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Deutschland Schlusslicht im Kampf gegen Tabakkonsum

Dienstag, 1. Dezember 2020

/dpa

Heidelberg – Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) europäi­sches Schlusslicht im Kampf gegen den gesundheitsschädlichen Tabakkonsum. „Die Politik hat weitge­hend versagt bei der Tabakkontrolle“, sagte Ute Mons heute bei der Vorstellung des DKFZ-Raucheratlas.

Es gebe anders als in anderen Ländern keine umfassende Strategie, Menschen zu motivieren, mit dem Rauchen aufzuhören, sagte die Expertin für Krebsprävention in Heidelberg. Wirksame Maßnahmen seien etwa kostenlose Entwöhnkurse, Stopp jeglicher Werbung von Tabakprodukten und deutliche Erhöhungen der Tabaksteuer. Solche Schritte sei Deutschland nicht oder nur zögerlich angegangen. So sei immer noch Tabakwerbung in Tankstellen und Supermärkten erlaubt.

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Über den Preis seien vor allem Jugendliche vom Einstieg ins Rauchen abzuhalten. Der Anteil der Raucher beträgt bei den Jungen 6 Prozent und bei den Mädchen bei 5,2 Prozent. In der Gruppe der 25- bis 69-Jäh­rigen raucht fast jede vierte Frau. Bei den Männern ist es ein knappes Drittel. Der Atlas zeigt auch einen deutlichen Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und Bildung: Beinahe 60 Prozent aller Raucher und knapp 50 Prozent aller Raucherinnen haben keinen Schulabschluss.

Mons forderte stärkere Anstrengungen für einen Rauchstopp bei den mittleren Altersgruppen. „Diese sind bei den Bemühungen um einen Rauchstopp vernachlässigt worden.“ Die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer zeigten jetzt die Folgen des schädlichen Konsums.

Der Weg aus starker Abhängigkeit sei leichter zu finden, wenn sich niedergelassenen Ärzte, Versicherun­gen und Suchtberatungsstellen vernetzten. Finanzielle Hürden zur Rauchentwöhnung müssten abgebaut werden. DKFZ-Chef Michael Baumann wies darauf hin, dass der Entzug auch bei Krebskranken noch Sinn habe. So könne das Risiko von Rückfällen und Neuerkrankungen reduziert werden.

Die Zahl der infolge des Rauchens an Krebs Erkrankten lag laut DKFZ im Jahr 2018 bei 85.000. 127.000 Menschen starben an den Folgen des Tabakkonsums. Das sind gut 13 Prozent aller Todesfälle.

Überdies kritisieren die Experten den Einfluss der Lobby der Tabakindustrie auf die Politik. Die Kontakte zwischen Lobbyisten und Politik seien nicht transparent genug. Während das Bundesgesundheits- und Bundesagrarministerium diese offenlege, verweigerten dies das Bundesfinanz- und Bundeswirtschafts­ministerium. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #528057
Jörg Wiesenfeldt
am Montag, 7. Dezember 2020, 16:40

Doch: in diesem Fall baut die Politik Mist

Die Datenlage für Dampf und andere Tabakindustrie-Ersatzprodukte bezüglich langfristiger Abstinenz mag ungefähr so gut oder schlecht sein wie die gesamte Entwöhnungsforschung. Tatsache ist, dass die Industrie überall auf der Straße mit dem Segen unserer besch... C-Regierung weiterhin für diverse Einstiegsdrogen werben darf. Das tut die nicht, um Raucher von den Zigaretten weg, sondern, um Jugendliche zur Nikotinabhängigkeit hin zu führen. Die Verfügbarkeit von Zigaretten und die Selbstverständlichkeit, mit der an Bushaltestellen, auf Bahnsteigen, vor Krankenhaustüren und an anderen öffentlichen Plätzen im Gedränge gequalmt wird, machen Deutschland einzigartig auf der Welt. Nur Luxemburg mit seinem Steuerdumping dürfte noch schlimmer pro-tobacco werbeb. Das DKfZ hat recht: wir brauchen eine bessere Regierung, erstens wegen des Klimaschutz, und zweitens in Sachen Suchtprävention.
Avatar #724084
MPeuser
am Dienstag, 1. Dezember 2020, 20:13

Raucher sterben 15 Jahre früher

Ich war starker Raucher und als Kinder hatten wir schon auf dem Schulhof geraucht und zwar Zweige vom wilden Wein der da wuchs. Man wollte halt schon wie ein Erwachsener sein. Mit 21 Jahren wollte ich aufhören zusammen mit meinem jüngeren Bruder und ich hatte mit ihm vereinbart, wer zuerst wieder raucht zahlt dem anderen 5 DM (damals noch echtes Silber). Ich erwischte meinen Bruder, als er mit einer Zigarette im Mund stolz nach einem Hertha BSC Sieg im Olympiastadion nach Hause kam. Ich habe bis heute problemlos durchgehalten und mir damals ein Ziel gesetzt: Das Geld was ich als Nichtraucher spare, werde ich in die Filatelie investieren. Heute nach 56 Jahren ohne Nikotin habe ich eine Sammlung im Wert von einigen hunderttausend Euros und eine herrliche Beschäftigung wenn ich mal entspannen will.
Mein Vater war leidenschaftlicher Raucher und starb mit 70 Jahren mit Angina Pectorus. Ich konnte damals als ich aufhörte, innerhalb weniger Jahre meine Lunge durch nicht rauchen reinigen und dadurch wieder vermehrt Sauerstoff atmen und bin jetzt schon 77 Jahre jung und fühle mich gesund und munter. Die Medizin lehrt, dass Nichtraucher 15 Jahre länger leben und ich freue mich schon jetzt wenn ich dann 85 Jahre erreiche. Und meine Kinder und Enkelkinder werden sich eines Tages sicher über die filatelistische Erbschaft freuen.
Avatar #763956
dubito
am Dienstag, 1. Dezember 2020, 18:45

Scheinheilig

Es ist immer verlockend, mit dem Finger auf die Politik zu zeigen, wenn man die eigenen Hausaufgaben nicht bereit ist zu machen.
Ich habe 30 Jahre geraucht, etliche erfolglose Versuche mit Nikotin-Pflastern, -Kaugummi und -Sprays unternommen und wäre sicher niemals zu einem "Entwöhnungs-Kurs" gegangen. Dann habe ich die "E-Zigarette" ausprobiert, und in kürzester Zeit war ich weg von den Kippen. Das war vor zwei Jahren, und der Geruch widerte mich schon nach kurzer Zeit an.
Dass dies kein Zufall ist, berichtete das DÄ erst kürzlich:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/117431/Cochranestudie-E-Zigaretten-bei-Entwoehnung-erfolgreicher-als-anderer-Nikotinersatz
Allerdings werden derartige Studien von dkfz & Co stoisch ignoriert. Stattdessen erlebten wir - bis Corona kam - ein mehrjähriges Dampf-Bashing auf allen Kanälen. Jährlich 121.000 Tabak-Tote in Deutschland gehen auch auf das Konto der vehement verhinderten Harm-Reduction.
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