szmtag G-BA ermöglicht systematische Behandlung von Parodontitis
NewsPolitikG-BA ermöglicht systematische Behandlung von Parodontitis
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

G-BA ermöglicht systematische Behandlung von Parodontitis

Donnerstag, 17. Dezember 2020

/dpa

Berlin – Parodontalerkrankungen sollen künftig besser diagnostiziert und behandelt werden. Um auch bei schwierigen Erkrankungsverläufen optimale Therapieerfolge zu erreichen, hat der Gemeinsame Bun­desausschuss (G-BA) heute die Befundung nach Stadium und Grad und die sich daraus ergebenden Be­handlungsempfehlungen in einer neuen Richtlinie geregelt.

Bislang sei das Leistungsangebot in erster Linie auf die Behandlung einer akuten Parodontitis ausgerich­tet gewesen, heißt es in einer Mitteilung des G-BA. Ziel der Neuregelung sei es, „die Zähne langfristig in einem gesunden, funktionellen und schmerzfreien Zustand zu halten“.

Anzeige

Der G-BA führt mit seinem heutigen Beschluss eine systematische Diagnostik und Behandlung in die zahnärztliche Versorgung ein. „Die neuen Leistungen können voraussichtlich ab dem dritten Quartal 2021 erbracht beziehungsweise in Anspruch genommen werden,“ teilte Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses zahnärztliche Behandlung mit. Bis dahin können die bisherigen Leistungen zur Parodontitisbehandlung unverändert in Anspruch genommen werden.

In der neuen Richtlinie des G-BA ist festgelegt ist, dass Zahnärzte vor der Therapieplanung Stadium und Grad der Erkrankung erheben und Risikofaktoren wie Diabetes mellitus oder Rauchen abklären müssen. Im anschließenden Aufklärungs- und Therapiegespräch werden auf Basis der Befunde die weiteren mög­lichen Schritte besprochen. In diesem Gespräch soll auch die Notwendigkeit vermittelt werden, dass die Patienten den Behandlungsprozess aktiv unterstützen.

In Abhängigkeit von Stadium und Grad der Erkrankung sieht die Richtlinie verschiedene Ansätze vor: eine antiinfektiöse Therapie, eine Antibiotikatherapie oder chirurgische Eingriffe. Die Fortschritte in der Therapie und die Mitarbeit der Patientin oder des Patienten müssen zwischenzeitlich überprüft werden, um den Behandlungserfolg auch möglichst langfristig zu sichern.

Für Zahnärzte wichtig: Wie bisher auch in der Behandlungsrichtlinie bleiben die allgemeinen Regelun­gen zum Parodontitis-Screening mittels Parodontalem Screening Index (PSI) sowie die Definition des Umfangs der vertragszahnärztlichen Versorgung von parodontalen Erkrankungen, die nicht der syste­ma­tischen Behandlung zuzuordnen sind, gleich. Hierbei geht es insbesondere um Akutformen der Parodon­titis.

Die systematische Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen gemäß der neuen Richtlinie muss von der Krankenkasse des Patienten vorab genehmigt werden. Das Beratungsverfahren zur systematischen Behandlung von Parodontopathien hatte der G-BA auf Antrag der Patientenvertre­tung im Jahr 2013 eingeleitet. Die in der Behandlungsrichtlinie schon bestehenden Regelungen zu Diag­nostik und Therapie bei Parodontitis sollten dahingehend überprüft werden, ob sie noch dem aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand entsprechen.

Unterstützung statt finanzieller Bestrafung

Die Patientenvertretung im G-BA zeigte sich erfreut darüber, dass nun die Eintrittshürden für die Be­hand­lung verschwänden. Bisher wurde gesetzlich Versicherten sehr häufig abverlangt, vor Beginn der systematischen Parodontitisbehandlung eine professionelle Zahnreinigung selbst zu zahlen.

„Dies bedeutet einen fundamentalen Wandel in der Behandlung. Weg vom finanziellen Bestrafen für an­geblich unzureichende Mundhygiene hin zu einer aufklärenden und motivierenden Unterstützung der Pa­tienten“, so Gregor Bornes, Sprecher der Patientenvertretung im Unterausschuss zahnärztliche Be­handlung. Zudem werde die Vor- und Nachbehandlung in Zukunft von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Dem heutigen Beschluss des G-BA seien jahrelange fachliche Beratungen und intensive Verhandlungen vorausgegangen, berichtet die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV). „Diese Entscheidung ist ein versorgungspolitischer Meilenstein auf dem Weg zu einer weiteren Verbesserung der Mundgesund­heit, für den sich die Zahnärzteschaft viele Jahre lang gegen große Widerstände der Kassen eingesetzt hat“, erklärte Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV.

Mit den bislang im Katalog der GKV verankerten Leistungen sei eine nachhaltige Versorgung der Patien­ten nicht mehr möglich. Die entsprechende Behandlungsrichtlinie sei völlig veraltet und berücksichtige längst nicht mehr den Erkenntnisstand der wissenschaftlichen Forschung. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auf Basis der heutigen Entscheidung im G-BA schon bald deutliche Fortschritte im Kampf gegen die Parodontitis werden vorweisen können“, so Eßer. © nec/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER