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Medizin

Cave: Metamizol kann die Leber schädigen

Dienstag, 22. Dezember 2020

/malachy120, stock.adobe.com

Bonn – Das Analgetikum Metamizol, dessen Verordnungen in Deutschland zuletzt stark angestiegen sind, kann Leberschäden verursachen. Nachdem ein Zentrum kürzlich über vermehrte Fälle berichtet hat, müssen die Hersteller jetzt in einem Rote-Hand-Brief vor dem Risiko warnen.

Metamizol wird seit fast 100 Jahren als Analgetikum eingesetzt. Das Präparat Novalgin gehörte lange Zeit zu den häufigsten Schmerzmitteln. Dies änderte sich, als bekannt wurde, dass Metamizol eine Agranu­lozytose auslösen kann. In Skandinavien, Großbritannien und Nordamerika wurde Metamizol vom Markt genommen.

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In Deutschland wurden nur Kombinationspräparate mit anderen Mitteln verboten. Als Monopräparat ist Metamizol weiterhin erhältlich, wenn auch seit 1987 nur noch mit Rezept. Im Nachbarland Polen ist Metamizol weiter rezeptfrei im Handel.

Metamizol wird bei akuten starken Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, bei Koliken, Tumor- oder sonstigen starken Schmerzen eingesetzt sowie bei hohem Fieber, wenn andere Mittel keine ausrei­chende Wirkung zeigen.

Die Gefahr einer Agranulozytose scheint allerdings langsam aus dem kollektiven Bewusstsein verschwun­den zu sein. Die Verordnungszahlen in Deutschland sind seit dem Jahr 2000 von 32 Millionen auf 225 Millionen definierte Tagesdosen in 2018 angestiegen. Die Folge waren nicht nur erneute Meldungen von Agranulozytosen, die tödlich enden können.

Hinzugekommen sind Berichte über arzneimittelbedingte Leberschäden („drug-induced liver injury“, DILI). Ein Team um Dr. Marcial Sebode vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) berichtete kürzlich im British Journal of Clinical Pharmacology (2020; DOI: 10.1111/bcp.14254), dass am dortigen Zentrum Metamizol nach Phenprocoumon die zweithäufigste DILI-Ursache ist.

In 17 der 23 Fälle wurde eine Leberbiopsie durchgeführt. Bei den meisten Patienten wurde eine mittel­schwe­re bis schwere Leberentzündung festgestellt, bei einigen lag bereits eine schwere zentrilobuläre Nekrose vor. Bei 2 Patienten kam es zum akuten Leberversagen, die eine Lebertransplantation erforderlich machte. Eine Kausalität wurde bei 4 Patienten durch eine erneute Exposition gestützt.

Eine Datenbanksuche nach Metamizol-induzierten Leberschäden in der Datenbank der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ergab etwa 300 Berichte über eine vermutete metamizolinduzierte DILI in Europa.

Der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC) der EMA warnt nach einer Überprüfung jetzt vor dem Risiko von Leberschäden. Dies hat in Deutschland einen Rote-Hand-Brief der derzeit zehn Anbieter ausgelöst. Danach treten die Leberschäden wenige Tage bis Monate nach Behandlungsbeginn auf.

Zu den Anzeichen und Symptomen gehört ein Anstieg der Leberenzyme, der mit oder ohne einen Ikterus einhergeht. Häufig bestanden andere Zeichen einer Arzneimittelüberempfindlichkeit wie Hautausschlag, Blutbildveränderungen, Fieber und Eosinophilie oder die Patienten wiesen Merkmale einer Autoimmun­hepatitis auf.

Der Pathomechanismus des metamizolbedingten Leberschadens ist nach Einschätzung des PRAC nicht eindeutig geklärt. Aus den verfügbaren Daten ergäben sich jedoch Hinweise auf einen immunallergischen Mechanismus, heißt es in dem Rote-Hand-Brief. Die genaue Häufigkeit der Störung sei nicht bekannt. Angesichts der fast 100-jährigen Anwendung von Metamizol wird ein sehr seltenes Auftreten vermutet.

Der Rote-Hand-Brief warnt davor, dass arzneimittelbedingte Leberschäden potenziell schwerwiegende Folgen haben können einschließlich eines akuten Leberversagens mit der Notwendigkeit zur Lebertransplantation.

Es sei deshalb sehr wichtig, dass ein möglicher Leberschaden frühzeitig erkannt wird. Patienten sollten daher auf Symptome eines möglichen Leberschadens achten, und bei einem Verdacht die Einnahme von Metamizol stoppen und einen Arzt aufsuchen.

Dem medizinischen Fachpersonal wird empfohlen, die Leberfunktion bei Patienten mit Anzeichen und Symptomen, die auf eine Leberschädigung hinweisen, zu überwachen. Metamizol sollte nicht erneut angewendet werden, wenn zuvor unter der Behandlung mit Metamizol ein Leberschaden aufgetreten ist, für den keine andere Ursache gefunden werden konnte. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 24. Dezember 2020, 01:05

Ganz einfach...

Ich verwende da gern niedrig dosiertes Bupernorphin (zB Temgesic) als Sublingualtablette. Es gib keine Resorptionsprobleme im Zusammenhang mit dem Essen, die Verträglichkeit ist auch auf lange Sicht gut. Die opioidbedingte Obstipation ist bei Buprenorphin gering, die Sedierung ebenfalls, die analgetische Potenz ist sehr hoch.
Die trandsdermalen Systeme finde ich eher ungünstig wegen der schwankenden Wirkstoffabgabe und der schlechten Steuerbarkeit.
Buprenorphin führt auch bei Überdosierung nicht zur Atemdepression, meine Substitutionspatienten nehmen 20-fache Dosierungen ohne Probleme über Jahrzehnte - trotz chronischer Hepatitis C ohne nachteilige Folgen. Auch nach Langzeiteinnahme entsteht ein allenfalls leichts Entzugssyndrom beim Absetzen.
Keine Angst vor dem BtM-Rezept, wenn es um effektive und unschädliche Analgesie geht!
Einfach ohne Angst zum BtM-Rezept greifen
Avatar #830245
Hortensie
am Mittwoch, 23. Dezember 2020, 12:51

Frage: Gibt es Schmerzmittel, die weniger leberschädlich sind?

Ich hatte Novalgin immer als ein weniger schädliches Schmerzmittel als z. B. Paracetamol oder Ibuprofen gesehen.
Habe ich mich da geirrt?
Gibt es ein Schmerzmittel, das bei Lebererkrankungen und chronischer Gastritis überhaupt bei älteren oder sehr alten Menschen genommen werden darf?
Tipps werden gern angenommen ...
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