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Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs nicht vernachlässigen

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Humane Papillomviren (HPV) /Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Heidelberg – In der Diskussion um die Coronaimpfung dürfen nach Ansicht des Deutschen Krebsfor­schungszentrums (DKFZ) andere wichtige Impfungen wie die gegen die Humanen Papillomviren (HPV) nicht aus dem Blick geraten. Die Akzeptanz der Impfung Jugendlicher gegen die zum Teil krebserregen­den Viren lasse sehr zu wünschen übrig, sagte Nobila Ouédraogo, Experte für Öffentliche Gesundheit und Impfprävention am DKFZ.

Obwohl die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung für Mädchen von 9 bis 14 Jahren seit 2007 empfiehlt, würden nur 43 Prozent von ihnen geimpft, sagte er. Bei den Jungen ist die Rate noch nicht erhoben worden, da für sie erst seit 2018 eine Empfehlung besteht.

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Die Impfung beider Geschlechter soll nicht nur Mädchen und Frauen vor Gebärmutterhalskrebs bewah­ren, an dem jährlich 4.000 Frauen neu erkranken und 1.500 sterben. Sie schützt auch die Jungen selbst vor HPV-induzierten Krebsarten, etwa im Rachen- und Mundraum und im Genitalbereich. Jährlich gehen in Deutschland insgesamt 7.700 Krebsneuerkrankungen auf diese Viren zurück.

Fast jeder Mensch infiziert sich irgendwann im Laufe seines Lebens mit den Viren – wobei die Infektion meist unerkannt verläuft und von selbst wieder abklingt. Aber 12 der mehr als 200 bislang bekannten HPV-Typen werden von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) als krebserregend eingestuft.

Der DKFZ-Experte plädiert für eine Aufklärungsoffensive: „Der beste Weg zu mehr Teilnahme wären Schulprogramme für die HPV-Impfung.“ Diese müssten auf Landesebene ausgestaltet werden. Zudem nahm er Eltern und Kinderärzte in die Pflicht, sich über die Impfung zu informieren. Auch Briefe, die Familien mit Kindern an die Impfung erinnern, seien denkbar.

Eine jüngst erschienene schwedische Studie habe gezeigt, dass das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, bei in der Jugend geimpften Frauen zu fast 90 Prozent zurückging. Die Nebenwirkungen beschränkten sich wie bei anderen Impfungen auf Schmerzen an Einstichstelle und leichtes Unwohlsein, sagte Ouédraogo.

Die Impfung ist wirksam vor den ersten sexuellen Kontakten und wird bei 9 bis 14-Jährigen zwei Mal und bei Älteren drei Mal verabreicht. Die Kosten werden von den Krankenkassen getragen. Der lang­jäh­rige DKFZ-Chef Harald zur Hausen gilt als Wegbereiter der HPV-Impfung. Er fand Anfang der 1980er-Jahren heraus, dass HPV verschiedene Krebsarten auslösen können, und bekam dafür 2008 den Nobel­preis für Medizin. © dpa/aerzteblatt.de

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