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Coronapandemie: Stimmung unter den Ärzten ist gedrückt

Donnerstag, 10. Dezember 2020

/Syda Productions, stock.adobe.com

Berlin – Die zweite Welle der Coronapandemie ist für die Ärzte sehr belastend – unter anderem, weil die Welle immer größer wird, ohne dass ein Ende abzusehen ist. Das betonte Frieder Pfäfflin, Oberarzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité – Universitäts­medizin Berlin, heute auf dem virtuellen Hygieneforum des Bundesverbands Medizintechno­logie.

„Bei der ersten Welle haben die politischen Maßnahmen schnell gegriffen und wir wussten, dass wir nur noch ein paar Wochen durchhalten müssen“, sagte Pfäfflin. „Uns war klar, dass wir das bewältigen können.“

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Mittlerweile komme einem die erste Pandemiewelle im Vergleich zu den aktuellen Zahlen allerdings sehr klein vor, sagte der Infektiologe. Ende März seien an die Charité etwa 300 COVID-19-Fälle über­mittelt gewesen – im Gegensatz zu 1.700 Fällen Anfang Dezember. „Wir gehen alle mittlerweile auf dem Zahnfleisch“, sagte Pfäfflin.

Zu der hohen Zahl an Patienten komme zudem eine steigende Zahl an infiziertem Personal. „Das ist sehr belastend“, betonte er. „Mittlerweile können wir auch keine vernünftigen Pausen mehr machen, weil man sich wegen der Ansteckungsgefahr nicht in den Pausenräumen aufhalten möchte. Ich stehe jetzt draußen in der Kälte und esse mein Brot. Das schlägt auf die Stimmung. Wir hoffen sehr, dass es bald politische Maßnahmen gibt, die die Zahl der Neuinfektionen senken – und dass sich alle daran erinnern, dass es hilft, sich an die Schutzmaßnahmen zu halten.“

Pfäfflin wies darauf hin, dass eine Übertragung in 44 Prozent der Fälle vor dem Beginn der Symptomatik stattfinde. Die höchste Wahrscheinlichkeit der Übertragung von SARS-CoV-2 liege zu Beginn der Symp­to­matik.

Zurückhaltung bei neuen Arzneimitteln

Von den Medikamenten, die zwischenzeitlich zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt wurden, sei heu­te nur noch Dexamethason übriggeblieben. „Es gab viele Stoffe, die sehr gehypt wurden, zum Beispiel Chloroquin“, sagte Pfäfflin. „Die sind mittlerweile alle vom Bildschirm verschwunden.“

Er erwarte, dass im Januar einige monoklonale Antikörper zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden könnten, zum Beispiel eine Kombination aus Casirivimab und Imdevimab. Diese Arzneimittel habe auch der amerikanische Präsident Donald Trump während seiner COVID-19-Erkrankung erhalten. Sie seien eine Option bei frisch infizierten Patienten mit einem hohen Risiko auf einen schweren Verlauf.

Grundsätzlich warnte Pfäfflin aber vor dem Einsatz von Arzneimitteln, solange nicht klar sei, wie sie wirkten. „Unsere Forderung ist: Wir wollen zuerst Daten sehen, bevor wir ein Medikament verordnen“, sagte er. „Ich wäre sehr zurückhaltend mit dem Einsatz neuer Arzneimittel, es sei denn, man setzt sie im Rahmen von klinischen Studien ein.“ © fos/aerzteblatt.de

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