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Medizin

Immunsuppressive Therapie gegen Myasthenia gravis auch bei Coronainfektion fortsetzen

Dienstag, 22. Dezember 2020

/Yulia, stock.adobe.com

Stanford/Berlin – Patienten mit der neurologischen Erkrankung Myasthenia gravis sollten bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 eine effektive Immuntherapie keinesfalls abbrechen. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift Lancet Neurology erschienen ist (2020; DOI: 10.1016/S1474-4422(20)30413-0).

Bei der Myasthenia gravis blockieren Antikörper die Übertragung von Reizen an der Schnittstelle zwi­schen Nerv und Muskel, der sogenannten neuromuskulären Endplatte. Es kommt zur belastungsab­hängigen Muskelschwäche, die sich typischerweise im Laufe des Tages verstärkt.

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Eine wesentliche Therapiesäule ist die Immuntherapie, sie unterdrückt die Bildung der schädigenden Antikörper. Angesichts der SARS-CoV-2-Pandemie stellt sich die Frage, wie hoch das COVID-19-Risiko bei Myasthenia gravis-Patienten ist und welchen Einfluss die immunsuppressive Therapie auf den Ausgang der Infektion hat.

Eine internationale Arbeitsgruppe hat dazu Anfang April ein Register (CARE-MG Register) eingerichtet und die Krankheitsverläufe von SARS-CoV-2-positiven Myasthenia gravis-Patienten ausgewertet. Zwischenergebnisse von 91 Patienten liegen jetzt vor.

Sie zeigen, dass es bei 36 Patienten (40 %) mit COVID-19 zu einer Verschlechterung der Myasthenia gravis oder sogar zu einer sogenannten myasthenen Krise kam, die intensiviert behandelt werden musste.

„Es ist bekannt, dass verschiedene Infektionskrankheiten die Myasthenia gravis verstärken, ebenso wie verschiedene Medikamente, die bei schweren COVID-19-Verläufen zum Einsatz kommen, wie Hydroxy­chloroquin oder Azithromycin“, sagte Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie an der Westfälischen Universität Münster. Er hat am Register und der Auswertung mitgearbeitet.

Nach jetziger Datenlage ist es ihm zufolge nicht sinnvoll, die Immuntherapie bei den Patienten im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion abzusetzen. „Die Immunsuppression abzubrechen hieße, ein stabiles Schutzschild gegen die Autoimmunerkrankung aufzugeben und schwere Rückfälle in Kauf zu nehmen“, warnte er.

„Wir wissen, dass es bei der SARS-CoV-2-Infektion zu einer Aktivierung des Immunsystems kommt, mit oft massiven Entzündungsreaktionen. Das Immunsystem ist also überaktiviert und richtet sich gegen den eigenen Körper. Es gibt die Hypothese, dass eine Immunsuppression womöglich vor extrem schweren Verläufen schützen könnte, aber letztlich fehlen dazu valide Daten“, ergänzte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Peter Berlit.

In jedem Fall sollten Myasthenia gravis-Patienten die immunsuppressive Therapie nicht aus Angst vor schweren COVID-19-Verläufen abbrechen, sondern stattdessen alles daran setzen, sich vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2- zu schützen, so seine Empfehlung. © hil/aerzteblatt.de

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