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Medizin

COVID-19: Bisher keine Hinweise auf Guillain-Barré-Syn­drom

Dienstag, 15. Dezember 2020

/bluebay2014, stock.adobe.com

London – Das Coronavirus SARS-CoV-2 gehört offenbar nicht zu den Erregern, die ein Guillain-Barré-Syndrom auslösen. Zu diesem Schluss kommen britische Neurologen in Brain (2020; DOI: 10.1093/brain/awaa433). Sie rechnen auch nicht mit einem Anstieg der neurologischen Komplikationen durch die an­stehenden Impfungen.

Das Guillain-Barré-Syndrom gehört zu den seltenen aber gefürchteten Komplikationen von Infektionen und Impfungen. Die Betroffenen erkranken an einer Polyradikuloneuropathie, die mit Lähmungen ein­her­geht, die oft an den Beinen beginnen und sich langsam über den gesamten Körper ausbreiten könn­en.

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Die Erkrankung ist zwar in der Regel selbstlimitierend und die meisten Patienten erholen sich vollstän­dig. Die vorübergehenden Lähmungen der Atem- und Schluckmuskulatur können jedoch eine intensiv­medizinische Therapie erforderlich machen. Todesfälle sind möglich.

Die Lähmungen werden durch einen Angriff des Immunsystems auf die Myelinscheiden der peripheren Nervenfasern ausgelöst. Ein häufiger Trigger sind Infektionen mit Campylobacter jejuni, Haemophilus influenzae, Mycoplasma pneumoniae, Influenzaviren, Epstein-Barr-Virus, Zytomegalievirus und jüngst auch mit dem Zikavirus.

Immunologen vermuten eine molekulare Mimikry, bei der die Immunantwort auf Krankheitserreger ver­sehentlich auch auf körpereigene Antigene zielt. Da Impfstoffe die Antigene von Krankheitserregern ent­halten, kommen sie ebenfalls als Auslöser infrage.

Ein Anstieg von Guillain-Barré-Syndromen war 1976 in den USA für den Abbruch einer Impfkampagne gegen die Schweinegrippe (H1N1) verant­wortlich. Damals kam es nach einem lokalen Ausbruch auf einem Militärstützpunkt nicht zu einer Epidemie, so dass den Komplikationen der Impfung kein Nutzen gegenüberstand. Auch bei der Schweinegrippe H1N1 2009 war zunächst ein Anstieg der Guillain-Barré-Syndrome befürchtet worden, der dann jedoch ausblieb.

Die derzeitige Pandemie hat die Aufmerksamkeit erneut auf die Komplikation gerichtet. Die Impfkam­pagnen haben zwar gerade erst begonnen. Britische Neurologen sind jedoch optimistisch, dass es zu keinem Anstieg der Guillain-Barré-Syndrome kommen wird.

Da die Impfstoffe Antigene des Erregers enthalten, ist im Prinzip nur mit einem Anstieg zu rechnen, wenn auch die Erkrankung selbst zu dieser Komplikation führt. Dies scheint nach den jetzt von Stephen Keddie vom University College London und Mitarbeitern vorgestellten Studie unwahrscheinlich zu sein.

Laut Keddie lag die Inzidenz der schweren Guillain-Barré-Syndrome, die eine Krankenhausbehandlung erforderlich machten, in Großbritannien zwischen 2016 und 2019 bei 1,65 bis 1,88 pro 100.000 Perso­nen.

Während der ersten Welle von COVID-19 gingen die Zahlen im Vergleich zu den Monaten der Vorjahre um 40 % bis 50 % zurück. Dies könnte teilweise darauf zurückzuführen sein, dass die Betroffenen die Kliniken gemieden haben, ein starker Anstieg der Fälle als Folge von COVID-19 kann laut Keddie jedoch ausgeschlossen werden.

Separat haben die Forscher untersucht, ob einzelne Bestandteile von SARS-CoV-2 eine Struktur aufwei­sen, die eine Immunantwort auslösen könnte. Im Gegensatz zu Campylobacter, dessen Proteine Ähnlich­keiten mit Antigenen auf menschlichen Zellen haben, wurde für SARS-CoV-2 keine derartige Verbindung gefunden. Dass die (meisten) Impfstoffe nicht aus inaktivierten Viren bestehen, die eine Mischung vieler Antigene sind, sondern nur einzelne Proteine (oder Teile davon) exprimieren, könnte die Sicherheits­mar­ge erhöhen.

Dennoch rechnet Keddie damit, dass es nach den Beginn der Impfkampagne zu Berichten über Guillain-Barré-Syndrome kommen wird. Dies sei zu erwarten, weil in Großbritannien jedes Jahr etwa 1.500 Men­schen an einem Guillain-Barré-Syn­drom erkranken. Darunter werden in den kommenden Monaten auch einige sein, die zuvor eine Impfung gegen SARS-CoV-2 erhalten haben.

Dass dies ein Zufall war, lässt sich im Einzelfall nicht beweisen. Ein Zusammenhang kann erst in späte­ren epidemiologischen Studien nachgewiesen oder widerlegt werden. © rme/aerzteblatt.de

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