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Medizin

COVID-19: Erkrankung verlief bei eineiigen Zwillingen sehr unterschiedlich

Donnerstag, 17. Dezember 2020

/snaptitude, stock.adobe.com

Parma – 2 eineiige Zwillinge infizierten sich bei derselben Person mit SARS-CoV-2. Einer kann schon bald aus der Klinik entlassen werden, der andere ringt zwischenzeitlich mit dem Leben. Notfallmediziner beschreiben den unterschiedlichen Verlauf in den Annals of Internal Medicine (2020; DOI: 10.7326/L20-1207).

Es gibt viele Gründe, warum Infektionen mit SARS-CoV-2 bei einem Menschen milde verlaufen, den anderen dagegen in eine lebensgefährliche Krise stürzen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören das Alter, Adipositas, ein erhöhter Blutdruck, aber auch genetische Prädispositionen und Umweltfaktoren werden häufig angeführt.

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Bei den beiden Patienten, die Davide Lazzeroni von der Fondazione Don Carlo Gnocchi in Parma vorstellt, können diese Gründe ausgeschlossen werden. Die beiden Brüder waren – nach ihrem Aussehen zu urteilen – eineiige Zwillinge, beide wohnten zusammen in einem Haus, arbeiteten zusammen in einer Autowerkstatt, beide waren etwas übergewichtig (BMI 26) und hatten einen leicht erhöhten Blutdruck. Beide haben sich vielleicht sogar bei der gleichen Person, einem Kunden der Werkstatt, angesteckt.

Beide erkrankten gleichzeitig. Zunächst hatten beide Fieber und eine verstopfte Nase. Es folgten Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Atemnot und ein trockener Husten. Zehn Tage nach Beginn der Erkrankung wurden beide mit einer leichten Pneumonie ins Krankenhaus eingeliefert.

Beide wurden vom selben Ärzteteam betreut. Beide erhielten dieselbe Behandlung mit Sauerstoff, Paracetamol, Hydroxychloroquin, Darunavir/Cobicistat sowie zur Thromboseprophylaxe Enoxaparin. Trotz der ähnlichen Symptome zu Beginn nahm die Erkrankung einen unterschiedlichen klinischen Verlauf.

Ein Zwilling konnte nach einem unkomplizierten Verlauf, bei dem das Fieber schnell zurückging und C-reaktives Protein und die Lungenfunktion (Pao2/FIo2-Quotient) sich kontinuierlich verbesserten, nach Hause entlassen werden. Bei dem anderen Zwilling stieg das C-reaktive Protein kontinuierlich an, das Fieber kehrte nach einer kurzen Erholung zurück und der Pao2/FIo2-Quotient verschlechterte sich so weit, dass der Patient schließlich auf eine Intensivstation verlegt wurde.

Der Grund war vermutlich eine sekundäre bakterielle Infektion mit einem anaeroben Keim, die zu einem septischen Schock führte. Der Patient musste mit Vasopressoren, Antibiotika und Steroiden behandelt und 4 Tage invasiv beatmet werden, bevor er sich langsam erholte. Nach 17 Tagen konnte er schließlich nach Hause entlassen werden.

Einen Grund für den unterschiedlichen Verlauf konnte Lazzeroni nicht ermitteln. Genetische Faktoren scheiden ebenso aus wie Umweltfaktoren. Außer dass der schwer erkrankte Zwilling nicht verheiratet war, waren die Patienteneigenschaften identisch. Der Zwilling, der sich schneller erholte, hatte – nach der Zahl der PCR-Zyklen beim Gennachweis im Abstrich zu urteilen – sogar die größere Virusdosis erhalten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #651910
thyriris
am Donnerstag, 17. Dezember 2020, 18:40

Vielleicht...

... Ist es gar nicht so sehr das Virus, das gefährlich ist, sondern die Superinfektionen. Das wäre jetzt mal eine sehr spannende Fragestellung, der man auf den Grund gehen könnte

Eine andere Frage ist die der hormonellen "Ausstattung". Wie ein Kollege in den Leserbriefen vor einiger Zeit berichtete, sind Männer mit Prostata Ca und Hormonbehandlung weniger gefährdet als Männer gleichen Alters ohne. Da Frauen seltener schwer erkranken, ebenso wie Kinder vor der Pubertät, wäre auch dies eine zu erforschende Frage.
Einzelfall-Wissen: junge schwer erkrankte Frau, die gleichzeitig Asthma und eine Hashimoto Erkr. Hatte... Hier also auch eine hormonelle und autoimmune Komponente.....
Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse wir in einigen Jahren haben werden.
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