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Medizin

COVID-19: Direkte Antikoagulanzien schützen nicht vor schweren Verläufen

Mittwoch, 2. Dezember 2020

/P&G, stock.adobe.com

Stockholm – Patienten mit Vorhofflimmern, die zur Vorbeugung von Schlaganfällen mit direkten Antiko­agulanzien behandelt werden, erkrankten in einer Studie im Journal of Internal Medicine (2020; DOI: 10.1111/joim.13205) genauso häufig wie andere Menschen mit vergleichbaren Risiken an COVID-19. Auch das Sterberisiko war nicht niedriger.

Der Verlauf von COVID-19 wird maßgeblich von thrombotischen Komplikationen mitbestimmt, zu denen es in den Lungen, aber auch in anderen Organen kommt. Die Patienten werden deshalb häufig mit ora­len Antikoagulanzien behandelt.

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Dass dies den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst, wurde bisher nicht sicher belegt. Eine weitere derzeit diskutierte Hypothese betrifft den präventiven Einsatz von Antikoagulanzien, um Menschen mit erhöhtem Risiko vor einem schweren Verlauf der Erkrankung zu schützen.

Auch hierzu gibt es keine sicheren Daten aus randomisierten Studien. Dabei würden sich die neueren direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) anbieten, da sie ohne regelmäßige Laborkontrollen eingesetzt werden können. Auch hierzu gibt es keine Daten aus randomisierten kontrollierten Studien

Einen ersten Hinweis könnten in dieser Situation Beobachtungsstudien zu Patienten liefern, die aus anderen Gründen mit DOAK behandelt werden. Dies sind in der Regel Patienten mit Vorhofflimmern, die durch die DOAK vor Schlaganfällen geschützt werden sollen.

Ein Team um Benjamin Flam vom Karolinska Institut in Stockholm hat hierzu die Daten von 103.703 erwachsenen Patienten aus Schweden untersucht, denen derzeit DOAK verordnet werden. Von ihnen sind 360 wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt worden (0,35 %). Unter den 36.875 Patienten mit Vorhofflimmern, die keine DOAK einnahmen, betrug die Rate 0,26 %.

Von den 355.699 Patienten mit vergleichbaren kardiovaskulären Risiken (Vorhofflimmern, ischämische Herzkrankheit, Herzinsuf­fizienz/Kardiomyopathie, Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke, systemische Thromboembolie oder Gefäßerkrankung) mussten 0,31 % wegen COVID-19 in der Klinik behandelt werden.

Schon der Vergleich der Rohdaten deutet darauf hin, dass die Einnahme von DOAK nicht mit einem verminderten Erkrankungsrisiko verbunden ist. Diese Vermutung bestätigt sich vollends in einer Analyse, die die unterschiedlichen Patienteneigenschaften berücksichtigt.

Die adjustierte Hazard Ratio betrug im Vergleich zu den Nichtanwendern unter den Patienten mit Vorhofflimmern exakt 1,00 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,75 bis 1,33. Im Vergleich zu den anderen Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen betrug die adjustierte Hazard Ratio 0,94 mit einem engeren 95-%-Konfidenzintervall von 0,80 bis 1,10.

Die Aussagekraft von epidemiologischen Studien ist zwar begrenzt. Die Ergebnisse liefern jedoch keinen Hinweis, die den präventiven Einsatz von DOAK rechtfertigen würden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #775352
Murke
am Samstag, 2. Januar 2021, 11:34

War doch schon im Ansatz eine naive Idee,

daß Gerinnungshemmer, egal welcher Art und Präparat, einen Einfluß auf Ansteckung und/oder Ausbruch von Covid-19 haben könnte. Da fehlte noch die Paralogik, daß man in Pandemiezeiten prophylaktisch und gar regelmäßig und hochdosiert Cortison zuführen sollte. So eine "Prophylaxe" wäre mit ihren zu erwartenden Nebenwirkungen eine zusätzliche Katastrophe.
Beide Substanzen sind doch ausschließlich in einem scharf begrenzten Zeitraum bzw. Stadium einer manifesten Covid-19 Erkrankung plausibel und wirksam einzusetzen. Wobei man nur ausnahmsweise dieses Zeitfenster optimal "erwischt" in welchem gleichzeitig die Hyperkoagulabilität und der Zytokinsturm einsetzt. Man sollte schon das Wenige, was man pragmatisch gesichert weiß, sinnvoll (!) einsetzen und nicht nach einem rundum Wundermittel Ausschau halten.
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