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Medizin

COVID-19: WHO empfiehlt Maske bei Besuch auch in der eigenen Wohnung

Mittwoch, 2. Dezember 2020

/kazim canberk sezer/EyeEm, stock.adobe.com

Genf – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat ihre Empfehlungen zur Mund-Nasen-Bedeckung im privaten Bereich ausgeweitet. Sie rät jetzt der Bevölkerung in Regionen, wo sich SARS-CoV-2 ausge­brei­tet hat (oder dies vermutet wird), auch in der eigenen Wohnung zum Tragen von Masken, wenn beim Empfang von Besuchern nicht für eine ausreichende Lüftung gesorgt werden kann.

Dies gilt unabhängig davon, ob ein Mindestabstand von 1 Meter eingehalten werden kann. Beim Sport im Freien wird von einer Mund-Nasen-Bedeckung eher abgeraten.

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Die WHO hatte sich anfangs skeptisch zum Nutzen von Masken geäußert. Anfang des Jahres wurde sogar davor gewarnt, dass das Tragen der Masken das Infektionsrisiko erhöhen könnte, weil sich die Träger in falscher Sicherheit wiegen würden (und auf andere Schutzmaßnahmen verzichten könnten). Masken wurden nur im Gesundheitsbereich sowie für Menschen mit Symptomen empfohlen.

Inzwischen ist klar, dass SARS-CoV-2 ohne Maskenpflicht nicht zu stoppen ist. Die Viren werden nicht nur per Tröpfchen, sondern auch mit Aerosolen übertragen, und die Infizierten sind ansteckend unab­hängig davon, ob sie Symptome haben oder nicht. Die WHO geht davon aus, dass die Viruslast nach einer Inkubationszeit von 5 bis 6 Tagen kurz vor und in den ersten Tagen nach Beginn der Symptome am höchsten ist und dass auch asymptomatische Personen das Virus übertragen können, wenn auch mit vermindertem Risiko.

Wie stark Masken das Infektionsrisiko senken, ist nicht bekannt. Die WHO zitiert die Ergebnisse der bisher einzigen randomisierten kontrollierten Studie (RCT) zu SARS-CoV-2 aus Dänemark, die zu Beginn der Epidemie für die Masken allein keine signifikante Schutzwirkung für den Träger ermitteln konnte.

Auch eine kürzlich von der Cochrane Collaboration veröffentlichte Meta-Analyse auf der Basis von 2 RCT im Gesundheitsbereich und 7 RCT in der Bevölkerung konnte für andere Viruserkrankungen der Atem­we­ge keine sichere Schutzwirkung (für den Träger) nachweisen. Die relativen Risiken (RR) für influenza­ähn­liche Erkrankungen (RR 0,99; 95-%-Konfidenzintervall 0,82 bis 1,18) oder im Labor bestätigte Erkrankun­gen (RR 0,91; 0,66 bis 1,26) blieben in der Nähe eines relativen Risikos von 1, was einer Nullwirkung enspricht.

Diese Ergebnisse stehen jedoch im Kontrast zu mehreren ökologischen Untersuchungen der letzten Mo­nate. Dort kam heraus, dass sich das Virus in Ländern, die auf eine Maskenpflicht verzichtet haben, deut­lich rascher ausbreiten konnte als dort, wo die Menschen zum Tragen von Masken angehalten wurden.

Es gibt laut WHO auch Belege, nach denen die Masken die Übertragung der Erkrankung von den Infizier­ten auf andere Personen verhindern können. Das gilt für Massenveranstaltungen ebenso wie im Haus­halt. Die WHO zitiert als Evidenz unter anderem zwei RCT aus US-Universitäten, wo das Tragen von Ge­sichtsmasken die Rate von influenzaähnlichen (nicht aber von im Labor bestätigten) Erkrankungen ge­senkt hat.

Die WHO empfiehlt vor diesem Hintergrund in Gebieten mit bekannter oder vermuteter Übertragung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung und in Clustern die Verwendung von Masken in Innenräumen immer dann, wenn nicht durch Öffnung von Fenstern und Türen für eine ausreichende natürliche Belüftung gesorgt werden kann oder wenn die Lüftungssysteme des Gebäudes nicht richtig funktionieren.

In öffentlichen Gebäuden sollten die Personen auch bei einer angemessenen Belüftung eine Maske tragen, wenn sie den körperlichen Abstand von mindestens 1 Meter zu anderen Personen nicht einhalten können.

In Privathaushalten sollten alle Personen eine Maske tragen, wenn sich ein Besucher in der Wohnung aufhält, der kein Haushaltsmitglied ist und wenn die Belüftung bekanntermaßen schlecht ist oder Fenster und Türen für eine natürliche Belüftung nur begrenzt geöffnet werden können oder wenn die Belüftungssysteme nicht beurteilt werden können oder nicht ordnungsgemäß funktionieren. Diese Empfehlung gilt in Privathaushalten auch dann, wenn ein Mindestabstand der Personen von 1 Meter eingehalten werden kann.

Wenn der Mindestabstand von 1 Meter nicht eingehalten werden kann, sollten in jedem Fall (also auch bei ausreichender Belüftung) Masken getragen werden, wenn ein Besucher in der Wohnung ist.

Auch im Freien sollte immer eine Maske getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1 Meter nicht eingehalten werden kann. Personen mit einem höheren Risiko für schwerwiegende Komplikationen durch COVID-19 sollten im Freien unabhängig von der 1-Meter-Regel eine Maske tragen, wenn sie die körperliche Distanz nicht einhalten können.

Dazu gehören Personen im Alter ab 60 Jahren sowie Personen mit Grunderkrankungen wie Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus, chronischen Lungenerkrankungen, Krebs, zerebrovaskulären Erkrankungen oder abwehrgeschwächte Personen.

Beim Sport sollte man die Maske nach Einschätzung der WHO besser absetzen, wenn die Maske eine ausreichende Atmung behindert. Auch in diesem Falle sollte jedoch ein Mindestabstand eingehalten werden. Dies gilt für Sport im Freien wie in geschlossenen Räumen. Fitnesscenter, die diese Distanz nicht gewährleisten könnten, sollten nach Ansicht der WHO besser geschlossen werden.

Gesichtsschutzschilde sind für die WHO kein vollwertiger Ersatz für eine Mund-Nasen-Bedeckung. Ge­genwärtig sei davon auszugehen, dass Gesichtsschutzschilde nur einen Augenschutz bieten aber nicht vor einer Exposition durch Tröpfchen schützen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #88255
doc.nemo
am Donnerstag, 3. Dezember 2020, 09:31

Wieviel soziale Interaktion darf es sein?

Die Erfahrungen in meinem Kreis zeigen, dass Familien in aller Regel komplett infiziert sind. Die Kinder bringen das Virus aus der Schule mit und infizieren Eltern und Geschwister, oder ein Elternteil bringt es von der Arbeit nach Hause und gibt es an den Rest der Familie weiter. Die Infektionswege sind in den wenigsten Fällen nachvollziehbar.
Bei fehlender Immunität hilft gegen eine von Mensch zu Mensch übertragbare Krankheit eben nur die Expositionsprophylaxe - und die besteht im Fall von Corona idealerweise aus einer vollständigen Kontaktvermeidung. Dass so etwas in der Realität nicht möglich ist, versteht sich von selbst; wir sind nun mal eine Gesellschaft, die auf sozialer und wirtschaftlicher Interaktion basiert. Die Frage ist daher, wieviel Interaktion muss sein, wieviel darf sein, damit die Kollateralschäden den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Infektionsbekämpfung nicht überschreiten? Politischer Konsens scheint derzeit zu sein, dass bestimmte Teile der Wirtschaft „geopfert“ werden mit dem Versprechen, dass die „überlebenden“ Teile für die Opfer schon irgendwie sorgen werden - in Form von Steuererhöhungen, versteht sich. Konsens scheint leider auch zu sein, dass die Gewinne der Coronaprofiteure nicht angetastet werden sollen. Allein die diesjährigen Vermögenszuwächse von Jeff Besos und Mark Zuckerberg würden ausreichen, für die halbe Weltbevölkerung Impfstoff zu kaufen. Das kapitalistische Grundprinzip, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren, scheint auch in der Pandemie Bestand zu haben. Es ist ebenfalls zu befürchten, dass erfolgreiche Impfstoffe zu einer unregulierten Gelddruckmaschine für die Shareholder der Hersteller werden dürfen. Die Börsianer scharren schon ungeduldig mit den Hufen…
Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 3. Dezember 2020, 00:54

Zu den psychologischen und psychosozialen Auswirkungen der Coronamaßnahmen

Nur ein kleiner Auszug aus psychiatrischer bzw psychologischer Sicht:

>>> https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7652038/
>>> https://www.donau-uni.ac.at/de/aktuelles/news/2020/psyche-seit-covid-19-unter-dauerbelastung0.html
>>> https://www.psychologie-aktuell.com/news/aktuelle-news-psychologie/news-lesen/folgen-des-lockdown-mehr-haeusliche-gewalt-stress-und-angst.html
>>> https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/114603/Psychische-Gesundheit-von-Kindern-waehrend-Coronapandemie-verschlechtert#:~:text=Laut%20den%20%20Daten%20des%20UKE,Hyperaktivit%C3%A4t%2C%20emotionale%20Probleme%20
>>> https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-gesundheit-depressionen-100.html
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 2. Dezember 2020, 22:40

@ Dr. Otto Scharbau

Sie konfabulieren: "Es werden die hochwertigen Studien genannt" ohne auch nur irgendeine Quelle angeben zu können?

Ihr: "Zugleich bis der Schaden der Massnahmen, bei mir z.B. sichtbar und Studien belegbar" können oder wollen Sie ebenfalls nicht mit Quellen belegen.

Ihre Ersatzbehauptung, "dass [das] auch ohne Studien sichtbar sein wird"(??), ist in diesem Zusammenhang absolut unglaubwürdig.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #848592
Dr. Otto Scharbau
am Mittwoch, 2. Dezember 2020, 20:39

Dr. med

Ich fände es schön, wenn sich in dieser doch sehr ernsten zuspitzenden gesellschaftlichen Situation ein solcher Artikel auch aus Sicht der redaktionellen Ärzteschaft klarer positionieren würde.
Es werden die hochwertigen Studien genannt, die den Nutzen in Frage stellen und es wird dann mit den in der Evidenz niedriger stehenden Erfahrungswerten argumentiert, die die Entscheidungsträger veranlassen wird, die Daumenschrauben doch noch enger anzuziehen.
Und die Ärzteschaft schaut bis auf einige wenige dem Schauspiel zu, bis der Schaden der Massnahmen, bei mir z.B. sichtbar und Studien belegbar auf psychiatrischem Gebiet, so immens ist, dass auch ohne Studien sichtbar sein wird, dass die Verhältnismässigkeit dieser und anderer Massnahmen nicht gegeben war.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 2. Dezember 2020, 20:05

Haushalt gefährlichster Ort?

Haushalt gefährlichster Ort - oder?
Unsere Anstrengungen, im bio-psycho-sozial-kulturellen Bereich Sars-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen zu verhindern und zu beschränken, werden durch disziplinierende, distanzierende und hygienische Maßnahmen in Arbeit, Sozialwesen und Kultur, aber auch ganz besonders in Familie, Wohnen und häuslicher Gemeinschaft unmittelbar belohnt. Dies belegt
"Contact Tracing during Coronavirus Disease Outbreak, South Korea, 2020" von Young Joon Park et al. Vom 16.07.2020
https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/26/10/20-1315_article

Aber Haushalts- vs. Öffentliches Leben bedeutet in seiner Zusammenfassung auf Deutsch auch:
"Das Alter der Index-Patienten hatte einen deutlichen Einfluss auf das Infektionsrisiko. Die höchste Inzidenz wurde mit 18,6 % in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen gefunden. Es folgen mit 18,0 % die 70- bis 79-Jährigen vor den 60- bis 69-Jährigen mit 17,0 %. Am niedrigsten war die Infektiosität bei den unter 10-Jährigen. Hier wurden nur 5,3 % der Angehörigen positiv getestet. Unter den Nichthaushaltskontakten lag die Infektiosität in dieser Altersgruppe nur bei 0,9 %. Sie war damit niedriger als bei den 70- bis 79-Jährigen."
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/114850/Kinder-im-Schulalter-uebertragen-SARS-CoV-2-im-Haushalt-haeufiger

Dass Nicht-Haushaltskontakte im Durchschnitt mit nur 1,9% eine deutlich niedrigere CORONA-Infektiosität als Haushaltskontakte mit 11,8% aufweisen, liegt nicht nur in Südkorea an dem im Gegensatz zu innerfamiliären Kontakten eher distanzierten und zeitlich reduzierten sozialen Miteinander in Arbeitswelt, sozialem Umfeld bzw. der Geschäfts- und Warenwelt. Hinzutreten "social distancing", MNS-Maskenpflicht (MNS), "Home Office", Hygienemaßnahmen im öffentlichen Raum und i.d.R. äußerst kurz gehaltene Kontaktzeiten.

Das bedeutet:

1. Schulschließungen insbesondere in der Altersgruppe von 10 bis 19 Jahren können hochgradig effektiv sein.

2. "Social Distancing" und forcierte Hygienemaßnahmen im Arbeits-, Kultur- und Sozialwesen reduzieren die Häufigkeit von SARS-CoV-2-Virusinfektionen und COVID-19-Erkrankungen etwa um den Faktor 6.

3. Dies ist aber auch den gegenüber 24-Stunden Haushalts-Aufenthalten von Kindern und Jugendlichen wesentlich geringeren zeitlichen und interaktiven Kontakten z.B. in der Arbeitswelt geschuldet.

4. Kehrseite der Medaille ist, Infektions-Möglichkeiten und -Häufigkeiten im familiären Haushaltsumfeld sollten nicht unterschätzt, sondern im Gegenteil forciert durch spezifische Hygiene- und Distanzmaßnahmen konterkariert werden.

5. Dies sind die Nachteile eines generalisierten "Lockdown" in Schule, Beruf, Öffentlichkeit und Kultur bzw. eines Teil-Lockdowns mit Hotel- und Gaststätten-Schließungen, der die Menschen vermehrt ins häusliche Milieu treibt. Dadurch werden innerfamiliäre Infektionsketten eher gefördert, denn verhindernd reduziert.

Unsere Anstrengungen, im bio-psycho-sozial-kulturellen Bereich Sars-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen zu verhindern und zu beschränken, werden durch disziplinierende, distanzierende und hygienische Maßnahmen in Arbeit, Sozialwesen und Kultur aber auch ganz besonders in Familie, Wohnen und häuslicher Gemeinschaft unmittelbar belohnt. Ein wesentlicher Unterschied bleibt: Der Haushaltsbereich wird insbesondere von Kindern und Jugendlichen bei Schulschließungen bzw. bio-psycho-sozial-kultureller Isolation bis zu 24 Stunden pro Tag belegt. Dagegen werden alle Nicht-Haushaltsbereiche im Wesentlichen von Erwachsenen zeitlich, räumlich und inhaltlich geringfügiger frequentiert und mit zusätzlichen sozialen Distanzmaßnahmen versehen.

Das habe ich bereits am 21.07.2020 auf meinem DocCheckBlog publiziert:
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/28473-haushalt-gefaehrlichster-ort-oder

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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