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Politik

Zehntausende Altenpflegekräfte fallen durch Krankheit und Frühverrentung aus

Dienstag, 1. Dezember 2020

/Tommy Larey, stock.adobe.com

Berlin – Altenpflegekräfte sind häufiger krankgeschrieben als andere Arbeitnehmer und gehen öfter in Frührente. Das geht aus dem Barmer Pflegereport 2020 hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. In den Jahren 2016 bis 2018 waren demnach 8,7 Prozent der Hilfskräfte und 7,2 Prozent der Fachkräfte in der Altenpflege krankgeschrieben. In anderen Berufen lag der Krankenstand im Durchschnitt bei fünf Prozent.

Von 1.000 Altenpflegefachkräften gehen zudem pro Jahr durchschnittlich 3,9 in die Erwerbsminderungs­rente. Bei anderen Berufstätigen sind es drei von 1.000.

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„Wenn das Pflegepersonal nicht überdurch­schnittlich häufig krank wäre oder frühverrentet werden müsste, könnten 50.000 Pflegebedürftige zusätzlich versorgt werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Christoph Straub, bei der Vorstellung des Reports. Das entspreche einer Arbeitsleistung, die 26.000 Pflegekräfte erbringen würden.

Dem Pflegereport zufolge fehlte jede krankgeschriebene Altenpflegefachkraft in den Jahren 2016 bis 2018 im Durchschnitt 18,6 Tage und damit 40 Prozent länger als Beschäftigte in sonstigen Berufen, die 13,3 Fehltage hatten. Altenpflegehilfskräfte waren im Schnitt 20,2 Tage krank.

Dabei litten Altenpflegende insbesondere an muskulo-skelettalen Erkrankungen. Je 100 Versicherten­jahre habe es bei Altenpflegenden 22,2 Fälle von Arbeitsunfähigkeit (AU) gegeben, erklärte der Autor des Reports, Heinz Rothgang von der Universität Bremen.

Bei Beschäftigten anderer Berufe seien es 17 AU-Fälle gewesen. Altenpflegende hätten zudem 617 AU-Tage je 100 Versichertenjahre in Anspruch nehmen müssen, während es bei Beschäftigten anderer Be­rufe 362 AU-Tage gewesen seien.

Auch von psychischen Erkrankungen seien Altenpflegende deutlich häufiger betroffen als andere Be­schäftigte, erklärte Rothgang. So wiesen Beschäftigte in der Altenpflege etwa 80 bis 90 Prozent mehr Fehltage aufgrund von Depressionen auf als Erwerbstätige in sonstigen Berufen. Bei Hilfskräften sei der Gesundheitszustand dabei noch schlechter als bei Fachkräften.

Mehr Präventionskurse anbieten

„Die Arbeitssituation in der Pflege greift die Gesundheit der Beschäftigten massiv an. Wenn sie ausfallen, werden Kolleginnen und Kollegen zusätzlich belastet. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden, zumal die Coronapandemie die angespannte Arbeitssituation der Pflegekräfte noch einmal verschärft“, betonte Straub.

Er forderte, dass alle Pflegekräfte nach Tarif bezahlt werden. Einen vor kurzem geschlossenen Tarif­ver­trag will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege (KAP) für allgemeinverbindlich erklären. Im Rahmen der KAP sollen zudem zehn Prozent mehr Ausbil­dungs­plätze für Pflegefachkräfte in Deutschland geschaffen werden. Straub lobte dieses Vorhaben.

„Um freie Stellen besetzen zu können, ist eine Aus- und Weiterbildungsoffensive erforderlich“, sagte er. Diese müsse jedoch auch Pflegehilfskräfte in den Blick nehmen.

Straub forderte die Arbeitgeber dazu auf, die Arbeitsbedingungen der Altenpflegenden zu verbessern, zum Beispiel durch die Einführung möglichst planbarer und familienfreundlicher Arbeitszeiten. Zudem sollten die Arbeitgeber gezielte Gesundheits- und Präventionsangebote im Rahmen eines professio­nellen betrieblichen Gesundheitsmanagements anbieten.

Dazu zählten unter anderem Trainings, mit denen man gezielt Rückenschmerzen vorbeugen kann, oder Präventionskurse gegen Stress und psy­chische Belastungen. „Derzeit gibt es entsprechende Angebote nicht einmal in jeder zweiten stationären Einrichtung“, sagte Straub. „Das ist zu wenig.“

20.000 mehr Stellen für Hilfskräfte

Rothgang hat in diesem Jahr ein im Auftrag des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums angefertigtes Gutach­ten zur Bedarfsbemessung in der Langzeitpflege vorgelegt. Darin kam er zu dem Schluss, dass insbe­son­dere mehr Pflegehilfskräfte in den Pflegeeinrichtungen gebraucht würden.

„Den ersten Schritt dazu hat die Bundesregierung mit dem Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbes­serungsgesetz getan, das der Bundestag am Donnerstag verabschiedet hat“, sagte Rothgang. Mit dem Gesetz wurden 20.000 neue Stellen für Pflegehilfskräfte in der Altenpflege finanziert. Das könne jedoch nur der erste Schritt sein, so Rothgang. © fos/aerzteblatt.de

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