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Medizin

Immunsuppression: Krebspatienten können SARS-CoV-2 über 2 Monate ausscheiden

Donnerstag, 3. Dezember 2020

/ag visuell, stock.adobe.com

New York – Infektionen dauern bei immunsupprimierten Patienten in der Regel länger. US-Onkologen konnten bei ihren Patienten, deren Immunsystem durch die Behandlung deutlich geschwächt war, bis zu 61 Tage nach Beginn einer COVID-19-Erkrankung noch infektiöse SARS-CoV-2 in den Abstrichen nachweisen. Der RNA-Nachweis blieb laut ihrem Bericht im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMc2031670) bis zu 78 Tage positiv.

Die Pandemie hat im Frühjahr auch die Spezialabteilungen der Icahn School of Medicine in New York City nicht verschont. 18 Patienten infizierten sich nach einer Stammzelltransplantation oder einer CAR-T-Zelltherapie mit SARS-CoV-2. Bei beiden Therapien wird das Immunsystem durch Zytostatika supprimiert. 2 weitere Patienten waren an Lymphomen erkrankt.

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Von den 20 Patienten hatten 15 während der Infektion eine Chemotherapie erhalten, die die Bildung von Abwehrzellen im Knochenmark unterdrückt. 11 Patienten erkrankten schwer an COVID-19. Die Infektiologin Mini Kamboj ließ den Verlauf der Infektion genau beobachten. Dabei wurden nicht nur 57 Rachenabstriche auf Virusgene hin untersucht. Es wurde in 18 Isolaten auch geprüft, ob die Viren Zell­kulturen infizieren können. In ebenfalls 18 Isolaten wurde das Genom der Viren sequenziert.

Virale RNA wurde bis zu 78 Tage nach Auftreten der Symptome gefunden. In 10 von 14 nasopharyn­gealen Abstrichen wurden am ersten Tag in Labortests infektiöse Viren nachgewiesen. Bei 5 Patienten gelang es, die Viren auch 8, 17, 25, 26 und 61 Tage nach Beginn der Infektion in Zellkulturen zu vermehren.

Die 3 Patienten mit dem längsten Nachweis von infektiösen Viren hatten eine allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation oder eine CAR-T-Zelltherapie erhalten, bei der das Immunsystem deutlich geschwächt wurde. Diese Patienten sind dann nicht in der Lage, eine Antikörperantwort aufzubauen. Die Antikörpertests bleiben negativ.

Durch die Sequenzanalysen von SARS-CoV-2 sollte untersucht werden, ob sich die Patienten möglicher­weise mehrere Male mit verschiedenen Viren infiziert hatten. Dies war nicht der Fall. Die Genomsequenz der Viren veränderte sich im Verlauf der Zeit nicht, so dass von einer persistierenden Infektion auszu­gehen ist, schreibt Kamboj.

Nach derzeitiger Einschätzung der Experten geht die Ansteckungsfähigkeit vom SARS-CoV-2 bei immun­gesunden Menschen mit leichter bis moderater Erkrankung nach etwa 10 Tagen deutlich zurück. Die von Kamboj vorgestellten Daten zeigen, dass die Kontagiosität bei immunsupprimierten Patienten deutlich länger anhalten kann. © rme/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 3. Dezember 2020, 18:58

Extremer Einzelfall persistierender Infektiosität

Es wurde im Einzelfall von einer Patientin berichtet, bei der sich die Infektiosität mit SARS-CoV-2-Virusmaterial über insgesamt 105 Tage erstreckte.

Bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 beginnt die Infektiosität in der Regel ca. 2 bis 3 Tage vor Erscheinen der ersten Symptome und endet an Tag 5 bis 7 nach Symptombeginn. Jetzt ist ein besonderer Fallbericht im Fachmagazin Cell zu dem Thema erschienen. Die SARS-CoV-2-infizierte Patientin war immungeschwächt und blieb über mehrere Monate ansteckend.

Infektion ohne Symptome
Beschrieben wird die Krankengeschichte einer 71-jährigen Amerikanerin, die seit 10 Jahren an einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) leidet. Wegen einer Wirbelfraktur wird die Patientin Mitte Februar in einer Klinik in den USA operiert und schließlich Ende Februar wegen einer Anämie erneut in der Notaufnahme vorrgestellt. Ein Röntgen-Thorax ist unauffällig, jedoch kann die Patientin wegen eines COVID-19-Ausbruchs nicht zurück in die Reha-Klinik verlegt werden. Eine daraufhin durchgeführte Computertomographie des Brustraumes am 28. Februar bleibt ebenfalls unauffällig. Wegen des Ausbruches in der Reha-Einrichtung wird sie auf SARS-CoV-2 getestet – und ist positiv. Sie zeigt keinerlei Symptome, wird aber auf eine Isolierstation der Klinik verlegt.

Über 15 Wochen wurde die Frau insgesamt 14 weitere Male auf SARS-CoV-2 getestet – dabei verwendeten die Ärzte unterschiedliche diagnostische Methoden in verschiedenen Labors, um ein zweifelsfreies Ergebnis zu garantieren. Die höchste Viruslast wurde dabei an Tag 70 gemessen. Bis zum 15. Juni – 105 Tage nach dem ersten Test – blieben die Ergebnisse positiv, die Patientin blieb die gesamte Zeit über infektiös, so die Wissenschaftler. Zwischen dem 16. Juni und 16. Juli ergaben vier Abstriche schließlich, dass die Infektion abgeklungen war.

Es handelt sich hier um einen Einzel- und Sonderfall, der der außer bei anderen Tumorpatienten unter Chemotherapie keineswegs verallgemeinernd auf normale SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen bzw. ihre Verlaufsformen übertragen werden kann.

Die im detaillierten Fallbericht (Case Study: "Prolonged Infectious SARS-CoV-2 Shedding from an Asymptomatic Immunocompromised Individual with Cancer" von
Victoria A. Avanzato et al. vom November 04, 2020
DOI:https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.10.049) beschriebene Patientin litt nicht nur an
- chronisch lymphatischer Leukämie (CLL), sondern auch
- an therapeutisch bedingter Immunkompromittierung
- und zusätzlich an erworbener Hypogammaglobulinämie.

Von daher konnte sie gar keine konsistenten IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2 entwickeln:
"Long-term SARS-CoV-2 shedding was observed from the upper respiratory tract of a female immunocompromised patient with chronic lymphocytic leukemia and acquired hypogammaglobulinemia."

Erst die 2-malige Gabe von Rekonvaleszentenserum
als Ersatz für fehlende COVID-19-IgG-Antikörper konnte nach 15 Wochen diesen Teil des Krankheitsgeschehens beenden.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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