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Medizin

Migräne: Yoga und Meditationen verbessern Lebensqualität ohne Verminderung der Schmerztage

Dienstag, 5. Januar 2021

/lantapix, stock.adobe.com

Winston Salem/North Carolina – Eine achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, die Elemente von Yoga und Meditation kombiniert, hat in einer randomisierten Studie die Zahl der Schmerztage von Migräne­patienten nicht stärker gesenkt als eine Kopfschmerzschulung.

Die Patienten berichteten allerdings am Ende über eine bessere Lebensqualität und reagierten laut dem Bericht in JAMA Internal Medicine (2020; DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.7090) in einem Test weniger empfindlich auf Schmerzreize.

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Ursache und Pathogenese der Migräne sind zwar weiterhin umstritten. Viele Patienten berichten jedoch über bestimmte Auslöser für ihre Kopfschmerzattacken. Zu den häufigen Triggern gehören Stressereig­nisse. Ein Team um Rebecca Erwin Wells von der Wake Forest School of Medicine in Winston Salem/ North Carolina hat deshalb in einer randomisierten Studie untersucht, ob Yoga und Meditationen diese Trigger vermeiden und dadurch die Zahl der Kopfschmerzattacken senken können.

In den USA gehört die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion zu den beliebten Techniken, die relativ leicht erlernt werden können und sich deshalb für klinische Studien eignen, die in einem überschau­baren Zeitraum zu einem Ergebnis kommen wollen.

Das Team organisierte eine klinische Studie, an der 89 Patienten im Alter von durchschnittlich 43,9 Jahren teilnahmen, die zuletzt an 7,3 Tagen des Monats unter starken Kopfschmerzen gelitten hatten. Die Patienten wurden auf 2 Gruppen randomisiert. Die 1. Gruppe nahm an einem Kurs zur achtsamkeits­basierten Stressreduktion teil.

Die Technik wurde an 8 wöchentlichen Sitzungen von jeweils 2 Stunden Dauer unterrichtet. Die Teilneh­mer wurden gebeten, die Übungen täglich zuhause zu wiederholen. Die 2. Gruppe nahm während der gleichen Zeit an einer Kopfschmerzschulung teil.

Primärer Endpunkt der Studie war die Zahl der Kopfschmerztage über den Verlauf von 12 Wochen. Wider Erwarten haben sich beide Interventionen als wirksam erwiesen. Die achtsamkeitsbasierte Stressreduk­tion senkte die Kopfschmerzfrequenz um 1,6 Migränetage im Monat. In der Schulungsgruppe kam es zu einem Rückgang der Kopfschmerzfrequenz um 2,0 Tage pro Monat. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war minimal.

Beide Interventionen hatten die Zahl der Schmerztage gegenüber der Zeit vor Studienbeginn signifikant gesenkt. Auch die Schulung der Patienten kann demnach eine günstige Wirkung haben (die möglicher­weise darauf beruht, dass die Patienten lernen, die Trigger zu vermeiden).

Ein Vorteil von Yoga und Meditationen könnte in den günstigen Auswirkungen auf Schmerzempfinden und Lebensqualität bestehen. Die Patienten fühlten sich nach der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion weniger durch ihre Krankheit im Alltag beeinträchtigt (Differenz von 5,9 Punkten im „Migraine Disability Assessment“-Test), sie gaben eine insgesamt bessere Lebensqualität an (Differenz 5,1 Punkte im „Migraine Specific Quality of Life“-Fragebogen), sie empfanden die Schmerzen als weniger katastrophal (Differenz 5,8 Punkte in der „Pain Catastrophizing Scale“) und sie litten seltener unter Depressionen (Differenz 1,6 Punkte im „Patient Health Questionnaire 9 Depression“).

Wells stuft die Effektgrößen als „mäßig bis groß“ ein. Der Behandlungserfolg hatte zudem über das Ende des Kurses (aber unter Fortsetzung der Übungen durch die Patienten) hinaus Bestand.

Die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion hatte zudem eine Auswirkung auf die Schmerzempfindung, die mittels quantitativer sensorischer Testung ermittelt wurde. Dabei wird mit einer Temperatursonde die Schwelle bestimmt, ab der ein Wärmereiz als unangenehm oder schmerzhaft empfunden wird.

Hier kam es im Verlauf der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion zu einem Rückgang der Schmerz­intensität um 36,3 % und der Unannehmlichkeit um 30,4 % gegenüber einem Rückgang nach der Schulung um 13,5 und 11,2 %. Die Unterschiede waren in beiden Parametern signifikant. © rme/aerzteblatt.de

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