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Digitale Gesundheitskompetenz der Deutschen weiter ausbaufähig

Dienstag, 8. Dezember 2020

/Goffkein, stock.adobe.com

Berlin – Fast jede zweite Person in Deutschland hat gute Kompetenzen im Umgang mit digitalen Gesundheitsinformationen. Doch die Bewertung der Informationen im Internet wird oft als schwierig empfunden. Das sind Ergebnisse einer Umfrage der AOK zur digitalen Gesundheitskompe­tenz in Deutschland, die heute in Berlin vorgestellt wurde.

Den Ergebnissen zufolge fällt es fast der Hälfte (48,4 Prozent) aller rund 8.500 Befragten schwer, die Zuverlässigkeit von Gesundheitsinformationen im Internet zu bewerten. Auch die Abschätzung, inwieweit kommerzielle Interessen hinter einem Informationsangebot stehen, ist für 40 Prozent der Teilnehmenden „schwierig“ oder „sehr schwierig“.

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Die Studienautoren um Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention des AOK-Bundesverbandes, definierten „Digitale Gesundheitskompetenz“ (englisch: eHealth literacy) als Gesamtkomplex individueller Fähigkeiten, die zum Finden, Verstehen, Bewerten und Anwenden von gesundheits­bezogenen Informationen wichtig sind.

Internationale Studien hätten gezeigt, dass eine höhere digitale Gesundheitskompetenz mit vielen gesundheitsbezogenen Vorteilen einhergehe, heißt es in der Studie. Dazu gehöre ein besseres Verständ­nis des individuellen Gesundheitszustands, ein effektiverer Kontakt mit medizinischem Personal sowie eine höhere Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen.

Um sie zu messen, wurden acht Kompetenzdimensionen formuliert, darunter die grundsätzliche Fähigkeit zum Lesen und Schreiben oder zur Bedienung von Computern, aber auch kritische Medien­kompetenz sowie Wissen über den Umgang mit den eigenen Daten.

Daraus erstellten die Autoren nun einen eHealth Literacy Score, der die Selbsteinschätzung der Teil­nehmenden zusammenfasst. Jüngere Menschen, Frauen sowie Personen mit höherem Bildungs­abschluss und Haushaltseinkommen zeigten in der Studie geringfügig höhere Scores, schrieben sich also gute digitale Kompetenzen zu.

Besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen oder einem insgesamt als „mittelmäßig“ bis „sehr schlecht“ empfundenen Gesundheitszustand schnitten in der Befragung schlechter ab. Von Teilneh­menden in „schlechtem“ Zustand schätzten etwa 60 Prozent ihre digitalen Gesundheitskompetenzen als eingeschränkt ein, in der Gruppe mit „sehr gutem“ Gesundheitszustand waren es 40,6 Prozent.

Für die Studie hatte das Institut Skopos bundesweit rund 8.500 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 75 Jahren befragt. Sie verwendeten einen international validierten Fragebogen, das niederländische Digital Health Literacy Instrument (DHLI), der für die Umfrage um weitere Details ergänzt wurde.

Fehlende digitale Kompetenz könnte Gesellschaft spalten

„Während die Digitalisierung immer weiter voranschreitet, wächst die Gefahr, dass die Bürger nicht mehr mitkommen“, mahnte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, angesichts der Ergebnisse. Er sehe darin, bei allen Vorteilen der digitalen Medizin, die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung zwischen den „Informierten“ und den „Uninformierten“.

Ärztinnen und Ärzte allein könnten diese Kompetenzen in der Bevölkerung nicht aufbauen, betonte Litsch. Sie hätten für solch zeitaufwendige Aufklärungsarbeit schlicht nicht genug Kapazitäten. Es benötige daher weiterer Modelle, wie Patientenlotsen oder Gesundheitskiosks, die niedrigschwellige individuelle Beratungen anbieten.

Digitale Gesundheitskompetenz sei eine „Schlüsselkompetenz für mündige Bürger und Patienten“, sagte der Mitautor der Studie und Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, Matthias Mohrmann. Menschen müssten in die Lage versetzt werden, die richtigen Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen. So könne auch der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden.

Die Vermittlung von Digitalkompetenz dürfe nicht allein von Krankenkassen und medizinischem Personal erbracht werden, sagte auch Maria Klein-Schmeink, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen und Sprecherin für Gesundheitspolitik, in einer Stellungnahme zur Veröffentlichung der Studie. Patientenorganisationen, Selbsthilfeverbänden oder Seniorenorganisationen könnten sich hierbei ebenfalls einbringen. © jff/aerzteblatt.de

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