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Medizin

Frauen erkranken nach Herzinfarkt früher an Herzinsuffizienz

Donnerstag, 10. Dezember 2020

/Dragana Gordic, stock.adobe.com

Edmonton/Alberta – Herzinfarkte werden bei Frauen weniger intensiv behandelt als bei Männern. Die Folge ist nicht nur eine geringere Überlebensrate in der Klinik. Eine Kohortenstudie aus Kanada zeigt in Circulation (2020; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.120.048015), dass Frauen in den ersten 5 Jahren nach dem Herzinfarkt zu 20 % häufiger eine Herzinsuffizienz entwickeln.

Die Behandlungsergebnisse beim akuten Koronarsyndrom haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die meisten Patienten, die die Klinik erreichen, verlassen sie auch lebend. Die Kehrseite ist eine Zunahme der späteren Herzinsuffizienzen.

Die Katheterbehandlung oder eine spätere Bypass­operation kann zwar die Durchblutung in den Koronarien wieder herstellen. Das abgestorbene Herz­muskelgewebe kann jedoch nicht ersetzt oder repariert werden. Nach einer Remodelingphase kommt es bei vielen Patienten zu einer zunehmenden Pumpschwäche des Herzmuskels, die sich mit Medikamen­ten nur teilweise verhindern lässt.

Der Anteil der Patienten, die Jahre nach dem Herzinfarkt an einer Herzinsuffizienz erkranken, ist deshalb ein Gradmesser für die langfristige Effektivität der Behandlung. Die Ergebnisse fallen, wie eine Analyse von Justin Ezekowitz von der Universität von Alberta in Edmonton und Mitarbeitern zeigt, für Frauen schlechter aus als für Männer.

Die Forscher haben die administrativen Daten von 45.064 Patienten ausgewertet, die in der kanadischen Provinz Alberta zwischen 2002 und 2016 einen ST-Segment-Hebungs-Infarkt (STEMI), das heißt einen schwereren Herzinfarkt, oder den leichteren Nicht-STEMI erlitten hatten.

Die Auswertung bestätigt zunächst einmal die bekannte höhere Kliniksterblichkeit von Frauen. In der STEMI-Gruppe starben 9,4 % der weiblichen gegenüber 4,5 % der männlichen Patienten. In der NSTEMI-Gruppe waren es 4,7 % gegenüber 2,9 %.

Der Unterschied war nicht allein auf das Geschlecht zurückzuführen. Die Frauen waren zum Zeitpunkt ihres Herzinfarkts im Durchschnitt 10 Jahre älter als die Männer (72 Jahre versus 61 Jahre) und sie hatten häufiger Begleiterkrankungen wie Hypertonie, Diabetes, Vorhofflimmern und Lungenerkrankungen, die die Chancen, einen Herzinfarkt zu überleben, schmälern können.

Eine adjustierte Analyse, die diese Faktoren berücksichtigt, verringerte den Unterschied. Ezekowitz ermittelt für die STEMI eine adjustierte Odds Ratio von 1,42, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,24 bis 1,64 jedoch weiter signifikant war. Das bedeutet, das Sterberisiko von Frauen war auch bei gleichen anderen Patienteneigenschaften um 42 % höher. Bei den NSTEMI war mit einer adjustierten Odds Ratio von 0,97 (0,83 bis 1,13) kein Unterschied mehr nachweisbar.

Ein möglicher Grund für die Benachteiligung von Frauen könnte die geringere Zahl von Revaskularisie­rungen (perkutane koronare Intervention oder Bypasso peration) gewesen sein. Sie wurden in den ersten 30 Tagen nach einem STEMI bei 81,2 % der Männer, aber nur bei 68,9 % der Frauen durchgeführt. Ein ähnlicher Geschlechterunterschied bestand auch beim STEMI (Revaskularisierungsrate 64,1 gegenüber 41,2 %).

Ein anderer Grund für die Benachteiligung von Frauen könnte gewesen sein, dass sie im Krankenhaus seltener von einem Herz-Kreislauf-Spezialisten betreut wurden: 72,8 % gegenüber 84,0 % bei den Männern. Frauen wurden nach STEMI oder NSTEMI auch seltener Medikamente wie Betablocker oder Cholesterinsenker verschrieben, die die langfristige Prognose verbessern.

Frühere Studien waren hier bereits zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Neu ist die Erkenntnis, dass die schlechtere Versorgung sich auch auf das Risiko einer späteren Herzinsuffizienz auswirkte. In den Jahren nach einem STEMI kam es bei 22,5 % der Frauen gegenüber 14,9 % der Männer zu einer Hospitalisierung wegen einer Herzinsuffizienz. Beim NSTEMI entwickelten 23,2 % der Frauen gegenüber 15,7 % der Männer eine Herzschwäche.

Ezekowitz ermittelt für die STEMI eine adjustierte Odds Ratio von 1,21 (1,12 bis 1,3) nach 1 Jahr und von 1,18 (1,11 bis 1,24) nach 5 Jahren. Zu beiden Zeitpunkten hatten Frauen demnach ein um 1/5 höheres Risiko auf einen ungünstigen Ausgang.

Ähnlich lauten die Zahlen zum NSTEMI. Die adjustierte Odds Ratio betrug nach 1 Jahr 1,18 (1,11 bis 1,25) und nach 5 Jahren 1,17 (1,1 bis 1,25). Frauen waren auch hier zu beiden Zeitpunkten im Nachteil ohne einen Hinweis, dass der Unterschied mit der Zeit abnimmt. © rme/aerzteblatt.de

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