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Politik

Katastrophenschutz­behörde hält Triage noch für vermeidbar

Montag, 21. Dezember 2020

/picture alliance, Bodo Schackow

Berlin – Der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, hält trotz bereits überlasteter Krankenhäuser eine Triage in Deutschland noch für abwendbar. Der Begriff bezeichnet eine Entscheidung, wer eine intensivmedizinische Behandlung oder ein Beat­mungs­gerät erhält, wenn nicht hinreichend Ressourcen vorhanden sind.

„Wir schaffen es aktuell immer noch, jedem Coronapatienten die bestmögliche Versorgung zu bieten, auch durch regionale Verlegungen", sagte Schuster dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorgestern. „Bund und Länder sind über ein Kleeblattverfahren auch auf weitere überregionale Verlegungen vorbe­reitet, die bisher noch nicht abgerufen wurden“, erklärte er.

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Zugleich betonte Schuster, vorrangigstes Ziel bleibe es, die aktuell sehr hohen Infektionszahlen zu sen­ken und damit eine Überlastung des Gesundheits­systems zu vermeiden. Dafür müssten die Regeln ein­ge­halten werden, forderte der Behördenchef. „Wenn sich alle daran halten, wird auch zukünftig eine Priori­sierung der Behandlung lebensbedrohlich erkrankter Coronapatienten nicht notwendig sein.“

Nordrhein-Westfalens Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) wehrte sich gegen den Vorwurf, die Politik lasse die Mediziner mit der Triage allein. Diese Entscheidung könne man den Ärzten nicht ab­nehmen, „aber wir können und werden alles dafür tun, dass die Mediziner in NRW diese Entschei­dung nicht treffen müssen“, sagte er der Rheinischen Post vorgestern.

Zuvor hatte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, erklärt, die Triage sei bei einer wirklichen Überlastung des Gesundheitssystems durch Corona als letztes Mittel gerechtfertigt.

„Als Entscheidungskriterien kommen ausschließlich medizinische Aspekte in Betracht, insbesondere aber die Behandlungsbedürftigkeit und die Prognose, die sorgfältig individuell abgewogen werden müssen“, sagte Bätzing dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorgestern.

Abzulehnen seien äußere Kriterien wie das Lebensalter, Behinderungen oder das Geschlecht, insbeson­de­re jedoch soziale Kriterien wie Stellung, Bekanntheitsgrad, ökonomische Aspekte oder auch „System­re­levanz“.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, betonte: „Es gibt keine Einteilung von Menschengruppen, deren Lebensrecht mehr oder weniger wiegt.“ Dass über­haupt über Triage diskutiert werden müsse, zeige, „wie wichtig es ist, alles dafür zu tun, dass solche Situationen vermieden werden können“. Durch Einhaltung der Coronaregeln könnten alle dabei mithel­fen. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #760232
penangexpag
am Dienstag, 22. Dezember 2020, 06:02

Patientenverfügung

Der Hinweis, nach Patientenverfügungen zu suchen/zu fragen, ist unbedingt notwendig. Zugleich sollte immer wieder, auch von Hausärzten, auf die Sinnhaftigkeit von - richtig abgefassten - Patientenverfügungen hingewiesen werden. Vor allem ältere Menschen sollten diese Verfügung stets bei sich tragen, am besten zusammen mit ihrer Versicherungskarte.
Avatar #106024
Mabued
am Montag, 21. Dezember 2020, 22:35

mein-wille

Bei den oft betagten CoV-positiven Patienten aus Pflegeheimen sollte man auch nach deren Willen in einer Patientenverfügung exakt forschen und die Wünsche befolgen. Bei nicht eindeutigen Aussagen kann man weitere Informationen bei den Bevollmächtigten erhalten. Ohne irgendeinen Wert sind da die gesetzlich bestimmten Betreuer, die zu meinem Entsetzen die alten Menschen oft über 6 Monate nicht gesehen haben. Schlimm habe ich noch in Erinnerung, als ich als Notarzt mit einer bewusstlosen, nicht vital bedrohten Patientin – CoV-pos. getestet - zu drei verschiedenen Abteilungen geschickt wurde und die Patientin nach 1 Liter Ringer-Lsg. wieder zu Bewusstsein kam und mich gebeten hat „Herr Notarzt, machen Sie mir bitte eine Spritze, dass das Leiden endlich zu Ende ist“ – ich antwortete „das müssen Sie doch mit Ihrem Sohn, ihrem Bevollmächtigten klären“ daraufhin die Patientin „der kommt mich nicht besuchen und hat keine Zeit“. Mit einer Vorabverfügung und verbindlichen Patientenverfügung hätte man da schneller und bessere Entscheidungen treffen können (die 95-jährige Dame im Heim belassen können…).
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