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Politik

Europäischer Datenraum soll Gesundheits­versorgung verbessern

Mittwoch, 16. Dezember 2020

/vegefox.com, stock.adobe.com

Berlin – Die angestrebte Etablierung eines europäischen Datenraums soll als ein Teil der Digitalisierung des Gesundheitswesens die Versorgung der Patienten konkret verbessern. Dies betonte Gottfried Lude­wig, Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), heute.

Im Rahmen des Nationalen Digital Health Symposiums 2020 versicherte Ludewig, die Arbeit an einem solchen supranationalen Datenraum sei dem BMG und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) persönlich ein „wirkliches Anliegen“. Unter der deutschen Ratspräsidentschaft seien erste Schritte in diesem Prozess eingeleitet worden. Seitens der EU-Kommission gebe es die Zusicherung, dass bis Ende des kommenden Jahres ein konkreter Vorschlag für die Umsetzung auf EU-Ebene vorgelegt werde.

Auch die technische und semantische Interoperabilität habe man im „Europa der Pioniere“ vorangetrie­ben – perspektivisch könne so die medizinische Versorgung „greifbarer und verfügbarer“ gestaltet und die Ressourcen besser gesteuert werden. Dies gelte auch für die auf nationaler Ebene erzielten Fort­schritte. Ludewig verwies hierzu beispielhaft auf die digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) per Re­zept und die bevorstehende Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA).

Die Hoffnung auf „dramatische Verbesserungen“ durch die ePA dämpfte Andreas Gassen, Vorstandsvorsit­z­ender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Vieles bleibe bislang noch „Zukunftsmusik“. Die Potenziale seien aber durchaus gegeben – vor allem durch die zunehmende Verfügbarkeit und Nutzung strukturierter Daten. Darüber hinaus gelte es aber, die innerärztliche Kommunikation zu stärken, etwa durch „arztgestützte Fallakten“.

Kritisch äußerte sich Gassen zur Einführung von digitalen Strukturen und Anwendungen in das Gesund­heitssystem mit gesetzlich sanktionsbewehrten Fristen. Insbesondere unter Pandemiebedingungen wirke dies eher „störend als dynamisierend“. Die niedergelassenen Ärzte seien gegenüber der Digitalisierung durchaus aufgeschlossen, wenn sie spürbare Mehrwerte bringe. Aktuell stellten sich die Anwendungen aber oft als wenig erprobt, mit fraglichem Nutzen versehen und technischen Problemen behaftet dar.

Christian Klose, Leiter der BMG-Unterabteilung Gematik, Telematikinfrastruktur, E-Health, bezeichnete den Start der ePA zum Jahresanfang 2021 als wichtigen Schritt. Nach den zunächst beginnenden „ausrei­chenden“ Tests zur Sicherheit und Performität werde schrittweise bis zum dritten Quartal des kom­men­den Jahres der flächendeckende Roll-Out-Prozess stattfinden.

Man habe bezüglich des Zeitrahmens „viel Druck“ auf die gesetzlichen Krankenversicherungen gemacht – aber nun stünden „alle Ampeln auf Grün“, so Klose. Die Krankenkassen seien immens daran interes­siert, die ePA „zum Fliegen zu bringen“, betonte in diesem Zusammenhang Michael Weller vom GKV-Spitzenverband. © aha/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 16. Dezember 2020, 18:22

Wo haben Ärzte einen Mehrwert von der ePA?

Die Ärzte sind diejenigen, die die ePA füllen müssen. Warum sollten die Ärzte das machen?
A - Weil sie selbst davon profitieren, wenn sie die Daten in die ePA übertragen.
B - Weil sie sanktioniert werden, wenn sie sich weigern, Daten zu übertragen.

Wo der Nettonutzengewinn für die Ärzte im Fall A liegt, hat bisher noch niemand aufgezeigt.
Mit der Variante B durften Ärzte schon Erfahrung sammeln: Honorarkürzung für all diejenigen, die sich u. a. aus Datenschutzgründen gegen den Anschluss an die TI entschieden haben.
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