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Politik

Warnungen vor Triage und Überlastung des Gesundheitssystems

Mittwoch, 16. Dezember 2020

/Tyler Olson, stock.adobe.com

Berlin/Saarbrücken – Der Gesundheitsausschuss des Bundestags hat sich in einem Expertengespräch mit der Triage befasst. Dabei geht es bei mangelnden Ressourcen in der medizinischen Versorgung um die Entscheidung, welche Patienten mit Vorrang behandelt werden sollen. Die Fachleute warnten in dem nicht-öffentlichen Video-Fachgespräch vor einer Überlastung des Gesundheitssystems, wie die Presse­stelle des Bundestags mitteilte.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, sagte, eine Zuspitzung der Lage könnte zu prob­lematischen Triage-Entscheidungen führen. Insbesondere die Ex-post-Triage, bei der eine laufende Be­handlung zugunsten eines neuen Patienten mit besserer Prognose abgebrochen wird, sei ethisch eine ungeheuerliche Tragik.

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Wiebke Pühler von der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) wies darauf hin, dass die Prioritätensetzung während der Behandlung von Patienten immer Bestandteil ärztlicher Entscheidungen sei. Ärzte müssten Prioritä­ten setzen und könnten das auch. Sie mahnte, in der Pandemie sollten wegen einer möglichen Unterver­sorgung nicht nur die Intensivmedizin und COVID-19-Patienten in den Blick genommen werden, sondern alle medizinischen Bereiche, auch die ambulanten.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, sagte, wenn die Infektionszahlen sich weiter so entwickeln würden wie zuletzt, könnten die In­tensivstationen in wenigen Wochen überlastet sein. Der Versorgungsmangel betreffe vor allem das Fach­pflegepersonal. Ohne Personal könnten Intensivpatienten nicht betreut werden. Mit Blick auf Triage-Ent­scheidungen fügte er hinzu, die Rechtsunsicherheit für Ärzte sei unerträglich. Als zentrales Kriterium nannte er die klinische Erfolgsaussicht.

Auch der Jurist Stephan Rixen sprach von vielen ungeklärten Fragen bezüglich der Triage und Rechts­unsicherheiten für Mediziner. So müsse die Diskriminierung bestimmter Patientengruppen unbedingt ausgeschlossen werden.

Dass die Triage in Deutschland vor der Tür so mancher Klinik steht, zeigt ein Bericht aus Sachsen. Ein Reporter des Deutschlandfunks hatte getwittert, dass der Ärztliche Direktor Mathias Mengel in einem Bürgerforum gesagt habe, im Klinikum Zittau haben schon mehrfach triagiert werden müssen, weil nicht genug Beatmungsbetten zur Verfügung stünden. Die Klinik will die Aussage nun prüfen.

Saarland warnt

Zum ersten Mal in der Coronapandemie steht das Gesundheitssystem laut Saarlands Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) „ernsthaft kurz vor der Überlastung“. Krankenhäuser hätten „die Grenzen ihrer Belast­barkeit“ erreicht, beim Pflegepersonal gebe es bereits „erhebliche Engpässe“, sagte er heute in einer Re­gierungserklärung im Landtag in Saarbrücken.

„Wenn wir verhindern wollen, dass zu viele Menschen sterben, wenn wir verhindern wollen, dass unsere Ärztinnen und Ärzte, unsere Pflegekräfte vor der Entscheidung stehen, wen sie noch behandeln können, dann müssen wir jetzt handeln“, so Hans.

Der seit heute geltende coronabedingte Shutdown sei daher unumgänglich gewesen. „Wir müssen jetzt auf die Bremse treten“, unterstrich der Ministerpräsident. Ziel sei eine Sieben-Tagen-Inzidenz von 50 und
weniger: „Erst dann haben wir die Pandemie unter Kontrolle.“

Und erst dann könnten Einschränkungen wieder gelockert werden. Derzeit liegt die Zahl der Neuinfek­tio­nen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen im Saarland bei mehr als 190. „Zwei Landkreise haben sogar mehr als 200.“

Der Regierungschef wehrte sich gegen Kritik, die Politiker hätten den harten Lockdown sehr viel früher beschließen sollen. „Diesen Stimmen entgegne ich: So einfach ist es nun einmal zum Glück nicht in einem Rechtsstaat.“

„Im Unterschied zu autoritären Staaten dürfen und wollen wir nicht präventiv Grundrechte einschrän­ken.“ Auch Vorhaltungen, die Regierungschefs hätten sich nicht hinreichend auf eine zweite Welle vor­bereitet, seien nicht gerechtfertigt.

„Ich kann nur sagen – und da schließe ich meine Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundes­ländern ausdrücklich ein: Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben auf Hochtouren gearbeitet. Wir haben wirklich alles gegeben im Saarland, um uns auf diese Welle vorzubereiten“, vesicherte Hans.

Es sei auch nicht richtig zu behaupten, „wir hätten keine längerfristige Strategie und würden immer nur auf Sicht fahren“. Niemand könne jetzt schon vorhersagen, wie sich die Pandemie in den nächsten Monaten entwickele. „Von daher können wir auch nicht jetzt Maßnahmen ergreifen, die – was auch kommen mag – über Monate in Stein gemeißelt sind.“ © dpa/kna/aerzteblatt.de

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Mabued
am Mittwoch, 16. Dezember 2020, 23:06

mein-wille

Kaum einer der 900.000 Menschen in Pflegeheimen wollte am Lebensende in eine solche Einrichtung. Viele dieser Menschen haben in Zeiten, als es ihnen noch gut ging, keine verbindliche Patientenverfügung verfasst und mit ihren Bevollmächtigten kaum über ihre Wünsche am Lebensende gesprochen. Sehr viele der Heimbewohner haben einen gesetzlichen Betreuer zugeteilt bekommen, der ohne die Patienten zu kennen oft sagt: immer weiter therapieren. Bisher wurde bei Klinikeinweisungen nicht nach einem Therapieziel gefragt, sondern einfach nur weiter - bis nichts mehr ging – diagnostiziert und therapiert. Endlich sind wir mal bereit auch nachzufragen, ob eine Einweisung mit Qualen durch invasive Diagnostik und Therapie von den Patienten überhaupt gewünscht ist. Endlich hört man auch mal auf einen engagierten Bevollmächtigten der die Einweisung ablehnt und COVID-19-positive Altenheimbewohner, die nicht mehr trinken können und wollen, auch zum Sterben im Heim belässt und nicht mit Subcutaninfusionen weiter am Leben hält. Es ist eine Gnade, dass immer mehr Bevollmächtigte jetzt zu diesem Schritt gezwungenermaßen in dieser besonderen Zeit in der Lage sind. Wann gibt es endlich eine Vorabverfügung / Vorausverfügung für Heimbewohner. Und die positiv getesteten Patienten sterben an Exsikkose und haben oft weder Husten, Gelenkschmerzen, Geruchsstörungen… . Zum Glück wird nicht mehr kritiklos in Pflegeheimen bei Herzstillstand eines 95-jährigen mit der Reanimation begonnen. Leider ist in manchen Pflegeheimen fast das gesamte Personal in Quarantäne und die alten Menschen werden von wildfremden Schwestern und Pflegern versorgt … auch die erforderlichen Schutzmaßnahmen und Isolierung haben zu einem Abstumpfen der Heimbewohner geführt und man wünscht sich als alter Mensch nur noch den Tod – in einer Einrichtung, in die man am Lebensende nie gehen wollte.
Wir brauchen endlich gut ausgebildetes Pflegepersonal aus der Region der Patienten – die auch in die Einrichtungen kommen, wenn sie wie Industriearbeiter bezahlt werden – auch für nicht planbare Wechsel und Nachtschichten - z.B. aus dem Bereich der Reisebranche – Stewardessen – Hotelpersonal – sie werden sofort kommen, wenn die Bezahlung stimmt. Auch minijobbende Studenten sind da besser als Pflegekräfte die kaum die deutsche Sprache beherrschen und in einem völlig anderen Kulturkreis aufgewachsen sind.
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