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Medizin

Grippe/COVID-19: Krebsüberlebende haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko

Dienstag, 1. Dezember 2020

Mikroskopische Aufnahme von Blutkrebs. /picture alliance, blickwinkel, fotototo

London – Menschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, weisen häufiger Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19 auf. Die Analyse von elektronischen Patientendaten in EClinicalMedicine (2020; DOI: 10.1016/j.eclinm.2020.100656) zeigt, dass vor allem nach hämatolo­gischen Krebserkrankungen das Risiko auf einen schweren Verlauf einer Influenza lange erhöht bleibt, was sich vermutlich auch auf COVID-19 übertragen lässt.

Die Fortschritte in der Krebsbehandlung haben in den letzten Jahrzehnten zu einem deutlichen Anstieg von Menschen geführt, die ihre Erkrankung langfristig überleben. Viele Patienten, die von ihrer Krebs­erkrankung geheilt werden, leiden noch lange unter den Folgen von Chemo- und/oder Radiotherapie, die permanente Organschäden hinterlassen können.

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Zu den Erkrankungen, die nach der Krebstherapie häufiger auftreten, gehören ein Typ-2-Diabetes, chronische Herzerkrankungen, neurologische Spätschäden, Asthma und andere Atemwegserkrankungen sowie Leber- und Nierenerkrankungen. Diese Erkrankungen überschneiden sich mit den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von Infektionserkrankungen wie Grippe oder COVID-19.

Helena Carreira von der London School of Hygiene & Tropical Medicine und Mitarbeiter haben jetzt in einer Analyse von 108.215 Krebsüberlebenden aus verschiedenen Datenbanken herausgefunden, dass 2/3 der Krebsüberlebenden 5 Jahre nach der Diagnose mindestens eine der genannten Komorbiditäten aufwiesen, bei 1/3 lagen sogar 2 oder mehr Risikofaktoren vor.

Wie sich dies auf die Prognose von COVID-19 auswirkt, konnten die Forscher noch nicht ermitteln, da die Erkrankung neu ist. Für die Grippe war jedoch ein ungünstiger Einfluss eindeutig nachweisbar. Die Krebsüberlebenden hatten ein 2,7-fach erhöhtes Risiko, im Fall einer Grippe hospitalisiert zu werden oder zu sterben. Bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,12 bis 3,44 war die Assoziation statistisch eindeutig.

Die Berücksichtigung von anderen Patienteneigenschaften wie Alter, Rauchen, sozioökonomischem Hintergrund, Body-Mass-Index und anderen Krankheiten änderte wenig an der Risikoeinschätzung (bereinigte Hazard Ratio 2,78; 2,04 bis 3,80).

Besonders gefährdet sind Patienten nach hämatologischen Krebserkrankungen (Lymphome, Leukämien und Multiples Myelom). Carreira ermittelt ein 15-fach höheres Risiko auf einen schweren Verlauf einer Influenza (adjustierte Hazard Ratio 15,17; 7,84 bis 29,35). Im ersten Jahr nach der Diagnose war das Risiko fast 30-fach erhöht (Hazard Ratio 29,56; 10,20 bis 85,66). Im Zeitraum von 1 bis 5 Jahren fiel die adjustierte Hazard Ratio auf 9,56 (4,39 bis 20,84) und blieb dann über die nächsten 5 Jahre konstant (adjustierte Hazard Ratio 10,06; 2,47 bis 40,93).

Langzeitüberlebende von nicht hämatologischen Krebserkrankungen hatten ebenfalls ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf einer Influenza. Die Hazard Ratio war mit 1,38 jedoch deutlich geringer und mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,92 bis 2,07 nicht signifikant. Das Risiko scheint in dieser Gruppe nur in den ersten 5 Jahren nach der Diagnose erhöht zu sein (adjustierte Hazard Ratio 2,22; 1,31 bis 3,74). © rme/aerzteblatt.de

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