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Medizin

COVID-19: Armut erhöht Infektions- und Sterberisiko

Mittwoch, 16. Dezember 2020

/picture alliance, KEYSTONE, Gaetan Bally

Edinburgh – Menschen aus ärmeren Wohnorten haben sich während der ersten Erkrankungswelle in Schottland häufiger mit SARS-CoV-2 infiziert und das Sterberisiko auf Intensivstation war laut einer Studie in Lancet Regional Health – Europe (2020; DOI: 10.1016/j.lanepe.2020.100005) doppelt so hoch wie in den reicheren Gegenden, was nicht nur auf einen Mangel an Intensivbetten zurückzuführen war.

Armutsforschung hat in Großbritannien Tradition. Die Statistikbehörden veröffentlichen regelmäßig ei­nen Index, der das Ausmaß der Deprivation durch die Parameter Einkommen, Beschäftigung, Gesundheit, Bildung, Qualifikation und Ausbildung, Haushaltsgröße, Infrastruktur und Kriminalität misst. Nazir Lone von der Universität Edinburgh hat den „Scottish Index of Multiple Deprivation“ jetzt mit der Häufigkeit vom intensivmedizinischen Behandlungen und der Mortalität in Beziehung gesetzt.

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Bis zum 20. Juni wurden in ganz Schottland 735 Patienten mit COVID-19 auf Intensivstationen behan­delt. Davon stammten 24,9 % aus den Quintil mit dem höchsten Deprivations-Index, verglichen mit 13,6 % aus dem Quintil aus den am wenigsten benachteiligten Gegenden.

Ein Grund für das erhöhte Erkrankungsrisiko dürften die häufigeren kardiovaskulären Risikofaktoren der Bewohner ärmerer Gegenden sein. Die Intensivpatienten aus den ärmeren Regionen litten häufiger unter Diabetes (15,3 versus 9,0 %) und unter Atemwegserkrankungen (13,1 % versus 4,0 %). Ingesamt 15,3 % (versus 7,0 %) wiesen 2 oder mehr Begleiterkrankungen auf, die bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 das Erkrankungsrisiko erhöhen.

Ein weiterer Grund für das höhere Erkrankungsrisiko könnten die beengten Lebensverhältnisse sein, die es erschweren, die notwendige Distanz zu potenziell erkrankten Menschen zu wahren. Menschen aus ärmeren Gegenden nutzen häufiger öffentliche Verkehrsmittel und können sich seltener ins Home-Office zurück­ziehen, weil sie öfter manuellen Arbeiten nachgehen. Lone konnte den Beitrag dieser Faktoren zum Erkrankungsrisiko allerdings nicht untersuchen.

Sie kann allerdings zeigen, dass die Behandlungsergebnisse bei Patienten aus benachteiligten Gegenden schlechter waren. Die 30-Tages-Sterblichkeit der Patienten aus dem unteren Quintil betrug 42,6 % ge­genüber 34,0 % im oberen Quintil. Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft ermittelt Lone eine Odds Ratio von 1,97, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,13 bis 3,41 statis­tisch signifikant war.

Ein Teil der Übersterblichkeit war auf den schlechteren Gesundheitszustand der Bevölkerung in ärmeren Gegenden zurückzuführen. Aber auch nach Einbeziehen von Komorbiditäten, früheren Intensivbehand­lun­gen und dem „Simplified Acute Physiology Score“, einem Maß für den Gesundheitszustand, blieb die Odds Ratio von 1,78 (1,01 bis 3,15) signifikant. Dies lässt vermuten, dass die Krankenversorgung in den ärmeren Gegenden schlechter ist. Tatsächlich waren die Intensivstationen dort häufiger an ihre Grenzen gestoßen (34 Tage versus 13 Tage in den reicheren Gegenden). © rme/aerzteblatt.de

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