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Medizin

Neuroblastom: CAR-T-Zell-Therapie verkleinert Tumore

Freitag, 4. Dezember 2020

3-D-Modell einer CAR-T-Zelle/ catalin, stock.adobe.com

London – Das Neuroblastom, eine Krebserkrankung der ersten Lebensjahre, könnte zu einem Einsatzgebiet der CAR-T-Zelltherapie werden, bei der der Tumor mit genetisch modifizierten Abwehrzellen angegriffen wird.

Eine von britischen Medizinern entwickelte Therapie hat sich in einer Phase-1-Studie in Science Translational Medicine (2020; DOI: 10.1126/scitranslmed.abd6169) als sicher erwiesen und die Tumore, wenn auch nur vorübergehend, zurückgedrängt.

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden T-Zellen aus dem Blut des Patienten isoliert und im Labor mit dem Gen für einen sogenannten chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ausgestattet. Nach der Rückinfusion der CAR-T-Zellen erkennt der CAR ein spezifisches Antigen auf der Oberfläche der Krebszelle und löst eine Immunreaktion gegen den Tumor aus. Die Behandlung hat bei Leukämien und Lymphomen eine gute Wirkung erzielt. 2 Präpa­rate sind mittlerweile zugelassen.

Die Behandlung könnte im Prinzip auch bei anderen Krebserkrankungen eingesetzt werden. Die CAR-T-Zellen müssen allerdings für jede Krebsart mit anderen Rezeptoren ausgestattet werden, weil sich die Antigene auf den Tumoren unterscheiden. Bei der Wahl des Ziel-Antigens müssen die Forscher darauf achten, dass das Antigen nicht auch auf gesunden Zellen vorhanden ist, weil sonst auch diese Zellen angegriffen würden.

Ein Team um Martin Pule vom University College London hat jetzt eine CAR-T-Zelltherapie zur Behandlung des Neuroblastoms entwickelt. Der Tumor leitet sich von Vorläuferzellen des sympathischen Nerven­systems ab und tritt zu 90 % in den ersten Lebensjahren auf. In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 150 Neuerkrankungen.

Das Neuroblastom kann sich von selbst zurückbilden, bei fortgeschrittenen Tumoren überleben jedoch auch bei intensiver Therapie nur etwa 50 bis 60 % der Kinder, weshalb es einen Bedarf für weitere Therapien gibt.

Das Neuroblastom bietet sich für eine CAR-T-Zelltherapie an, weil alle Tumorzellen auf ihrer Oberfläche mit dem Disialogangliosid GD2 ein Antigen haben, das ansonsten nur in geringer Anzahl auf peripheren Nervenzellen und im Gehirn vorhanden ist. Dies lässt eine gute Verträglichkeit erwarten. Dennoch ist wie immer bei neuen Therapien Vorsicht geboten.

Die britischen Forscher haben in ihrer Phase-1-Studie die Dosis der CAR-T-Zellen bei ihren Patienten deshalb nur langsam gesteigert. Die CAR-T-Zelltherapie wurde im wei­teren Verlauf der Studie mit einer Chemotherapie kombiniert, um andere Abwehrzellen der Patienten zu beseitigen und das Feld für die CAR-T-Zellen frei zu machen. Diese Lymphodepletion erfolgte zunächst mit Cyclophosphamid, später wurde Fludarabin hinzugenommen.

Bisher wurden 12 Patienten behandelt. Alle hatten bereits mehrere frühere Behand­lungen erhalten. Die ersten Behandlungsversuche blieben erfolglos. Doch nach der Kombination mit der Lymphodepletion und der Dosiserhöhung wurde bei 3 Patienten eine deutliche Reduktion der Tumorlast erzielt, ohne dass es zu einem Angriff auf die gesunden Nervenzellen kam.

Die Teilremissionen waren zwar von begrenzter Dauer, weshalb die Therapie noch nicht für den klinischen Einsatz geeignet ist. Die Forscher sind jedoch zuversichtlich, dass sie die Ergebnisse durch weitere Modifikationen verbessern können. Sollte sich die Therapie als erfolgreich erweisen, wäre sie der erste Beweis für die Wirksamkeit der CAR-T-Zelltherapie bei soliden Tumoren.

Anders als bei Leukämien und auch bei Lymphomen sind bei diesen kompakten Tumoren die Krebszellen für die infundierten CAR-T-Zellen nicht ohne weiteres erreichbar. © rme/aerzteblatt.de

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