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Medizin

England: Neuer Stamm von SARS-CoV-2 hat 17 genetische Veränderungen

Montag, 21. Dezember 2020

Spikeprotein/ Juan Gärtner, stock.adobe.com

London – Der Stamm B.1.1.7 von SARS-CoV-2, der sich in den letzten Wochen im Süden Englands ausge­breitet hat, verfügt nach Auskunft des „COVID-19 Genomics Consortium UK“ (CoG-UK) gleich über meh­re­re genetische Veränderungen, die die Infektiosität des Virus offenbar erhöht haben. Welchen Einfluss sie auf die Schutzwirkung der Impfung oder die Pathogenität haben, ist derzeit unklar.

Der Stamm B.1.1.7 (oder VUI – 202012/01 für „Variant Under Investigation“) wurde erstmals am 20. Sep­tember in der Provinz Kent und einen Tag später im Großraum London nachgewiesen. Bis zum 15. De­zem­ber wurde das Genom dann 519 mal in Greater London, 555 mal in Kent, 545 mal in anderen Regi­onen des Vereinigten Königreichs einschließlich Schottland und Wales nachgewiesen und 4 mal in an­deren Ländern.

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Der Stamm B.1.1.7 unterscheidet sich deutlich von anderen SARS-CoV-2. An 14 Stellen haben sogenann­te non-synonyme Mutationen zu einer Veränderung der Aminosäuresequenz geführt. Hinzu kommen noch 3 Deletionen, also Verluste von kurzen Abschnitten im Virusgenom, die sich ebenfalls auf die Struk­tur des Virus auswirken.

Von Bedeutung sind nach Einschätzung von CoG-UK 3 Veränderungen. Am wichtigsten könnte die Punkt­mutation N501Y sein. Sie befindet sich an einer von 6 Aminosäuren in der Rezeptorbindungsstelle des Spikeproteins. Das ist der Teil, der am ACE2-Rezeptor auf den Zellen bindet. Experimentelle Studien ha­ben laut CoG-UK gezeigt, dass die Punktmutation N501Y die Affinität zum ACE2-Rezeptor bei Mäusen und beim Menschen steigert, was das Eindringen des Virus in die Zelle erleichtern könnte.

Eine weitere Punktmutation, die die Infektiosität des Stamms B.1.1.7 steigern könnte, ist P681H. Sie grenzt unmittelbar an die Furinspaltungsstelle an. Furin gehört zu den Enzymen in der menschlichen Zelle, die SARS-CoV-2 nutzt, um ins Innere der Zelle zu gelangen. Die dritte potenziell wichtige Ände­rung ist eine Deletion (69-70del) im Gen für das Spikeprotein. Sie könnte die Immunantwort auf eine Infektion beeinflussen.

Die Herkunft der neuen Virusvariante ist unklar. Die Forscher des CoG-UK spekulieren, dass das Virus sich im Blut eines immunsupprimierten Patienten entwickelt haben könnte. Dieser Patient könnte über Monate infiziert gewesen sein. In dieser Zeit können sich die Viren mehrfach verändern. Der Patient könnte nach Monaten andere Menschen mit einem Virus angesteckt haben, das sich deutlich von den übrigen zirkulierenden Viren unterscheidet.

Die britische Regierung führt den starken Anstieg von Infektionen im Süden des Landes auf den Stamm B.1.1.7 zurück. Experten schätzen, dass die neue Variante 40 bis 70 % leichter übertragbar ist als andere SARS-CoV-2-Varianten. Der natürliche R-Wert könnte dadurch um 0,4 oder mehr steigen, was eine Eindämmung der Epidemie erschweren würde.

Offen ist derzeit, ob die Mutationen auch die Pathogenität erhöhen. In diesem Fall wäre mit einer Zunahme von schweren Verläufen und Todesfällen zu rechnen. Im schlimmsten Fall würden die durch die Impfung erzeugten Antikörper das Virus nicht mehr erkennen.

Der Impfstoff könnte zwar relativ leicht an den neuen Stamm angepasst werden. Sein Einsatz würde sich dann jedoch durch neue Tests verzögern, es sei denn auf weitere Tests würde verzichtet. Derzeit gehen die meisten Experten jedoch davon aus, dass die Mutationen die Immunogenität des Virus nicht verändert haben. © rme/aerzteblatt.de

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