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Medizin

SARS-CoV-2: Massenscreening in der Slowakei führt zu deutlichem Rückgang der Prävalenz

Dienstag, 8. Dezember 2020

/picture alliance, TASR, Roman Hanc

Bratislava – In der Slowakei ist es nach einem landesweiten Antigenscreening auf SARS-CoV-2 innerhalb von 2 Wochen zu einem deutlichen Rückgang der Infektionen gekommen, der nach den in MedRXiv (2020; DOI: 10.1101/2020.12.02.20240648) veröffentlichten Zahlen den gleichzeitigen Lockdown deutlich unterstützt hat.

Vor dem Hintergrund stark steigender Infektionszahlen hatte die Regierung in Bratislava die Testung der gesamten Bevölkerung beschlossen. Zwischen dem 23. und 25. Oktober fand in den 4 am stärksten betroffenen Bezirken des Landes zunächst ein Pilotversuch statt. Am 31. Oktober und 1. November wurde dann die gesamte Bevölkerung gescreent. Die Regierung bot dafür 20.000 Personen des medizinischen Personals und 40.000 Personen des nicht-medizinischen Personals auf, die in den beiden Tagen 3,316 Millionen Tests durchführten. In den Bezirken mit der höchsten Prävalenz wurde am 7. und 8. November ein zweites Screening durchgeführt.

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Der Test wurde allen etwa 4 Millionen Einwohnern im Alter von 10 bis 65 Jahren angeboten sowie älteren, soweit sie noch berufstätig waren. Die Beteiligung war freiwillig. Wer sich allerdings der Hauptunter­suchung am 31. Oktober/1. November entzog, durfte in den folgenden 10 Tagen die Wohnung nicht verlassen.

Insgesamt wurden 5.276.832 Tests durchgeführt. Die Beteiligung betrug in den Testrunden 87 %, 83 % und 84 %. Insgesamt 50.466 Tests fielen positiv aus. Der Anteil der positiven Tests betrug in der Pilotstudie 3,91 %, in der ersten nationalen Runde 1,01 % und in der zweiten Runde 0,62 %.

Wie Martin Pavelka vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Bratislava und Mitarbeiter berichten, ging in den vier Bezirken, die sich an der Pilotstudie beteiligten, die Zahl der positiven Tests in der ersten nationalen Runde um 56 % zurück. In der zweiten Runde wurden dann noch einmal 60 % weniger positiv getestet. Dies entspricht laut Pavelka einem Gesamtrückgang um 82 % innerhalb von 2 Wochen.

In den 45 Regionen, in denen wegen hoher Infektionszahlen im nationalen Screening nach einer Woche erneut getestet wurde, kam es zu einem Rückgang um 58 % oder um 61 %, wenn in einer adjustierten Analyse die Unterschiede in der Beteiligungsrate, der Virus-Reproduktionszahl und der Prävalenz in der ersten Runde berücksichtigt wurden. Wenn zudem einbezogen wurde, dass die Infektionszahlen vor dem Test noch um 4,4 % pro Tag angestiegen waren, ergibt sich nach den Berechnungen von Pavelka ein Rückgang um 70 % (95-%-Konfidenzintervall 67 bis 73 %).

Nach der ersten Testrunde durften die Bürger nur mit einem negativen Testergebnis am Arbeitsplatz erscheinen. Bürger mit positivem Testergebnis wurden gebeten, sich zusammen mit allen Mitgliedern desselben Haushalts in eine 10-tägige Quarantäne zu begeben. Auch alle Kontaktpersonen aus den 2 Tagen vor dem Test mussten in Quarantäne.

Während der Testphase befand sich das Land in einem Lockdown. Die Schulen waren ab dem 15. Oktober für Schüler ab 14 Jahren und ab dem 26. Oktober für Schüler ab 10 Jahren geschlossen. Indoor-Gastronomie und Indoor-Freizeitaktivitäten waren ebenfalls deutlich eingeschränkt. Zwischen dem 24. Oktober und dem 1. November wurde die Bevölkerung gebeten, die Wohnung nur zu verlassen, um zur Arbeit zu gehen, die Kinder zur Schule zu bringen, wichtige Dinge einzukaufen oder einen Spaziergang zu unternehmen.

Diese Maßnahmen dürften am Rückgang der Infektionen mit beteiligt gewesen sein. Der Lockdown allein könne den Rückgang in der Slowakei jedoch nicht erklären, schreiben Mitarbeiter der London School of Hygiene & Tropical Medicine in London, die an der Studie beteiligt waren. Sie verweisen auf die Ergebnisse der REACT-1-Studie, die den Einfluss des Lockdowns in England im Frühjahr untersucht hat. Danach waren die Zahlen in Großbritannien innerhalb von 2 bis 3 Wochen um etwa 30 % gesunken, also deutlich weniger als jetzt in der Slowakei.

In einem Mikrosimulationsmodell haben die Forscher versucht, den Einfluss von Lockdown und Quarantäne zu trennen. Ohne die zusätzliche Quarantäne der Haushalte nach dem positiven Testergebnis eines Mitglieds wären die Infektionen danach nur um 10 % gefallen (relative Prävalenz 0,90; 0,84 bis 0,96). Mit der zusätzlichen Quarantäne ergab sich ein Rückgang um 59 % (relative Prävalenz 0,41; 0,38 bis 0,45). © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #763956
dubito
am Dienstag, 8. Dezember 2020, 19:38

Klar und wirksam

Fazit: Gezielte Quarantäne bringt das Sechsfache eines Lockdowns.
Ganz einfach beeindruckende Zahlen aus der Slowakei.
Natürlich nicht übertragbau auf ein "Entwicklungsland" wie Deutschland - wir müssten solche Maßnahmen ja erst einmal "entwickeln" (vorschlagen, diekutieren, prüfen, verifizieren).
Nun sage mir keine, dass Deutschland fast 20mal mehr Einwohner hat und ein Screening deshalb schwieriger wäre - wir hätten theoretisch auch 20mal mehr Möglichkeiten.
LNS
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