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Politik

Steinmeier mahnt zu Solidarität und Rücksicht in der Pandemie

Montag, 14. Dezember 2020

/picture alliance, Bernd von Jutrczenka

Berlin – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich überzeugt gezeigt, dass die Coronakrise mit gegenseitiger Solidarität und Rücksichtnahme überwunden erden kann. „Die kommenden Wochen sind eine Prüfung für uns alle“, sagte das Staatsoberhaupt gestern in einer kurzen Ansprache in Berlin. „Wir sind ein starkes Land, weil in dieser schweren Krise so viele Menschen füreinander da sind und über sich hinauswachsen.“

Die kommende Wochen würden für viele Menschen eine belastende Zeit, betonte der Bundespräsident. „Die Einschränkungen gefährden wirtschaftliche Existenzen, machen einsam und drücken aufs Gemüt.“ Er betonte zugleich: „Wir sind dem Virus nicht schicksalhaft ausgeliefert.“ Es hänge an jedem einzelnen – „und wir wissen, was zu tun ist“.

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Mit Blick auf die bevorstehenden Weihnachtstage fügte Steinmeier hinzu: „Feiern lassen sich nachholen, über Geschenk freuen sich Freunde und Verwandte auch später noch.“ Jetzt gehe es darum, Gesundheit zu erhalten und Leben zu retten.

Ausdrücklich unterstützte der Bundespräsident die von Bund und Länder beschlossenen Maßnahmen zu einem harten Lockdown ab übermorgen. Die Lage sei „bitterernst“, es gebe tausende Tode in einer Wo­che. Ohne weitere Einschnitte gehe es nicht. Die bisherigen Anstrengungen reichten nicht aus.

„Wir müssen noch konsequenter handeln“, sagte Steinmeier. Das gelte für das politische Handeln auf allen Ebenen. Aber auch „jeder und jede muss sich fragen, was kann ich zusätzlich tun, um mich und andere zu schützen“. Ziel müsse es sein, die Infektionszahlen so schnell wie möglich zu senken und auf niedrigem Niveau zu halten. Die Kontakte müssten radikal begrenzt werden, das müsse schnell und um­fassend geschehen.

Zugleich zeigte sich Steinmeier überzeugt, dass in Deutschland noch im Dezember die ersten Impfstoffe zugelassen werden und gleich nach Neujahr mit den Impfungen begonnen werden könne. Denen, die am liebsten nichts mehr von Corona hören wollten, sage er: „Lassen Sie uns an die Gefährdeten denken, die Erkrankten, diejenigen, die auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen.“

Ärzte und Pfleger kämpften bis zur Erschöpfung gegen das Virus und setzten dabei auch ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, betonte der Bundespräsident. © afp/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Montag, 14. Dezember 2020, 22:45

Was bedeuten anhaltend hohe Inzidenzen?

Ab Mittwoch geht Deutschland in den Lockdown, in Sachsen gilt der Lockdown seit heute. Am Beispiel Sachsens kann man sehen, was passiert, wenn die Eindämmung einer Infektion scheitert. Die Diskussion der Ursachen würde diesen Beitrag sprengen, ich möchte mich hier nur auf die Folgen konzentrieren.

Nehmen wir einfach mal zwei der täglichen Situationsberichte des RKI, die genau einen Monat auseinander liegen:
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Dez_2020/2020-12-14-de.pdf?__blob=publicationFile
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Nov_2020/2020-11-14-de.pdf?__blob=publicationFile

Am 14.11. hatte Sachsen
eine kumulative Inzidenz von 811/100T
eine 7-Tages-Inzidenz von 149,9/100T
und eine kumulative Mortalität von 12,3/100T

Am 14.12. hatte Sachsen
eine kumulative Inzidenz von 2132/100T
eine 7-Tages-Inzidenz von 379/100T
und eine kumulative Mortalität von 41,8/100T

Das bedeutet, innerhalb eines Monats ist die gemeldete kumulative Inzidenz von 0,8% auf 2,1% der Bevölkerung gestiegen. Unter Berücksichtigung der Dunkelziffer dürfte die tatsächliche Durchseuchung deutlich höher liegen.

Wenn man beim Nenner 100 000 Bevölkerung bleibt, lässt sich die Fallsterblichkeit (case fatality rate) in Sachsen in den letzten vier Wochen ebenfalls berechnen:
(41,8-12,3)/(2132-811)=29,5/1321=2,2%
Die Infektsterblichkeit liegt natürlich darunter, dazu fehlen noch sichere Aussagen zur Dunkelziffer.

Spannend wird es bei der Mortalität. Wenn wir vereinfachend die Lebenserwartung mit 80 Jahren annehmen und ebenfalls vereinfachend die Verteilung über das Jahr als gleichmäßig annehmen, dann sollten von 100 000 Bevölkerung pro Jahr 1250 Menschen sterben, pro Monat wären das dann 104 Sterbefälle. Die Covid-Mortalität in Sachsen in den letzten 4 Wochen liegt bei 29,5/100T, die Hintergrundmortalität sollte in etwa bei 104/100T liegen. Das ist natürlich nur eine Modellrechnung, in der aktuellen Jahreszeit dürfte die normale Mortalität etwas höher sein. Andererseits führt die Ressourcenverknappung in den Krankenhäusern nicht nur zu einer erhöhten Covid-Mortalität, auch andere Diagnosen haben derzeit eine schlechtere Prognose. Ich bin wirklich darauf gespannt, wenn in einigen Wochen die Daten zur Todesfallstatistik kommen und man das Ausmaß der Übersterblichkeit sehen kann. Das Bedrückendste daran ist, dass die Infektionszahlen weiter steigen und für die nächsten vier Wochen die entsprechenden Werte eher noch höher ausfallen dürften.

Was bedeutet das Beispiel Sachsens für den Rest des Landes?
Erst einmal zeigt dieses Beispiel auf, welche Gefahren anderen Bundesländern drohen. Coronaleugner sind groß darin, sich die Situation schön zu reden und arbeiten nur mit Durchschnittswerten, welche die Risiken verschleiern. Die aktuelle 7-Tages Inzidenz liegt in Deutschland bei 176, Sachsen war vor 4 Wochen bei 149,9 und ist aktuell bei 379. Vier Landkreise in Sachsen liegen bei Werten über 500, einer sogar bei Werten über 600 (siehe aktuelle Karte im täglichen Lagebericht). Dazu gibt es mit Weihnachtsshopping, Weihnachten und Silvester drei Gelegenheiten mit dem Potential zu möglichen Superspreaderereignissen. Eine Entspannung der Situation ist erst zu erwarten, wenn eine natürliche Durchseuchung erreicht ist, wenn ein wesentlicher Teil der Bevölkerung geimpft ist oder wenn der Winter vorbei ist. Egal was passiert, es dürfte noch einige Monate dauern und das vorzeitige Sterben in den Krankenhäusern und Pflegeheimen wird weiter gehen.

Es gibt bei Sars-CoV-2 drei relevante inzidenzabhängige Grenzwerte. Der erste liegt bei 35-50 und betrifft die Infektionskontrolle durch die Gesundheitsämter. Der zweite liegt bei etwa 250-300 und betrifft die Ausbreitung in den Risikogruppen und die Überforderung der Krankenhäuser. Der dritte Grenzwert ist die Gefahrenwahrnehmung in der Bevölkerung und hat Konsequenzen für das individuelle Risikoverhalten. Für diesen Grenzwert kann ich aktuell keinen Zahlenwert angeben.
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