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Medizin

Studie: THC in Cannabis beeinträchtigt Fahrtauglichkeit, Cannabidiol dagegen nicht

Mittwoch, 9. Dezember 2020

/MysteryShot, stock.adobe.com

Maastricht – Der Bestandteil der Hanfdroge Cannabidiol (CBD), der zu medizinischen Zwecken bereits im Kindesalter eingesetzt wird, hat in einer randomisierten Doppelblindstudie die Fahrtauglichkeit von jungen Erwachsenen nicht beeinträchtigt, während Tetrahydrocannabinol (THC) in den ersten Stunden nach dem Konsum zu signifikanten Abweichungen der Spurgenauigkeit geführt hat, wie die jetzt im Amerikanischen Ärzteblatt Journal of the American Medical Association (JAMA, 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.21218) publizierten Ergebnisse zeigen.

Cannabis ist in den USA bei tödlich verunglückten Autofahrern die nach Alkohol am häufigsten im Blut nachgewiesene Droge. Dennoch ist die Ansicht, dass Cannabis keinen Einfluss auf die Fahrtauglichkeit hat, weit verbreitet. Die Frage ist zunehmend von medizinischer Bedeutung, weil Cannabis zu thera­peutischen Zwecken, etwa bei chronischen Schmerzen, chemotherapieinduzierter Übelkeit und Erbrechen oder zur Behandlung der Spastik bei Multipler Sklerose eingesetzt wird.

Häufig werden Präparate mit Cannabidiol (CBD) verordnet, das im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) keine berauschende Wirkung hat. CBD-haltige Präparate sind zur adjuvanten Behandlung von Krampfanfällen, im Zusammenhang mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom oder dem Dravet-Syndrom bei Kindern ab dem Alter von 2 Jahren (auch in Deutschland) zugelassen.

Ein Team um Jan Ramaekers von der Universität Maastricht hat die Fahrtauglichkeit nach dem Konsum der beiden Cannabinoide jetzt in einer doppelblinden Crossover-Studie untersucht. Insgesamt 26 gesunde Probanden im mittleren Alter von 23 Jahren, die unter regelmäßigen Cannabiskonsumenten ausgesucht wurden, absolvierten Testfahrten, nachdem sie einen „Joint“ mit 13,75 mg THC, 13,75 mg THC/CBD, 13,75 mg CBD oder ganz ohne Cannabinoide geraucht hatten.

Die Autofahrten begannen einmal 40 Minuten und ein anderes Mal 240 Minuten nach der Inhalation. Die Probanden fuhren dabei für 60 Minuten auf der Autobahn mit ungefähr 95 km/h, während ein Messgerät die Standardabweichung der lateralen Position innerhalb der Fahrbahn („standard deviation of lateral position in lane“, SLDP) aufzeichnete.

Ergebnis: Den Fahrern, die THC konsumiert hatten, fiel es bei dem frühen Fahrtest schwerer, die Spur zu halten. Die SLDP war gegenüber Placebo über die gesamte Strecke um durchschnittlich 2,33 cm erhöht, bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,80 bis 3,86 war das eine signifikante Verschlechterung der Fahrtauglichkeit, die laut Ramaekers vergleichbar ist mit einem Blutalkoholpegel von mehr als 0,5 Promille.

Bei den Teilnehmern, die beide Cannabinoide inhaliert hatten, betrug die SLDP sogar 2,83 cm (1,28 bis 4,39). Dies widerspricht der manchmal geäußerten Ansicht, nach der CBD die Rauschwirkung von THC aufhebt, was aber in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Der alleinige Konsum von CBD hatte dagegen keine Auswirkungen auf die SLDP (-0,05 cm; -1,49 bis 1,39), die ein Maßstab für die Fahrsicherheit ist.

Bei der späten Testfahrt war die SLDP unter dem Einfluss von THC nur tendenziell erhöht (0,51 cm; -1,01 bis 2,02). Auch bei der Kombination von THC/CBD war der Wert nicht signifikant erhöht (1,22 cm; -0,29 bis 2,72). Zu diesem Zeitpunkt waren die THC-Konsumenten wieder fahrtüchtig, was natürlich nur für die in der Studie aufgenommene Drogendosis gilt.

Die Ergebnisse zeigen, dass CBD (in der getesteten Dosis) die Fahrtauglichkeit nicht beeinträchtigt, was für Patienten, die regelmäßig medizinisches Cannabis konsumieren eine wichtige Information sein kann. Beim Konsum von THC sind dagegen Einschränkungen notwendig. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #856186
ToddesSokrates
am Donnerstag, 10. Dezember 2020, 16:36

Aussagekraft der Studie

Wow...THC wirkt sich also UNMITTELBAR nach dem Konsum negativ auf die Fahrtauglichkeit aus. Was nicht erwähnt wurde ist, dass der eigentlich rasche Abbau des THC von sehr vielen Faktoren (sportliche Aktivität, Gewicht, Geschlecht, Stress, ...) abhängt. Der Therapeutische Effekt des THC wird wie immer gekonnt ignoriert, als einzig und allein Psychoaktiv dargestellt und das obwohl mehrere Millionen Menschen von seinen Vorteilen Gebrauch machen. Der Konsum Weltweit steigt wie nie zuvor und dieser Trend wird voraussichtlich nicht abschwächen. Das veraltete Führerscheingesetz in Österreich erlaubt der Exekutive Gelegenheitskonsumenten praktisch zu schikanieren und ihnen bereits bei winzigen Spuren im Blut den Führerschein für Wochen bis Monate zu entziehen. Die darauf folgenden Maßnahmen: (1000€ <= Strafe/Kosten , Mehrere Psychologische Zuweisungen, Abstinenznachweise über längeren Zeitraum). All das wenn auch die Fahrtauglichkeit, wie oben gezeigt, nach wenigen Stunden wieder hergestellt ist. In einem Rechtsstaat, der nach Normen und Regeln handelt wird bei solchen Angelegenheiten einfach weggeschaut. Es wird Zeit der Wahrheit ins Gesicht zu sehen... In den vergangenen 50 Jahren wurde dauerhaft versucht THC zu verteufeln, gebracht hat sich das nichts! Heute sind wir so weit, dass das Canabiskraut in kurz vor der Legalisierung steht. Nun sind vermehrt die Stimmen von Medizinerinnen gefragt um diese lächerliche Hetzjagd auf Freizeitkiffer und Patienten zu beenden.
Avatar #666661
Koschi
am Donnerstag, 10. Dezember 2020, 10:06

An die Vorredner

Ooh, jemand maßt sich an, das Allheilmittel Cannabis zu kritisieren. Aber Sorry, die berauschende Wirkung von THC ist nicht neues. Ein Rauschzustand ist jedoch für die Fahrtauglichkeit nicht förderlich. Auch das dürfte keine Offenbarung sein. Und wenn jemand ohne Cannabis fahruntauglich ist, sollte er oder sie sich auch mit Cannabis, insbesondere mit hohem THC-Gehalt, nicht ans Steuer setzen. Sonst könnte jeder Alkoholiker argumentieren, dass er „den Spiegel halten“ muss und deswegen alkoholisiert fahren dürfte. Außerdem wird hier explizit die Wirkung von THC bzw. THC/CBD-Kombi mit reinem CBD verglichen und differenziert. Wenn es bei Cannabis doch nicht um den Rausch geht, wo ist denn das Problem, den Konsum auf CBD zu beschränken?
Avatar #621880
Puls123
am Donnerstag, 10. Dezember 2020, 00:16

der letzte Satz...

"Beim Konsum von THC sind dagegen Einschränkungen notwendig." - aha, so ist das also! und durch wen? und für was? und in welcher Größenordnung? ..... Hat die Studie DAS untersucht? --- mal wieder Wissenschaftsjournalismus auf BILD-Zeitungsniveau im DÄ. Peinlich! Nicht mal ein verantwortlicher Autor ist erkennbar. Da kann also jeder jetzt jeden Scheiß in das Zentralorgan der dt. Ärzteschaft schreiben?
Avatar #777209
Karteileiche
am Mittwoch, 9. Dezember 2020, 23:20

Patienten häufig durch Cannabis fahrtauglich

Sicherlich sollen nur fahrtaugliche Personen Kraftfahrzeuge lenken dürfen. Bei einigen Erkrankungen sind die Patienten häufig nicht fahrtauglich und konsumieren medizinisch, auch mit THC, und sind dadurch wieder fahrtauglich. Hier wären Patienten mit schwerer ADHS zu benennen oder möglicherweise solche, die ohne Cannabis eine schlechtere Motorik haben. Für Genusskonsumenten müssen hingegen sinnvolle Grenzwerte oder individuelle Eignungstests festgelegt werden, die sich ohne kompletten Konsumverzicht einhalten lassen.
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