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Betriebs­krankenkassen: Mobiles Arbeiten nimmt zu

Donnerstag, 3. Dezember 2020

/nataliaderiabina, stock.adobe.com

Berlin – Die Coronapandemie verändert auch die Arbeitswelt nachhaltig. Nach Daten und Einschätzun­gen des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) ist das mobile Arbeiten – meist aus dem Homeoffice – nicht mehr aus dem Berufsleben wegzudenken und gewinnt an Bedeutung. So arbeite fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland ausgelöst durch die Pandemie, ganz oder teilweise mobil. Die Vorbehalte gegenüber dem mobilen Arbeiten seien in den Betrieben nahezu vollständig verschwunden, sagte der Vorstand des BKK Dachverbands, Franz Knieps, bei der Vorstellung des BKK-Gesundheitsreports heute in Berlin.

So werden auch Dienstreisen oder auch berufsbedingte Umzüge sich künftig reduzieren, erläutert Knieps weiter. „Die selbstbestimmte Wahl des Arbeitsortes und der damit verbundene Vertrauensvorschuss seitens des Arbeitgebers kann die Beschäftigten motivieren.“ Aber die BKK sieht auch deutliche Schatten­seiten: „Vereinsamung, eine gesundheitsschädliche Arbeitssituation zu Hause dürfen nicht verschwiegen werden.“ Daher müssten neben technischen Vorraussetzungen für das Arbeiten zu Hause auch eine neue Arbeits- und Führungskultur in den Unternehmen folgen.

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Zugleich betonte der Versorgungs- und Rehabilitationsforscher Holger Pfaff, dass eine Mischung zwischen mobilem Arbeiten und Präsenz im Büro wichtig sei. „Es braucht Zwischen-Tür-und-Angel-Gespräch für eine gute Koordination“, so Pfaff von der Uni Köln. Es sei mit immer mehr individuellen Arbeitsvereinbarungen und immer höheren Erwartungen an eine Präsenzveranstaltung im Büro zu rechnen.

Das Pendeln zum Arbeitsplatz, das über die Jahre zugenommen hat, spielt dabei ebenfalls eine Rolle. 44 Prozent der über vier Millionen beschäftigten BKK Mitglieder pendeln zu ihrem Arbeitsplatz. „Am häufigsten sind männliche und gutverdienende Beschäftigte mit hohem Schul- und Berufsabschluss, die oftmals in Führungspositionen tätig sind und komplexe Arbeitsaufgaben wahrnehmen, in der Gruppe der Pendler zu finden“, heißt es vom BKK Dachverband.

Laut den Analysen des diesjährigen Gesundheits­reports zeige sich, dass die Pendler durchschnittlich weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten aufweisen, seltener in ambulanter oder stationärer Behandlung seien und auch weniger Arzneimittel verschrieben bekommen. Dies gelte über alle Altersgruppen hinweg.

„Damit liegt die Vermutung nahe, dass die negativen gesundheitlichen Folgen des Pendelns durch diese positiven Voraussetzungen in der Gruppe der Pendler teilweise kompensiert werden“, so Pfaff. Ganz anders sehen allerdings die Zahlen bei Berufsgruppen aus, deren Bildungsgrad oder berufliche Status sowie Verdienst niedriger sind und von Beruf aus Pendler sind. So weisen Sicherheitsberufe oder Verkehrs- und Logistikberufe mehr Fehltage auf.

Die mittlere Entfernung zwischen Arbeitsplatz und Wohnort liegt dabei bei knapp 26 Kilometern. Je länger der Pendelweg ist und je mehr der Weg von Staus oder Verzögerungen im Öffentlichen Nahver­kehr geprägt ist, desto belastender empfinden die Betroffenen das Pendeln. Dies gehe aus einer reprä­sen­tativen Umfrage hervor, die die BKK im Juni 2020 startete.

„Ein wesentliches Ergebnis daraus ist, dass mit ansteigender Entfernung und Zeit, die Beschäftigten für das Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort aufwenden müssen, die wahrgenommene Belastung für die körperliche und psychische Gesundheit sowie die negativen Folgen für das Sozialleben zunehmen und somit die Gesundheit der Pendleer deutlich beeinträchtigt wird“, so der BKK Dachverband. Daher seien individuelle Lösungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt, erklärt Pfaff.

Mobiles Arbeiten kann auch den Pendelaufwand verringern. „Eine Chance von Arbeiten von zu Hause für die Beschäftigten ist, dass sie ungestörter und konzentrierter arbeiten können und sich Beruf und Privatleben besser vereinbaren lässt“, erklärt Simone Kauffeld von der TU Braunschweig auf der virtuellen Pressekonferenz.

„Ein anderer Aspekt ist, dass gemeinsam an zeit- und ortsunabhängigen Lösungen gearbeitet werden kann und Teams nach ihrer fachlichen Qualifikation statt nach der räumlichen Verteilung zusammen­gestellt werden können.“

Laut Befragungen ihres Insituts wird es künftig darauf ankommen, auch die psychischen Belastungen und Selbstmanagementfähigkeiten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu stärken, individuelle Lösungen zu finden.

In dem jährlichen Gesundheitsreport des BKK Dachverbandes sind die häufigsten Krankheitsursachen wie in den Jahren zuvor Atemwegsinfekte gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen. Auch psychische Erkrankungen spielen vor allem bei längeren Ausfällen eine große Rolle. Besonders hoch ist der Anteil psychischer Erkrankungen bei Hartz-IV-Empfängern. Frauen sind allgemein häufiger krank als Männer und Jüngere häufiger als Ältere. Wenn sie erkranken, fallen ältere Beschäftigte aber im Schnitt länger aus.

Knapp 91 Prozent der Befragten waren im Jahr 2019 mindestens einmal in ambulanter Behandlung, Frauen etwas häufiger als Männer. Die durchschnittliche Zahl an Behandlungsfällen, das können im Quartal auch mehrere Arztbesuche sein, lag etwa auf dem Vorjahresniveau bei 8,3 Fällen.

Krebsfrüherkennungsuntersuchungen sind dabei vor allem bei Frauen häufig – jede Zweite zwischen 20 und 64 Jahren nimmt dies in Anspruch. Bei Männern sind es deutlich weniger und diese nutzen das Angebot vorrangig später, erst zwischen 65 und 79 Jahren. © bee/kna/aerzteblatt.de

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