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Klimakrise: Düstere Nachrichten, aber auch Hoffnung

Donnerstag, 3. Dezember 2020

/piyaset, stock.adobe.com

Genf/New York – Gleich drei Klimaberichte und UN-Generalsekretär António Guterres haben gestern ein düsteres Bild vom Zustand der Erde in der Klimakrise gezeichnet – aber mit dem Weg aus der Corona­pandemie auch Hoffnung auf Besserung verknüpft.

Das Jahr 2020 dürfte nach vorläufigen Analysen der Weltwetterorganisation (WMO) eines der drei wärms­ten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts werden. Die Weltnatur­schutzorganisation (IUCN) sieht den Klimawandel nun als größte Bedrohung der Weltnaturerbestätten.

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Das UN-Umweltprogramm (Unep) mahnte unterdessen in einem weiteren gestern veröffentlichten Kli­mabericht, dass die derzeit geplante weltweite Produktion von fossilen Brennstoffen viel zu hoch sei, um die Pariser Klimaziele bis 2030 erreichen zu können.

„Unser Planet ist kaputt“, kommentierte UN-Chef Guterres an der New Yorker Columbia Universität bei einer Rede zum Zustand der Erde. Der Weg aus der Coronakrise biete in dieser Hinsicht aber eine Chance. „Die Coronaerholung und die Reparatur des Planeten können zwei Seiten derselben Medaille sein.“

Langfristige Ziele reichen nicht

Der Präsident der Pariser Klimakonferenz und ehemalige französische Premierminister Laurent Fabius forderte Regierungen dazu auf, mittel- und kurzfristige Klimaziele zu setzen und zu erfüllen. Es reiche nicht aus, langfristige Ziele zu setzen, bei denen unsicher sei, ob sie jemals umgesetzt würden. Das sei die Herausforderung für die UN-Klimakonferenz in Glasgow im kommenden Jahr.

Der nächste Gipfel gilt als besonders wichtig: Die Staaten sollen bis dahin ihre Klimaschutzpläne ehrgei­ziger machen. Denn noch reichen sie in der Summe längst nicht aus, um das Ziel des Pariser Klimaab­kommens von 2015 zu erfüllen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

Die derzeit geplante weltweite Produktion von fossilen Brennstoffen sei viel zu hoch, um die Pariser Kli­maziele bis 2030 erreichen zu können, betonte auch das UN-Umweltprogramm Unep. Um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müsste die internationale Gemeinschaft ihre Pro­duktion von fossilen Brennstoffen jährlich bis 2030 um rund sechs Prozent reduzieren.

Durchschnittstemperatur für Europa so hoch wie nie zuvor

Derzeit sei aber ein jährlicher Anstieg um zwei Prozent geplant – damit würde bis 2030 doppelt so viel fossiler Brennstoff produziert werden, wie mit dem Pariser Klimaziel vereinbar wäre. Die Chefin des UN-Umweltprogramms, Inger Andersen, sagte, die Coronapandemie biete eine Chance, die Volkswirtschaften weltweit mithilfe von „Investitionen in kohlenstoffarmen Energien und Infra­struktur“ wiederzubeleben.

Die Weltwetterorganisation teilte mit, dass die Durchschnittstemperatur für Europa in den ersten zehn Monaten 2020 höher als je zuvor gewesen sei. Klar sei schon jetzt, dass die Jahre seit 2015 die sechs wärmsten seit Messbeginn seien. Der Temperaturrekord wurde 2016 mit plus 1,2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau erreicht. Die jetzigen Vorhersagen beziehen sich auf Messungen von Januar bis Oktober. In diesen Monaten lag die globale Durchschnittstemperatur um 1,11 bis 1,23 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900.

Dies, obwohl sich das alle paar Jahre auftretende Wetterphänomen La Niña im September entwickelte, das eigentlich mit Temperaturabkühlungen einhergeht. Besonders drastisch waren die Messergebnisse nördlich des Polarkreises in Sibirien: Die Temperatur lag dort von Januar bis Oktober mehr als fünf Grad über dem Durchschnitt von 1981 bis 2010.

WMO-Generaldirektor Petteri Taalas sieht aber auch Anlass zu Optimismus, weil immer mehr – und vor allem große Länder – auf das Ziel der CO2-Neutralität einschwenkten. Er nannte die EU, Japan, Südkorea und – in naher Zukunft – die USA. „Auch China als Land mit dem größten CO2-Ausstoß – es ist eine gute Nachricht, dass China dem Club der CO2-neutralen Länder beitritt“, sagte Taalas. Er hoffe, dass Russland und Indien dies auch zügig täten.

Weltnaturerbestätten vom Klimawandel bedroht

Der Klimawandel sei inzwischen auch zur größte Bedrohung der Weltnaturerbestätten weltweit gewor­den, teilte die Weltnaturschutzorganisation IUCN mit, das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen. Die globale Erwärmung sei bei einem Drittel der Gebiete eine „hohe oder sehr hohe Bedrohung“. 2014 war das erst bei einem Viertel der Fall.

Auch das Weltnaturerbe Wattenmeer an der Nordsee gehört zu den betroffenen Regionen mit einer „sehr hohen Bedrohung“ durch den Klimawandel. © dpa/aerzteblatt.de

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