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Medizin

Laute Wohnumgebung könnte das Risiko für Demenz steigern

Donnerstag, 10. Dezember 2020

/Ursula Page, stock.adobe.com

Boston/Ann Arbor – Lärm in der Wohnumgebung – von Autos, Zügen, Industrieunter­nehmen oder anderem – könnten das Risiko für Demenz im Alter steigern. Das berichten Wissenschaftler um die Erstautorin Jennifer Weuve von der Boston University School of Public Health in Alzheimer’s & Dementia, der Zeitschrift der Alzheimer’s Association (2020; DOI: 10.1002/alz.12191).

Für die Studie bewerteten die Forscher in 3-Jahreszyklen den kognitiven Zustand von 5.227 Erwachsenen im Alter von 65 Jahren und älter. Die Studienteilnehmer nahmen am sogenannten Chicago Health and Aging Project teil. Die Autoren der Studie schätzten zudem die Lärmpegel in den Gemeinden, in denen die Teilnehmer in den 5 Jahren vor den Untersuchungen lebten, mit Hilfe eines Prognosemodells ab. Sie bezogen auch Faktoren wie körperliche Aktivität und sozioökonomischen Status in ihre Berechnungen des Demenzrisikos ein.

Nach Berücksichtigung dieser Faktoren ergab die Studie, dass ältere Erwachsene, die tagsüber mit sogenannten frequenzgewerteten 10 Dezibel mehr Lärm leben, eine um 36 % höhere Wahrscheinlichkeit hatten, eine leichte kognitive Beeinträchtigung zu entwickeln, und eine um 29% höhere Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken.

Der sozioökonomische Status war der einzige Faktor, der diese Beziehung beeinflusste. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass in typischen städtischen Gemeinden in den USA höhere Lärmpegel die Gehirne älterer Erwachsener beeinträchtigen“, sagte Sara Adar, leitende Studienautorin von der University of Michigan School of Public Health in Ann Arbor.

Die Forscher spekulieren, dass es mehrere Gründe für den Zusammenhang zwischen erhöhtem Lärm und einem höheren Risiko für kognitive Beeinträchtigungen geben könnte. Zum Beispiel hätten frühere Studien gezeigt, dass Lärmbelastung schädliche Auswirkungen haben kann, die von erhöhtem Blutdruck bis zu Schlafstörungen reichen. Es gebe zudem Hinweise darauf, dass sowohl die Gefäßgesundheit als auch schlechte Ruhe das Demenzrisiko erhöhen können.

„Wir befinden uns bei der Erforschung von Lärm und Demenz noch im Anfangsstadium, aber die bisherigen Signale, auch die aus unserer Studie, legen nahe, dass wir der Möglichkeit, dass Lärm mit zunehmendem Alter die kognitiven Risiken beeinflusst, mehr Aufmerksamkeit schenken sollten“, so das Fazit der Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 11. Dezember 2020, 00:20

Es ist doch eigenartig...

...ein derart komplexes und multi-faktoriell-kausales nosologisches Krankheitsbild wie die Demenz auf laute Wohnumgebung reduzieren zu wollen.

Frau Prof. Miia Kivipelto weist als Expertin darauf hin, dass Demenzerkrankungen und speziell die Alzheimer-Demenz komplexe, multifaktorielle Erkrankung und keine einfache, monokausale Stoffwechselerkrankungen des Gehirns sind. Neben der spezifischen Pathologie mit Ablagerung von Amyloid Aß42, Tau-Aggregation und Neurodegeneration spielen auch konventionelle Gefäßrisikofaktoren wie Alter, Dyslipidämie, Inflammation und oxidativer Stress eine Rolle. Nicht zuletzt hat auch die Immunologie der Blut-Hirn-Schranke eine wesentliche Bedeutung im ursächlichen Krankheitsgeschehen.

„Etwa 30 Prozent des Alzheimer-Risikos lassen sich durch sieben Risikofaktoren erklären, die wir mehr oder minder wirksam beeinflussen können“, betonte Frau Kivipelto. Dazu gehören:
•Diabetes,
•Hypertonie,
•Adipositas,
•Depression,
•körperliche Inaktivität,
•Rauchen, Alkoholabusus und
•geringe Bildung.

Die positiven Entwicklungen in der allgemeinen Krankheitsprävention haben schon zu einer deutlichen Verminderung der Demenz-Inzidenz geführt. Vgl.
http://www.springermedizin.de/demenzinzidenz-in-30-jahren-fast-halbiert/6193892.html von Thomas Müller.

Aber Allgemeinaussagen, dass psychischer Stress das Risiko erhöht (AAIC 2018; Abstract 23086) bedeutet keineswegs automatisch, dass Sport dagegen hilft. Leistungssport ist z.B. auch ein Stressfaktor.

Angst- und Depressionsskalen helfen diagnostisch wenig, weil die Betroffenen zu Ausgleichssport oft gar nicht zu motivieren sind.

Wenn "vor allem finanzielle und berufliche Probleme...mit der Demenzinzidenz korrelieren", erhöht dies bei den Betroffenen die Demenzhäufigkeit um rund ein Viertel, ohne dass wir Ärztinnen und Ärzte dagegen wirklich etwas ausrichten könnten.

Demenz würde bei Afroamerikanern mehr als doppelt so häufig auftreten, wie bei weißen US-Bürgern, erläuterte Dr. Laura Zahodne von der Universität in Ann Arbor ihre Studie (Abstract 22139). Aber woher kommt dann die Erkenntnis, dass Stress und CRP-Erhöhung wirklich kausal korrelieren?

Lächerlich machen sich Forscher, die den objektiv gar nicht vorhandenen Nutzen von Omega-3-Fettsäuren zur Demenzprävention zum Anlass nehmen, ersatzweise zu behaupten, dass sowohl die Resorption als auch der Stoffwechsel von Omega-3-Fettsäuren bei älteren Menschen und solchen mit Alzheimer-Demenz gestört seien.

Aus der wissenschafts- und erkenntnistheoretischen "Schmuddelecke" wird auch wieder die Zuckertheorie hervorgeholt: Forscher um Dr. Yian Gu von der Columbia University in New York fanden Hinweise aus der WHICAP-Studie, wonach Personen, die viel gesüßte Getränke konsumieren, vermehrt an Alzheimer erkranken (Abstract 24027). Wobei damit das "Henne-Ei-Problem" ungelöst bleibt:
Wie Thomas Müller von der ÄZ zutreffend schreibt, "möglicherweise schadet zu viel Zucker dem Insulinstoffwechsel im Gehirn – vielleicht ist ein ausgeprägter Konsum zuckerhaltiger Getränke trotz aller Adjustierungen aber auch wieder nur ein Marker für einen ungesunden Lebensstil".

Speziel zu der hier im Deutschen Ärzteblatt referierten Studie:
Selbstverständlich ist Lärm, insbesondere dauerhaft in der Schalldruck-Stärke von bis zu 78,2 dB in der Wohnumgebung gesundheitsschädlich/krankheitsfördernd.

Aber (Alzheimer-)Demenz ist eben mitnichten eine monokausal verursachte Krankheitsentität, sondern eine äußerst komplexe Nosologie mit multikausalem Ursprung.

Die Publikation "Long-term community noise exposure in relation to dementia, cognition, and cognitive decline in older adults" von
Jennifer Weuve et al. vom 20 October 2020
https://doi.org/10.1002/alz.12191 ignoriert weitgehend die Tatsache, dass eine besonders laute Wohnumgebung mit weiteren Umweltbelastungen wie Feinstaub, Schwefeldioxyd, Co2 u.a. assoziiert ist. Hinzu kommen schicht- und lebens-spezifische Faktoren. Wer im Arbeitsleben im Hoch- und Tiefbau, als Stahl- und Hochofenarbeiter, an Flughäfen oder im Schiffsbau, in Steinbruch, Mine oder Kokerei gearbeitet hat und dann noch im Alter von durchschnittlich 73-74 Jahren an viel befahrenen, lauten Straßen und nicht in ruhig-feineren Villenvierteln lebt, hat nicht nur ein Demenzproblem, sondern auch wesentlich höhere Risiken, an KHK, COPD und anderen Krankheiten zu versterben.

Insofern sind Berechnungen des Autorenteams, das Risiko für leichte kognitive Einschränkungen (mild cognitive impairment, MCI) steige um 36 Prozent je Anstieg des Lärmniveaus um 10 dBA (Schalldruckpegel im Bereich der für das Hören wichtigen Frequenzen), reine Makulatur.

Wenn die Gefahr, Morbus Alzheimer zu entwickeln, pro zusätzlichen 10 dBA um 29 Prozent zunehmen könnte, wären bereits in einem Bereich von 40 bis 80 dB mit einer Differenz von 40 dB die Grenzen der mathematischen Prozent-Logik gesprengt.

Bezeichnenderweise schreiben die AutorInnen auch nicht von Schlussfogerung/Interpretation sondern stellen ihre fragwürdigen Ergebnisse nur zur Diskussion ["Discussion - These results join emerging evidence suggesting that noise may influence late-life cognition and risk of dementia"].

Mf+kG, Ihr Dr.med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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