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Medizin

Depression: Antriebsstörung zeigt sich in der Pupille

Dienstag, 8. Dezember 2020

/picture alliance, DAVID HERRAEZ CALZADA

München – Gesunde Menschen reagieren auf eine bevorstehende Belohnung mit einer leichten Erweiterung der Pupillen. Bei Patienten mit schweren Depressionen war diese Reaktion in einer Studie in Brain Sciences (2020; DOI: 10.3390/brainsci10120906) abgeschwächt, was im Gehirn mit einer verminderten Aktivität des Salience-Netzwerks verbunden war.

Zu den Leitsymptomen einer Depression gehört eine Antriebsstörung. Die Patienten wirken häufig lustlos (Anhedonie) und agieren schwächer auf äußere Anreize. Im Extremfall sind sie völlig teilnahmslos. Hirnforscher vermuten eine Störung im Salience-Netzwerk, das aus dem anterioren insulären Cortex und dem dorsalen anterioren cingulären Cortex des Großhirns besteht.

In diesen Regionen des Gehirns kommt es zu einer vermehrten Aktivität, wenn die Sinnesorgane dem Gehirn Veränderungen in der Umwelt signalisieren. Das Salience-Netzwerk lässt sich mit der funktionellen Magnetresonanztomografie darstellen, die allerdings aufwendig und deshalb in der Regel nur zu Forschungszwecken eingesetzt wird.

Eine klinisch leichter zu analysierende Veränderung, die mit dem Salience-Netzwerk in Verbindung steht, ist die Weite der Pupillen. Ein Team um Victor Spoormaker vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München hat in einer früheren Studie zeigen können, dass die Dilatation der Pupillen, mit der Menschen in Vorfreude auf eine Belohnung reagieren, mit der Aktivität des Salience-Netzwerks im Gehirn korreliert. In der aktuellen Studie haben die Forscher untersucht, ob diese Reaktion bei Patienten mit Depressionen im Vergleich zu Gesunden gestört ist.

Die Probanden – 46 Patienten mit schweren Depressionen und 25 psychisch gesunde Personen – befanden sich in der Röhre eines Magnetresonanztomografen, während sie an einem einfachen Spiel teilnahmen, in dem sie einen kleinen Geldbetrag gewinnen konnten.

Während mit der Magnetresonanztomografie die Veränderungen der Hirnaktivität registriert wurde, maß ein Pupillometer die Weite der Pupille. Das Gerät war dabei in der Lage, 250 Bilder pro Sekunde aufzunehmen.

Während sich bei den gesunden Teilnehmern immer dann die Pupillen weiteten, wenn sie davor standen, einen Gewinn zu machen, war diese Reaktion bei den Patienten mit Depressionen abgeschwächt. Die Auswirkungen waren abhängig vom Schweregrad der Depression. Je ausgeprägter die Symptome waren, desto weniger weit öffneten sich die Pupillen.

Gleichzeitig war im Gehirn der Patienten mit Depressionen die Aktivierung des Salience-Netzwerks vermindert. Die Studie liefert nach Ansicht von Spoormaker eine Erklärung für die Antriebsstörung, unter der viele Patienten mit Depressionen leiden.

Sie könnte – erstmals für die Depression – die Grundlage für einen klinischen Test liefern, bei dem die Diagnose einer Depression durch die Reaktion der Pupillen auf eine zu erwartende Belohnung bestätigt werden könnte.

Allerdings ist die Untersuchung nicht einfach. In der Studie hatten nicht alle Teilnehmer die notwendige Ruhe, die zur Bestimmung der Pupillenweite erforderlich ist. Die Pupillometrie könnte in Zukunft auch genutzt werden, um die Wirksamkeit von Medikamenten zu beurteilen. Zunächst müssten allerdings die Ergebnisse an einer größeren Gruppe von Patienten bestätigt werden. © rme/aerzteblatt.de

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