NewsPolitikKrankenhäusern bleibt nur noch wenig Zeit, sich digital aufzustellen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenhäusern bleibt nur noch wenig Zeit, sich digital aufzustellen

Montag, 7. Dezember 2020

/metamorworks, stock.adobe.com

Berlin – Der Vorstand der Sana Kliniken AG, Jens Schick, hat das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) als „Riesenchance“ für die Krankenhäuser und die Industrie bezeichnet. „Ich kann mich nicht an ein Förder­programm dieser Dimension erinnern, das auch noch so zweckgebunden war“, sagte Schick kürzlich auf der Hauptstadtkongress-Digital-Veranstaltung „Strategische Partnerschaften trotz Konjunk­tur­programm des Bundes“. Durch das KHZG werde in die Digitalisierungsstrategie der Sana Kliniken eine enorme Dynamik kommen.

Das Krankenhauszukunftsgesetz wurde im September vom Bundestag verabschiedet. Es stellt drei Milli­ar­den Euro des Bundes für den Ausbau der Krankenhaus-IT zur Verfügung, die durch 1,3 Milliarden Euro der Länder ergänzt werden müssen. Die Krankenhäuser können Fördergelder erhalten, wenn sie zum Beispiel Patientenportale für ein digitales Aufnahme- und Entlasssystem oder automatisierte klinische Entscheidungsunterstützungssysteme einführen oder die IT-Sicherheit verbessern.

Anzeige

Im Krankenhaus sei die Digitalisierung schwerer umzusetzen als in anderen Branchen, erklärte der Stra­tegic Solution Leader der Philips GmbH Market Dach, Markus Jones. Denn während es in anderen Bran­chen einen hohen Anteil an automatisierter Fertigung gebe, gebe es im Krankenhaus hohe manuelle An­teile. Beide Bereiche zu verzahnen, sei schwer.

Wichtig sei es, dass Pflegende und Ärzte am Ende die Technik im Alltag anwenden können. Dabei müss­ten die behandlungsrelevanten Informationen im Mittelpunkt der Digitalisierung stehen. „In einer mo­der­nen Intensivstation werden pro Tag und Patient eine Million Datenpunkte verarbeitet“, sagte Jones. „Vor zehn Jahren war es noch 100.“ Die Herausforderung sei es, die Daten herauszustellen, die die Mit­arbeiter des Krankenhauses für ihre Arbeit benötigten.

Aus Jones´ Sicht stellen die knappen personellen Ressourcen sowohl aufseiten der Krankenhäuser als auch aufseiten der Industrie dabei das größte Problem im Bereich des digitalen Wandels dar.

Patienten aktiv mit einbeziehen

Der Vorstandsvorsitzende und Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Freiburg, Frederik Wenz, betonte, dass die Krankenhäuser zunächst den Zielzustand definieren müssten, bevor sie Förder­mittel des KHZG beantragten.

„Man sollte keine Reise beginnen, ohne zu wissen, wohin man will“, sagte Wenz. „Deshalb sollte man jetzt nicht hektisch Einzelbausteine zusammenholen, weil das am Ende mehr Probleme schafft als Lö­sungen.“ Auch er betonte, dass die Krankenhäuser dabei insbesondere die Sicht der Nutzer und der Patienten im Blick haben müssten.

„Man darf jetzt nicht einen schlechten Prozess vom Papier aufs Tablet übertragen“, betonte Wenz. Statt­dessen müsse man die Strukturen verbessern und dabei die Patienten aktiv mit einbeziehen. Seine Idee ist: „Man verlagert alles auf den Patienten, was man vom Mitarbeiter auf den Patienten verlagern kann. Dabei entlastet man das eigene Personal und bezieht die Patienten aktiv mit ein.“ Auf diese Weise könne man zu Effizienzsteigerungen kommen.

Jetzt effizient aufstellen

Jones geht davon aus, dass die Krankenhäuser nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr nicht mehr Geld zur Verfügung haben werden als jetzt. „Wir haben zurzeit einen sehr starken Ge­sund­heits­mi­nis­ter“, sagte er. Es sei allerdings nicht sicher, ob Jens Spahn (CDU) auch nach der Wahl noch im Amt sei.

„Es könnte danach sein, dass es eine Phase der Konsolidierung gibt“, meinte Jones. „Vielleicht werden die Vorzeichen dann nicht besser werden, als sie es heute sind. Deshalb gilt es, das Beste aus der jetzigen Situation zu machen.“

Auch Wenz geht davon aus, dass den Krankenhäusern dann weniger Geld zur Verfügung steht sowie – infolge des demografischen Wandels – „weniger Hände und Köpfe“. „Wenn wir jetzt nicht die Gelegenheit nutzen, uns schlank und effizient aufzustellen, werden wir in einigen Jahren vor Herausforderungen stehen, die wir nicht mehr lösen können“, meinte er. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #672734
isnydoc
am Montag, 14. Dezember 2020, 15:36

"knappe personelle Ressourcen"

Nette Formulierung für "Personalmangel" und ein Zeichen dafür, dass die Debatte wie stets um den heissen Brei herum schleicht.
Warum mangelt es am Personal?
Wie steht es um Arbeitsbedingungen?
Wie steht es um die Abgabenbelastung in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?
Welche Lösungen bietet das real existierende System für die Probleme an?
Kann uns die gewaltige Bürokratie helfen?
Welche "substanziellen Beiträge" liefert die "bewährte Selbstverwaltung"?
Was helfen Gesetze am laufenden Band? - Rudi Carrell lässt grüssen ...
Avatar #672734
isnydoc
am Montag, 14. Dezember 2020, 15:25

"Knappe personelle Ressourcen"

Avatar #849714
Markus Hinz
am Montag, 14. Dezember 2020, 15:08

Mitarbeiter im Gesundheitswesen wurden vergessen

4,3 Milliarden Euro für die Digitalisierung von Krankenhäusern sind sicherlich eine "Riesenchance". Allerdings wurden bei allen 11 Fördertatbeständen (Förderfähige Vorhaben) des Richtlinien-Entwurfs zur Förderung vergessen, explizit auf die Mitarbeiter in den Krankenhäusern einzugehen. Auch in diesem Artikel werden die "knappen Ressourcen" angesprochen. Aus meiner Sicht ist der limitierendste Faktor für Digitalisierung der Angestellte im Gesundheitswesen. Wo ist z.B. der Fördertatbestand digitaler Employee Self Service (ESS )? Zum Beispiel mit einer Smartphone App, über die Mitarbeiter Dienst- und Freizeitwünsche äußern können, Dienste tauschen, Fortbildungen beantragen, oder Zuschläge verwalten. Faire, weil transparente und digitale bzw. automatisierte Dienstplanung wäre für mich ein Fördertatbestand, wenn man sich, wie es im Artikel zu lesen ist, "jetzt effizient aufstellen" will.
LNS
LNS LNS LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER