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Medizin

Forscher sehen Pandemieentwicklung durch Abwasserproben vorher

Donnerstag, 17. Dezember 2020

/littlewolf1989, stock.adobe.com

Bad Reichenhall – Durch Analysen des Abwassers können Wissenschaftler die Entwicklung von Corona­infektionen einige Tage im Voraus bestimmen. Dies ist die bisherige Erkenntnis eines Pilotprojektes im von der Pandemie besonders stark betroffenen Landkreis Berchtesgadener Land.

„Wir liegen mit unseren Ergebnissen vier bis fünf Tage vor den offiziellen Zahlen“, sagte Jörg Drewes von der Technischen Universität (TUM) in München. Für Großstädte sei das in dem Landkreis angewandte System allerdings nicht direkt anwendbar.

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Seit etwa drei Wochen nehmen die TU-Forscher unterstützt vom Sanitätsdienst der Bundeswehr Proben in den Klärwerken der Kommunen in dem oberbayerischen Kreis, der bei der Coronawelle in diesem Herbst früh zu einem bundesweiten Hotspot wurde. Grundsätzlich sei es so möglich, ein Frühwarnsystem aufzu­bauen, erklärte Drewes. „Wir können sehen, wenn drei oder vier Leute infiziert sind.“

Hintergrund des Projektes ist es, dass sich zahlreiche Infizierte nicht testen lassen, weil sie keine Symp­tome haben. Daher sind diese Betroffenen den Gesundheitsämtern oft unbekannt und tauchen dann auch in keinen offiziellen Statistiken auf. Da sich das Coronavirus in den Fäkalien nachweisen lässt, arbeiten Forscher seit mehreren Monaten daran, ein Analysesystem für Abwasser zu entwickeln. So soll die Pandemieentwicklung frühzeitig berechnet werden.

Im Berchtesgadener Land wird nun das Abwasser von 90 Prozent der Bevölkerung in den Kläranlagen untersucht. Damit würden erstmals in Deutschland flächendeckend Abwasserproben analysiert, teilte das Landratsamt in Bad Reichenhall mit. An zehn Entnahmestellen werden zwei Mal wöchentlich Proben genommen.

„Ich sehe da ein großes Potenzial“, meinte Drewes zu den Möglichkeiten. Durch die regelmäßige Überwachung könne gesehen werden, ob die Zahl der Infizierten in den Gemeinden nach oben oder nach unten geht. Noch genauer könnten die Vorhersageergebnisse werden, wenn noch häufiger Proben genom­men würden, erklärte er. Solch eine Routineuntersuchung könnte auch von kommerziellen Laboren vorge­nommen werden, um ein Meldesystem aufzubauen.

Für Großstädte ist das in dem Landkreis angewandte System allerdings nicht direkt anwendbar, erklärte Drewes. In Städten wie München oder Berlin sei das Abwasser zu lange im Kanal unterwegs, ehe es in den Klärwerken ankomme. Dadurch seien keine zuverlässigen Aussagen über das lokale Infektionsgeschehen in den Metropolen möglich. Deswegen müssten dort dann bereits in der Kanalisation Proben entnommen werden.

Virusnachweise im Abwasser gab es schon vor Monaten. Auf Basis entsprechender Analysen vermuteten Forscher etwa, dass der Erreger in Italien früher zirkulierte als angenommen.

Wissenschaftler aus Aachen und Frankfurt am Main hatten im Sommer dann eine Methode zur Überwa­chung von Coronainfektionen über das Abwasser entwickelt. Die gemessene „Virenfracht“ einer Kläranlage erlaube Rückschlüsse auf die Anzahl der mit COVID-19 infizierten Menschen im Einzugsgebiet, teilte damals die Aachener RWTH (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule) mit. © dpa/aerzteblatt.de

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