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Medizin

Bartonella quintana: Schützengrabenfieber bei Obdachlosen

Dienstag, 5. Januar 2021

Bartonella quintana/ Kateryna Kon, stock.adobe.com

Winnipeg – In einer Obdachlosenunterkunft in der kanadischen Provinz Manitoba ist es zu mehreren Infektionen mit Bartonella quintana gekommen, dem Erreger des Wolhynischen Fiebers, das in den Schützengräben des ersten Weltkriegs grassierte.

Das Bakterium löste laut dem Bericht im Canadian Medical Association Journal (2020; DOI: 10.1503/cmaj.201170 ) bei 2 Patienten eine Endokarditis aus. 2 weitere erlitten Hirnblutungen.

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Bartonella quintana gehört zu den in Vergessenheit geratenen Erregern, die jedoch keineswegs ausge­storben sind. Unter Obdachlosen, die durchaus unter ähnlichen sanitären Verhältnissen leben wie die Soldaten im 1. Weltkrieg, kommt es immer wieder zu Ausbrüchen. Frühere Studien haben (in den USA und Frankreich) Seroprävalenzen von über 20 % bei Obdachlosen mit Alkohol- oder auch intravenösem Drogenkonsum nachgewiesen.

Auch der 48-jährige obdachlose Mann, der in einer Notfallambulanz in Winnipeg, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Manitoba, behandelt wurde, hatte einen intravenösen Drogenkonsum in der Vorgeschichte.

Er hatte sich vor 14 Jahren mit HIV infiziert, nahm jedoch regelmäßig seine Medikamente ein. Jetzt litt er unter pleuritischen Brustschmerzen und Kurzatmigkeit. Bei der Auskultation fiel ein holosystolisches Geräusch mit diastolischem Decrescendo auf. Im CT wurden Lungenembolien, Milzinfarkte, Splenomegalie und Aneurysmen der abdominalen Aortenäste beobachtet, im Herzecho wurden große Vegetationen auf der Mitralklappe entdeckt.

Wie der Infektiologe Carl Boodman von der Universität von Manitoba in Winnipeg berichtet, überlebte der Patient die Endokarditis nach einer Antibiotikabehandlung und dem Austausch von Mitral- und Aortenklappe 4 Tage nach der Aufnahme. Die Blutkulturen waren negativ, doch 4 Wochen später wurden Antikörper gegen Bartonella quintana und Bartonella henselae im Blut des Rekonvaleszenten gefunden.

Boodman geht deshalb davon aus, dass der Obdachlose am Wolhynischen oder Schützengrabenfieber erkrankt war, dessen Erreger Bartonella quintana ist. Der Erreger wird durch Kleiderläuse übertragen, von denen vielerorts auch Obdachlose befallen sind.

Die Erkrankung geht mit Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit einher. Der Erreger gelangt mit dem Biss der Läuse in die Blutbahn, wo er eine Bakteriämie auslösen kann. Die Erkrankung wurde früher auch Fünftage-Fieber genannt, da die episodischen Symptome alle 5 Tage erneut auftreten können.

Zu den Folgen der Bakteriämie gehören nicht nur eine Endokarditis, sondern auch Hirnblutungen. Die Mediziner aus Winnipeg konnten, nachdem sie sensibilisiert waren, die Erkrankung innerhalb von 6 Monaten bei 3 weiteren Patienten diagnostizieren. © rme/aerzteblatt.de

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