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Politik

Kollateralschäden in zweiter Welle reduzieren

Freitag, 27. November 2020

/picture alliance, Roland Weihrauch

Berlin – Der Vorstandsvorsitzende und Medizinische Vorstand des Klinikums Stuttgart, Jan Steffen Jürgensen, hat betont, dass die Krankenhäuser in der zweiten Pandemiewelle auch die Nicht-COVID-Patienten gut versorgen wollen.

„Es geht jetzt darum, nicht nur einen Puffer für COVID-19-Patienten freizuhalten, sondern darum, auch den anderen Patienten gerecht zu werden“, sagte Jürgensen heute auf dem virtuellen Nationalen Qualitätskongress.

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In der ersten Welle seien die Freihaltungen zulasten anderer Patienten gegangen. Dabei habe es Kollateralschäden gegeben. „Es ist jetzt unsere Aufgabe, hier einen fairen Aus­gleich zu schaffen“, so Jürgensen.

Vor diesem Hintergrund begrüßte er den zweiten Rettungsschirm für Krankenhäuser, den Bundestag und Bundesrat in der vergangenen Woche verabschiedet haben. In der zweiten Pandemiewelle erhalten demnach Krankenhäuser Freihaltepauschalen für nicht belegte Betten, die viele COVID-19-Patienten behandeln. In der ersten Welle hatten alle Kranken­häuser entsprechende Zahlungen erhalten.

„Die Freihaltepauschalen waren in der ersten Welle zu undifferenziert“, sagte Jürgensen. „Denn das Freihalten an sich ist ja nicht die Aufgabe.“ Deshalb sei eine Differenzierung der Freihaltepauschalen ein Schritt in die richtige Richtung.

Mehr abgemeldete Intensivbetten

Der Geschäftsführer des IGES-Instituts, Bertram Häussler, wies vor diesem Hintergrund darauf hin, dass auf den Intensivstationen langsam damit begonnen worden sei, „die Ka­pazitäten für Coronapatienten umzuschichten“. Zwischen dem 15. August und dem 9. No­vember sei die Zahl der genutzten Intensivkapazitäten mit 21.400 Betten in etwa gleich geblieben.

Seit Mitte Oktober sei die Zahl der mit COVID-19-Patienten belegten Intensivbetten je­doch kontinuierlich angestiegen: auf 2.982 Betten, die am 9. November mit COVID-19-Patienten belegt gewesen seien. Davon wurden 1.658 Patienten beatmet.

Laut DIVI-Intensivregister von heute sind aktuell 22.218 Intensivbetten als belegt ge­meldet. 3.826 davon sind mit COVID-19-Patienten belegt, von denen 2.290 beatmet wer­den. Häussler zufolge sank die Zahl der von den Krankenhäusern gemeldeten Intensiv­betten von 30.676 Mitte August auf 28.576 am 9. November. Heute sind es 27.703.

Durchschnittsalter auf Intensivstationen steigt

Häussler wies zudem darauf hin, dass das Durchschnittsalter der Patienten auf den In­ten­sivstationen wieder ansteige. Habe es im April bei 52,2 Jahren und im August bei 32,9 Jahren gelegen, so liege es derzeit bei 43,3 Jahren. Dieser Anstieg habe unter anderem dazu beigetragen, dass auch die Fallzahlen auf den Intensivstationen wieder gestiegen seien.

Jürgensen betonte, dass die Fallsterblichkeit auf den Intensivstationen seit dem Frühjahr zurückgegangen sei. „Im Frühjahr ist noch jeder zweite Beatmete auf der Intensivstation gestorben. Heute sind es deutlich, deutlich weniger“, sagte er.

Grund dafür sei, dass die Intensivmediziner bei der Versorgung von COVID-19-Patienten dazugelernt hätten. Wichtig dabei seien unter anderem ein spätes Intubieren, die Gabe von Dexamethason, um eine überschießende Immunreaktion zu unterdrücken, oder eine Antikoagulation, um einem thrombotischen Multiorganversagen vorzubeugen.

DKG will COVID-19-Monitoring erweitern

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, betonte: „Wir sind froh, dass wir mithilfe des DIVI-Intensivregisters jetzt einen besseren Überblick über die Intensivbetten in Deutschland haben. Wir würden uns allerdings noch ein paar Daten mehr wünschen.“

Deshalb habe man beschlossen, selbst ein Monitoring aufzulegen. „Wir können uns vor­stellen, das DIVI-Register noch zu erweitern, um einen Überblick über die COVID-19-Pa­tienten zu bekommen, die auf den Normalstationen liegen.“ Denn deren Zahl sei infolge der besseren Therapiemöglichkeiten angestiegen.

„Wir haben es geschafft, gut durch die Krise zu kommen“, betonte Gaß. „Wir mussten in aller Regel keine Patienten auf den Fluren behandeln, wir mussten keine Triage durch­führen und an den Betten standen vollausgebildete Pflegekräfte – wenn auch nicht immer Intensivpflegekräfte.“

Das medizinische Personal in den Krankenhäusern und im ambulanten Bereich habe sich mit großem Engagement an der Bewältigung der Krise beteiligt. „Es muss viel aushalten und es machen sich an der einen oder anderen Stelle Erschöpfungszustände bemerkbar.“

Klinikärzte lassen sich gegen Grippe impfen

Vorschlägen, Reservistenpools in der Pandemie zu schaffen, erteilt Gaß eine Absage. „Wir erleben jetzt, dass es mehr Bewerbungen in den Krankenpflegeschulen gibt“, erklärte er. „Es muss unser Ziel sein, als Arbeitgeber so attraktiv wie möglich für die jungen Men­schen zu sein. Eine Diskussion darüber, Reservistenpools zu schaffen, ähnlich wie bei der Bundeswehr, ist da eher kontraproduktiv.“

Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), Ruth Hecker, die zu­gleich Chief Patient Safety Officer am Universitätsklinikum Essen ist, berichtete über die Bereitschaft der Mitarbeiter ihres Hauses, sich gegen die Grippe impfen zu lassen.

„In den letzten Jahren waren unsere Mitarbeiter schwer zu bewegen, sich impfen zu las­sen“, sagte sie. „In diesem Jahr ist das überhaupt kein Problem.“ Natürlich stehe an erster Stelle aber weiterhin die Freiwilligkeit: Niemand müsse sich impfen lassen, der es nicht möchte. © fos/aerzteblatt.de

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