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COVID-19: Komplikationen am Herzen per Ultraschall frühzeitig aufspüren

Dienstag, 1. Dezember 2020

/antoniotruzzi, stock.adobe.com

Berlin – Insbesondere ältere Patienten entwickeln im Laufe einer COVID-19-Erkrankung häufig Kompli­kationen am Herzen, zum Beispiel eine Myokarditis. Bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) erinnerten die Ultraschallexperten daran, dass sich mit einer Echokardiografie Anzeichen für Schäden am Herzen frühzeitig erkennen, lassen – um dann rechtzeitig eine Behandlung einleiten zu können.

Dies sei umso wichtiger angesichts der Beobachtung, dass „insbesondere ältere Patienten mit kardialen Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe von COVID-19“ hätten, wie Fabian Knebel, Leitender Oberarzt an der Klinik für Kardiologie der Berliner Charité am Campus Mitte, erklärte. Kompli­ka­tionen am Herzen müssten bei ihnen zeitnah erkannt werden.

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Bei Patienten mit Störungen der linksventrikulären Pumpfunktion oder Herzklappenfehlern sollte im Falle einer COVID-19-Infektion dringend eine Echokardiografie durchgeführt werden, so der Rat der Ultraschallmediziner. Dies gelte aber auch für Patienten ohne bekannte Vorerkrankungen.

„In der Coronapandemie hat sich gezeigt, dass eine engmaschige echokardiografische Untersuchung von COVID-Patienten sinnvoll ist“, betonte Knebel, der in der DEGUM den Arbeitskreis Echokardiografie leitet. Während einer Infektion sei die Gefahr einer Myokarditis grundsätzlich erhöht. Hier biete es sich an, moderne echokardiografische Methoden wie den Screen einzusetzen“, so Knebel.

Dies zeigen auch Studien. Laut einer Publikation in JAMA Cardiology (2020; DOI: 10.1001/jamacardio.2020.3557) hatten von 100 deutschen Patienten, die sich gerade von einer SARS-CoV-2-Infektion erholt hatten, insgesamt 78 Auffälligkeiten am Herzen. Anzeichen einer Myokarditis wiesen 60 davon auf. In dieser Studie war das Herz mittels MRT untersucht worden. In diesen Fällen sei allerdings eine frühe Diagnose wichtig, da die rechtzeitige Behandlung schwere Entzündungsschäden verringern oder sogar aufhalten könne.

„Wir empfehlen in jedem Fall, dass Patienten, die nach einer COVID-19-Infektion beispielsweise weiter­hin an Luftnot oder Abgeschlagenheit leiden, sich echokardiografisch untersuchen lassen, um neben einer Myokarditis auch eine Verminderung der Herzfunktion zu erkennen“, sagte Knebel.

Mittels Echokardiografie könne der Patient außerdem auf der Intensivstation untersucht werden – ohne dass er durch das Krankenhaus transportiert werden müsse. Dies vermeide die Verbreitung des Virus. In einem Positionspapier, welches die DEGUM bereits in der ersten Coronawelle im Frühjahr verabschiedet hat, werden die Hygienestandards dargelegt, die einzuhalten sind, um den Untersucher vor einer Infektion zu schützen.

Auch Thrombosen und Embolien lassen sich detektieren

Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass es sich bei COVID-19 auch um eine Erkrankung des Endo­thels handelt (European Heart Journal, 2020; DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa623). Die Schädigung des En­dothels durch das Virus bildet den Beginn einer Reaktions­kette, die mit der Thrombosierung der kleinen Blutgefäße endet. Die Folge ist eine verstärkte Verklumpungsneigung des Blutes.

In Autopsien verstorbener Patienten stellten Mediziner überraschend viele Thrombosen und Blut­gerin­nsel in Arterien, Venen und auch Kapillaren fest. „Etwa ein Drittel der schwer an COVID-19 erkrankten Patienten verstirbt an Thrombosen und Lungenembolien“, erklärte Knebel.

Des Weiteren sei beobachtet worden, dass es bei einigen COVID-19-Patienten durch Thrombosen und Thrombembolien zu einer Erhöhung des Lungendrucks und einer Vergrößerung des rechten Herzens kommen kann. Auch hier sei die Echokardiografie eine sehr elegante Methode, um dies frühzeitig und sicher zu detektieren, so der Ultraschallspezialist. © nec/aerzteblatt.de

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