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Immer mehr Fälle von Genitalverstümmelung in Deutschland

Montag, 14. Dezember 2020

/picture alliance, Britta Pedersen

Hamburg – Bei knapp 2.000 Frauen und Mädchen in Deutschland wurde laut einer Untersuchung im Jahr 2019 eine behandlungsbedürftige Genitalverstümmelung diagnostiziert. Das seien fast 40 Prozent mehr als im Jahr 2016, teilte der Verein „Taskforce für effektive Prävention von Genitalverstümmelung“ am vergangenen Freitag in Hamburg mit.

Erstmals habe der Verein eine Umfrage bei den Kassenärztlichen Vereinigungen durchgeführt, um die Anzahl von Patientinnen mit Genitalverstümmelung festzustellen. Demnach handelte es sich bei fast 200 der diagnostizierten Opfer um minderjährige Mädchen, die Hälfte davon jünger als 12 Jahre.

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Diese Zahlen beziehen sich laut Verein auf Mädchen und Frauen, die kassen­ärztlich ambulant betreut wurden. Genitalverstümmelungen, die im Rahmen stationärer Aufenthalte in Krankenhäusern oder bei privatärztlichen Behandlungen festgestellt wurden, seien nicht erfasst.

„Was wir anhand dieser Zahlen sehen, ist nur die Spitze des Eisberges und bildet vielleicht zwei bis fünf Prozent der tatsächlichen Verstümmelungsopfer ab, die in unserem Land leben, denn eine lückenlose Datenerhebung ist von den politischen Verantwortlichen nicht gewollt“, sagte Taskforce-Gründerin Ines Laufer.

Nach Schätzungen des Vereins müsse man von mehr als 20.000 gefährdeten Mädchen ausgehen, die aus Hochrisikoländern mit einer Verstümmelungsrate über 75 Prozent stammen, zum Beispiel aus Ägypten, Äthiopien, Eritrea, Sudan, Mali und Somalia.

„Wir fordern die Umsetzung staatlicher Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel regelmäßige medizinische Unversehrtheitskontrollen und Einführung einer ärztlichen Meldepflicht an die Strafverfolgungs­behör­den, wenn Genitalverstümmelungen an minderjährigen Opfern festgestellt werden“, sagte Laufer. © dpa/aerzteblatt.de

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