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Robert-Koch-Institut nimmt erstmals Gendermedizin in den Fokus

Mittwoch, 9. Dezember 2020

Nicht alle Menschen fühlen sich einem Geschlecht zugehörig. /Dashk, stock.adobe.com

Berlin – Mädchen und Frauen sind in der Kindheit und im Erwachsenenalter gesünder als Jungen und Männer. Im Jugendalter ist es umgekehrt. Das zeigt der erste Bericht zur „Gesundheitlichen Lage der Frauen in Deutschland“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Statistischen Bundesamtes, der heute veröffentlicht wurde.

Darin werden erstmals verschiedene Lebensphasen und –umstände von Frauen differenziert beleuchtet und deren Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit und Versorgungssituation diskutiert. So seien Mädchen bereits im Kindesalter „medizinisch unauffälliger“ als Jungen. Im Alter zwischen sieben und zehn Jahren beispielsweise wären sie seltener von Asthma bronchiale, Heuschnupfen und psychischen Auffälligkeiten betroffen, heißt es in dem knapp 400-seitigen Bericht.

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In der Jugend kehre sich dieses Geschlechterverhältnis um. Mädchen würden dann im Vergleich zu Jun­gen häufiger unter Schmerzen, Schlafstörungen und Schwindel leiden. Auch zeigen sie gehäuft Hinweise auf Essstörungen oder Symptome von Depression und Angst. Zudem berichten sie öfter von Stressbelas­tun­gen und Unzufriedenheit mit ihrem Körper.

Während der Pubertät seien junge Frauen wieder gesünder als junge Männer. Zwar würden sie im Durch­schnitt weniger Sport treiben als Jungen desselben Alters. Doch das könnten sie, beispielsweise durch eine ausgewogenere Ernährung mit mehr Obst und Gemüse, wieder ausgleichen. Gesundheitsfördernde Verhaltensweisen, die sich in diesen jungen Lebensjahren etablieren, würden häufig im erwerbsfähigen Alter fortgesetzt.

Konflikte bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf allerdings könnten sich negativ auf die Gesundheit von Frauen auswirken, so der Bericht weiter. Gerade junge Mütter, Alleinerziehende (in Deutschland in 88 Prozent der Fälle Frauen), arbeitslose Frauen sowie all jene Frauen, die Angehörige pflegen (rund neun Prozent aller Frauen in Deutschland), seien besonderen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.

Die Geschlechterunterschiede zeigen sich auch bei der Gesundheitsversorgung: Diese nehmen Frauen häufiger in Anspruch als Männer, besonders in jüngerem Alter ist der Unterschied groß. Über alle Alters­gruppen hinweg nehmen rund 91 Prozent der Frauen und 84 Prozent der Männer innerhalb eines Jahres ambulante ärztliche Versorgungsleistungen in Anspruch, rund 17 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer werden jedes Jahr im Krankenhaus behandelt.

Darüber hinaus nutzen Frauen Arzneimittel häufiger als Männer, sowohl mit ärztlicher Verordnung als auch in Selbstmedikation. Frauen würden zudem häufiger Vorsorgeuntersuchungen, Rehabilitationsleis­tungen oder Selbsthilfeangebote in Anspruch nehmen.

Zwei spezielle Frauengruppen würden diesem generellen Trend jedoch nicht folgen: Migrantinnen und Frauen mit Behinderungen. Beide Gruppen hätten zum Teil einen erhöhten Bedarf medizinischer oder psychologischer Beratung, würden aber auf sprachliche oder physische Barrieren stoßen, so der Bericht. Dabei gehören diese Frauen keineswegs zu Randgruppen: Jede vierte Frau in Deutschland habe dem Be­richt zufolge einen Migrationshintergrund und etwa jede Achte eine anerkannte Behinderung.

„Eine gute medizinische Versorgung berücksichtigt immer auch das Geschlecht“, sagte Bundesgesund­heitsminister Jens Spahn (CDU) zur Veröffentlichung des Frauengesundheitsberichts. Dieser biete eine Datengrundlage, um die Gesundheit von Frauen und Mädchen weiter zu stärken.

Die Berichterstatterin der SPD-Fraktion für Frauengesundheit, Hilde Mattheis, begrüßte den Frauen­ge­sundheitsbericht. Doch weiterhin gebe es „bei häufigen Erkrankungen von Frauen oder bestimmten Frauengruppen noch Datenlücken“, sagte sie. Daher wünsche sie sich weitere Institute für Genderme­dizin in Deutschland. © jff/aerzteblatt.de

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