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Politik

Digitalisierung im ÖGD schreitet nur langsam voran

Mittwoch, 23. Dezember 2020

/picture alliance, M.i.S.-Sportpressefoto

Berlin – Die mit 60 Millionen Euro geförderte Digitalisierung im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) schreitet offenbar in den vergangenen Wochen nur langsam voran. Bis Anfang Januar sollen alle 412 Gesundheits­ämter in Deutschland das System DEMIS verfügbar haben, mit denen Infektionskrankheiten gemeldet werden.

Das System SORMAS, mit dem das Kontaktmanagement von Infizierten Menschen vereinfacht werden kann, ist allerdings noch nicht überall verfügbar. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sprach Mitte Dezember von einem Viertel der Gesundheitsämter, die das System noch nicht hatten. Nach ande­ren Zahlen sind es zwölf Gesundheitsämter, die das System noch nicht verwenden.

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Mitte November hatte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium eine digitale Informationsveranstaltung für den ÖGD organisiert und dort für vom Bund geförderte Anwendungen geworben. Dennoch bleiben die Proble­me in den Gesundheitsämtern: Viele Ämter haben wegen technischer Mängel nach wie vor erheb­liche Probleme, die Kontakte von Coronainfizierten effektiv nachzuverfolgen.

Selbst wenn das genaue Infektionsumfeld bekannt sei, könne dieses bei einem Viertel der Gesundheits­ämter wegen Mängeln etwa bei der IT-Ausstattung gar nicht erfasst werden, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Kai Gehring.

Die anhaltende mangelnde Datenerfassung trägt demnach auch dazu bei, dass nach wie vor zu wenig über die Verbreitungswege des Virus bekannt ist. Zwar habe es in den vergangenen Monaten technische Nachbesserungen der Gesundheitsämter bei der IT-Infrastruktur gegeben – aber diese hinke nach wie vor hinterher, kritisierte Gehring.

„Die Bundesregierung muss einräumen, dass sie in den letzten Monaten eine Reihe zentraler Aufgaben bei der Pandemiebewältigung vernachlässigt hat“, sagte Gehring. „Auch nach fast einem Jahr Pandemie kann jedes vierte Gesundheitsamt aus technischen Gründen nicht registrieren, unter welchen Umstände eine Infektion stattfand“, sagte der Abgeordnete. Eine gute IT-Infrastruktur würde nicht nur die Mitarbeit­en­den in dieser schwierigen Lage entlasten, sondern hätte auch den Erfolg der Eindämmungsstrategien der Bundesländer gezeigt.

Gehring kritisierte zudem, dass es nach wie vor kein zentrales Wissensmanagement der Bundesregierung über das Virus gebe. „Es gibt keine Regierungsstelle, die bestehendes Wissen zu COVID-19 sammelt und auswertet – weder beim Kanzleramt noch beim Forschungsministerium“, sagte er. Er bekräftigte die For­derung seiner Partei nach Einrichtung eines Pandemierats.

Eigentlich verfolgen die Gesundheitsämter das Ziel, alle Kontaktpersonen von COVID-19-Infizierten zu dokumentieren und zu kontaktieren. Neben technischen Problemen führt derzeit auch die hohe Zahl der Fälle dazu, dass dies kaum möglich ist.

Nach Angaben der Bundesregierung ist eine effektive Kontaktnachverfolgung bei einem Inzidenzwert von unter 50 möglich – also weniger als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Derzeit liegt der Wert bundesweit bei fast 200 – regional liegen die einzelnen Werte noch deutlich darüber. © bee/afp/aerzteblatt.de

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