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Frauen haben in Coronakrise größere Belastung

Donnerstag, 3. Dezember 2020

/picture alliance, SvenSimon

Gütersloh – Frauen schultern in der Coronapandemie weiter den größten Anteil der Arbeit in Haushalt und Familie. Auch zusätzliche Aufgaben etwa durch Homeschooling und Kinderbetreuung verteilten sich vorwiegend entsprechend klassischer Rollenbilder von Mann und Frau, berichtete die Bertelsmann-Stiftung heute in Gütersloh unter Berufung auf eine von ihr in Auftrag gegebene Umfrage.

So gaben 69 Prozent der Frauen an, sich überwiegend selbst um die Hausarbeit zu kümmern. Hingegen nahmen nur elf Prozent der befragten Männer dies für sich in Anspruch. Auch beim Blick auf während der Coronakrise besonders relevante zusätzliche Bereiche wie den Fernunterricht der Kinder in den eigenen vier Wänden zeigte sich demnach ein ähnliches Bild. So sagten 51 Prozent der Frauen, dass sie sich vorrangig darum kümmerten. Bei den Männern waren es nach eigenen Aussagen lediglich 15 Pro­zent.

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Damit einher geht nach Angaben der Stiftung zudem eine auffällige Diskrepanz in der Wahrnehmung der unterschiedlichen Belastungen. So sind 66 Prozent der Männer der Meinung, Hausarbeit und Kinder­be­treuung seien bei ihnen gerecht aufgeteilt. Das gilt, obwohl den Männern laut ihren eigenen Antwor­ten bei der Befragung bewusst ist, dass viele Aufgaben überwiegend von ihren Partnerinnen übernom­men werden. Bei den Frauen sah nicht einmal die Hälfte die Verteilung als gerecht an.

Zugleich fühlte sich annähernd die Hälfte der Frauen durch die Coronakrise an ihre individuellen Gren­zen gebracht. 49 Prozent gaben an, ihre psychischen, emotionalen oder körperlichen Puffer seien er­schöpft. Bei den Männern waren es dagegen nur 30 Prozent. 43 Prozent der Frauen gaben zudem an, dass ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie derzeit schwerer falle als zu normalen Zeiten.

„Vor diesem Hintergrund sollten sich sowohl Frauen als auch Männer mit ihren privaten und beruflichen Rollen auseinandersetzen", erklärte Bertelsmann-Expertin Barbara von Würzen. Sie sollten die Aufgaben­verteilung in der Familie ansprechen und aushandeln, wobei sie Rücksicht auf die beiderseitigen Bedürf­nisse und Belastungen nehmen sollten. Auch in der Gesellschaft und in Organisationen müsse es zu­künftig viel breitere Diskussionen über diese Themen geben.

Von einer Trendverstärkung durch die Pandemie gingen die Fachleute der Stiftung indessen eher nicht aus. Aus der Umfrage gehe auch hervor, dass die Hälfte der Frauen der Meinung war, dass die Hausarbeit bereits vor der Coronakrise ungleich verteilt gewesen sei. Insofern scheine die Befragung weniger einen „Rückfall“ zu belegen als die Tatsache zu verdeutlichen, dass traditionelle Rollenmuster in Deutschland bisher kaum „aufgebrochen“ worden seien.

Die Angaben beruhten auf einer Onlineumfrage des Instituts Ipsos im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Befragt wurden dafür im Mai 1060 Männer und Frauen, die Ergebnisse waren repräsentativ. © afp/aerzteblatt.de

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