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Verbände mahnen mehr Beachtung für Menschen mit Behinderung an

Donnerstag, 3. Dezember 2020

/WavebreakmediaMicro, stockadobecom

Berlin – Zum heutigen Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen haben Sozialverbände mehr Beachtung für die Betroffenen in der Coronakrise eingefordert. Durch die SARS-CoV-2-Pandemie würden Ungleichheiten und strukturelle Benachteiligungen noch sichtbarer, erklärte die Arbeiterwohl­fahrt (AWO).

Bereits vor der Coronapandemie seien Menschen mit Behinderung „meilenweit“ von einem gleichbe­rech­tigten Zugang zu Bildungs-, Gesundheits- und Teilhabeleistungen entfernt gewesen, erklärte die AWO. In der Pandemie würden aber zum Beispiel die Bedürfnisse von gehörlosen Menschen bei der Umsetzung der Maskenpflicht nicht berücksichtigt. Und bei Plexiglaswänden an Supermarktkassen oder Arzttresen würden die besonderen Belange von Rollstuhlnutzern und blinden Menschen nicht mitgedacht.

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Vielen Kindern mit Behinderungen werde die Teilhabe an Bildung verwehrt, kritisierte die AWO weiter. Vielfach erhielten zudem die betroffenen Familien keine Hilfe beim Home Schooling. „Auch in Krisenzei­ten müssen die Belange von Menschen mit Behinderungen von allen Entscheidungsträgern berücksich­tigt werden“, erklärte Awo-Vorstandsmitglied Brigitte Döcker.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, sagte im NDR, gerade die Arbeitsplätze für Be­hinderte müssten während der Coronapandemie unbedingt erhalten bleiben. Hier sei der Staat gefor­dert. „Auch vor Einsamkeit müssen Menschen mit Behinderung dringend geschützt werden“, forderte die VdK-Präsidentin. Auf keinen Fall dürfe es wieder Besuchsverbote in Pflegeheimen geben wie im ersten Lockdown.

Im Teilhabebericht des Paritätischen Gesamtverbands hieß es, knapp 39 Prozent der Menschen mit Be­hinderung klagten über Einsamkeit. Von den Menschen ohne Beeinträchtigung gaben demnach nur 15,8 Prozent an, oft oder eher oft einsam zu sein. Menschen mit Behinderung seien auch weiterhin über­durch­schnittlich häufig von Armut betroffen.

Die Daten für die Untersuchung wurden bereits vor der Coronapandemie erhoben – diese dürfte das Problem aber aus Sicht des Verbandes noch einmal verschärft haben.

„Corona geht für Menschen mit Behinderung noch mehr als für andere mit neuen Hürden und vielfach sozialer Isolation und Einsamkeit einher“, erklärte der Verbandsvorsitzende Rolf Rosenbrock. Die Pande­mie habe zudem einen Rückfall in überwunden geglaubte Handlungs- und Rollenmuster mit sich ge­bracht. „Das Selbstbestimmungsrecht von Menschen in Einrichtungen wurde früh und weitgehend ein­geschränkt“, kritisierte Rosenbrock. © afp/aerzteblatt.de

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