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Politik

Neue Virusvariante: Schnellere Übertragbarkeit würde vieles ändern

Montag, 21. Dezember 2020

/Feodora, stock.adobe.com

Berlin – Die Bundesregierung ist besorgt wegen der in Großbritannien und Südafrika aufgetretenen neuen Variante des Coronavirus SARS-CoV-2. „Es ist bis jetzt nicht in Deutschland nachgewiesen worden, aber wir nehmen natürlich die Meldungen aus Großbritannien, aus dem Vereinigten Königreich sehr ernst“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) gestern im ARD-„Bericht aus Berlin“.

„Die deutlich schnellere Übertragbarkeit, wie sie in diesem Fall vermutet wird, würde natürlich viel ver­ändern und deshalb ist es wichtig, den Eintrag nach Deutschland, auf Kontinentaleuropa zu unterbin­den.“ Es sei wichtig, die Erkenntnisse über die SARS-CoV-2-Virusvariante zu verifizieren und zugleich vorausschauend zu agieren.

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Wegen der neuen Virusvariante wurden Flüge von Großbritannien nach Deutschland auf Grundlage einer Verfügung des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) ab Sonntagmitternacht untersagt. Dazu soll heute noch eine Verordnung folgen, die dann außerdem auch alle Einreisen aus Südafrika einschränkt, wie Spahn ankündigte.

Der Minister wunderte sich sehr darüber, dass offenbar viele Deutsche ihren Weihnachtsurlaub in Süd­afrika verbringen. Er frage sich, ob diese Menschen die Botschaften nicht gehört hätten, nicht zu reisen und die Kontakte einzuschränken, sagte Spahn.

Die neue Variante des Coronavirus aus Großbritannien ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Deutschland noch nicht nachgewiesen worden. Ein Vorkommen könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, erklärte das RKI heute auf seiner Internetseite. Es sei auch noch nicht abschließend geklärt, wie sich die neue Variante auf das Infektionsgeschehen auswirkt, ob sie etwa ansteckender ist oder wie schwer sie verläuft.

Das RKI verweist in seiner Einschätzung auf einen Bericht des britischen Arctic-Konsortiums, demzufolge die neue Virusvariante zwischen September und November einen zunehmenden Anteil an den im Verein­ten Königreich charakterisierten SARS-CoV-2-Viren hatte. Aus dieser Analyse lasse sich jedoch nicht di­rekt ableiten, dass das erhöhte Krankheitsgeschehen im Südosten Englands durch die beobachteten ge­netischen Veränderungen in der Virus-Variante bedingt sei, erklärte das RKI.

Mit Blick auf die vermutete höhere Ansteckungsrate verweist das RKI auf eine Risikoeinschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC, derzufolge der rasche Anstieg der Häufigkeit der neuen Virusvariante im Südosten Englands darauf hinweisen könnte, „dass sie übertragbarer ist als zuvor zirkulierende Varian­ten“.

Das RKI weist aber darauf hin, dass es auch andere mögliche Erklärungen für den Anstieg geben könnte. Wenn die Virusvariante tatsächlich mit einer erhöhten Übertragbarkeit verbunden sei, habe dies aber „auch Bedeutung außerhalb des Vereinigten Königreichs“, schlussfolgerte das RKI.

Auch zum Schweregrad der neuen Virusvariante gibt es nach Angaben des RKI bisher nur begrenzte In­formationen vom ECDC. Bisher gebe es keine Hinweise auf eine erhöhte Krankheitsschwere im Zusam­men­hang mit der Variante. Allerdings sei die Mehrzahl der Fälle bei Menschen unter 60 Jahren gemeldet worden, bei denen die Wahrscheinlichkeit schwerer Symptome geringer sei.

Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die in Großbritannien zirkulierende neue Variante des Coronavirus Deutschland bereits erreicht hat. „Ich denke, dass das schon in Deutschland ist“, sagte Drosten heute im Deutschlandfunk.

„Dieses Virus ist ja jetzt gar nicht so neu. Davon darf man sich jetzt wirklich nicht irgendwie aus der Ruhe bringen lassen.“ Das Virus komme seit Ende September in England vor und sei im Oktober noch überhaupt nicht im Fokus gewesen. „Wir wissen jetzt: Es ist schon in Italien, in Holland, in Belgien, in Dänemark – sogar in Australien. Warum sollte es nicht in Deutschland sein?“

Zur neuen Virusvariante sagte Drosten, er sei „darüber nicht so sehr besorgt im Moment“. Allerdings herrsche eine „etwas unklaren Informationslage“. Die öffentlich bekannten Dokumente seien noch lückenhaft, das würden britische Wissenschaftler genauso sehen. Zunächst müssten „zumindest ein paar vorläufige Datenanalysen“ abgeschlossen werden

Die kürzlich entdeckte Variante sei um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form, hatte Premierminister Boris Johnson vorgestern gesagt. Drosten äußerte Zweifel an der wissenschaftli­chen Gewissheit dieses Wertes: „Diese Zahl ist einfach so genannt worden.“ Politiker würden solche Zahlen nennen, Medien nähmen diese auf.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat sich für eine Verschärfung der Coronamaßnahmen ausgesprochen, falls sich das mutierte Virus aus Großbritannien auch in Deutschland ausbreiten sollte. „Der Lockdown müsste länger und noch intensiver sein“, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß dem Redakti­onsnetzwerk Deutschland. Das sei eine Frage der Statistik. „Nur dann ließen sich die Inzidenzen errei­chen, die deutlich niedriger sein sollen als aktuell. Das ist die bittere Wahrheit“, betonte Gaß. © dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

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