diesem Falle wird empfohlen, die Krankenkasse wegen der Kostenerstattung zu kontaktieren“, sagte Jürgen Honegger von der Arbeits­gemeinschaft Hypophyse und Hypophysentumore der DGE.

„Die Medikation mit Bromocriptin oder Cabergolin darf auf keinen Fall ohne Rücksprache mit dem behandelnden Endokrinologen pausiert werden“, betonte der stellvertretende ärztliche Direktor der Neurochirurgie am Universitätsklinikum Tübingen. Eine Änderung der Medikation sollte aber ebenfalls nur ein endokrinologisch erfahrener Arzt vornehmen.

„Wir haben eine Übersicht über die Verfügbarkeit aller in Deutschland zugelassenen Arz­nei­mittel mit den für diesen Zweck einzusetzenden Wirkstoffen aus der Gruppe der Dopa­minagonisten zusammengestellt. Damit haben die behandelnden Ärzte einen raschen Überblick, welche Behandlungsalternativen es für die Betroffenen gibt. Und sie sehen, bei welchen Arzneimitteln derzeit Lieferengpässe bestehen“, erläuterte Günter Stalla, Präsident der DGE und Ärztlicher Leiter von Medicover Neuroendokrinologie in München.

Die DGE setze sich aktuell mit den Kassenverbänden der gesetzlichen und privaten Kran­kenversicherungen und den Herstellerfirmen von alternativen Präparaten in Verbin­dung, um auf die Lieferengpässe hinzuweisen und eine lückenlose Versorgung der Patienten sicherzustellen, so der DGE-Präsident. © hil/aerzteblatt.de

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