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Ausland

Ärzte werfen türkischer Regierung Versagen in Pandemiepolitik vor

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Das Emblem des Türkischen Ärzteverbandes TTB. /picture alliance, Altan Gocher

Istanbul – Angesichts steigender Coronafallzahlen haben Ärztevertreter in der Türkei die Pandemie­po­litik der Regierung scharf kritisiert. Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus SARS-CoV-2 basierten nicht auf Wissenschaft, kritisierte die Türkische Ärztevereinigung (TTB) heute. Etwa seien alle möglichen Aktivitäten der Opposition verboten worden, während die Regierungspartei AKP Kundgebungen abhal­ten konnte, ohne sich an Abstandsregeln zu halten.

Die Tatsache, dass Ankara lange keine vollständigen Fallzahlen veröffentlicht habe, habe die Verbrei­tung des Virus gefördert, hieß es in der Erklärung weiter. Die TTB, die sich um Transparenz bemühe, werde da­gegen „kriminalisiert“. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Ärztevereinigung im Oktober scharf attackiert.

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Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in dem Land mit den 83 Millionen Einwohnern lag gestern bei 31.712. Innerhalb von 24 Stunden starben nach Angaben von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Fahrettin Koca
217 Menschen an oder mit COVID-19. Die Regierung hatte die Coronarestriktionen zuletzt verschärft und unter anderem Ausgangssperren über die Wochenenden und an Abenden erlassen.

„Wir denken, dass die Maßnahmen nicht ausreichend sind“, sagte der Generalsekretär der TTB in Istan­bul, Osman Kücükosmanoglu. Die Situation sei „außer Kontrolle geraten“. In staatlichen Krankenhäusern gebe es keinen Platz mehr. Die TTB fordere einen vierwöchigen Lockdown.

Die Vorsitzende der Vereinigung der Intensivkrankenschwestern, Ebru Kiraner, zeigte sich ebenfalls be­sorgt. Auf COVID-Intensivstationen gebe es kein freies Bett. „Sie sind voll und sogar überfüllt“, sagte sie. Einige Patienten müssten auf Liegen behandelt werden, zudem gebe es zu wenig Intensivpersonal.

Koca präsentierte gestern Abend Zahlen, nach denen in den Krankenhäusern großer Städte nicht alle Betten belegt seien. Über die Wirkung der Maßnahmen könne man erst kommende Woche eine Aussage treffen, sagte er. Auch über eventuelle Verschärfungen werde man erst dann entscheiden. © dpa/aerzteblatt.de

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