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Medizin

COVID-19: Re-Infektionen beim Gesundheitspersonal absolut selten

Montag, 28. Dezember 2020

/picture alliance, Bodo Schackow

Oxford – Die Gefahr, dass sich medizinisches Personal ein zweites Mal mit SARS-CoV-2 infiziert, ist offenbar sehr gering. Unter den Angestellten einer britischen Universitätsklinik erzielte die Erstinfektion über bis zu 6 Monaten eine fast 90-%ige Schutzwirkung, wie eine jetzt im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2034545) publizierte Kohortenstudie zeigt.

In den letzten Monaten wurden zahlreiche Einzelfallberichte über Menschen veröffentlicht, die sich innerhalb kurzer Zeit zweimal mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Für Immunologen ist das angesichts von weltweit mittlerweile 76 Millionen Infizierten eigentlich keine Überraschung. Es ist bekannt, dass eine Virusinfektion ebenso wenig wie eine Impfung einen 100-%igen Schutz vor einer späteren Erkrankung gewährt. Das Immunsystem arbeitet nicht fehlerfrei.

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Die offene Frage war nur, wie oft Durchbruchinfektionen nach SARS-CoV-2 vorkommen. Ein Team um David Eyre vom John Radcliffe Hospital in Oxford hat hierzu die Erfahrungen der Klinik aus den letzten Monaten zusammengefasst. Von 1.364 Personen, die zunächst einen negativen Antikörpertest hatten, sind in der Folge 233 in einem Abstrich positiv getestet worden. Sie hatten sich also ein erstes Mal mit SARS-CoV-2 infiziert. Eyre ermittelt eine Inzidenz von 1,09 auf 10.000 Tage. Da ein Drittel ohne Symptome blieb, betrug die Inzidenz von COVID-19 0,60/10.000 Tage. Diese Zahlen bestätigen nebenbei, dass Angestellte im Gesundheitswesen ein höheres Infektions- und Erkrankungsrisiko haben als die Allgemeinbevölkerung, weshalb sie bei den Impfungen auch bevorzugt behandelt werden sollen.

Diesen Personen stellt Eyre 2 von 1.265 Angestellten gegenüber, die im Abstrich positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, obwohl ein früherer Antikörper-Test gezeigt hat, dass sie bereits einmal Kontakt zum Virus hatten. Beide waren bei der Erstinfektion an COVID-19 erkrankt, wenn auch nur leicht. Beide hatten IgG-Antikörper gegen das S-Protein, eine auch gegen das Nukleokapsid entwickelt.

Bis zur erneuten Infektion waren 190 und 199 Tage vergangen. Eyre ermittelt eine Inzidenzrate für die Zweitinfektion von 0,13 auf 10.000 Tage. Da keiner der beiden erneut positiv getesteten Personen an COVID-19 erkrankte, ist die Inzidenz hier gleich Null.

Der Quotient der beiden Inzidenzen ergibt eine relative Inzidenzrate von 0,11 auf eine Zweitinfektion, allerdings mit einem weiten 95-%-Konfidenzintervall on 0,03 bis 0,44. Dies bedeutet, dass eine Infektion eine Schutzwirkung von 89 % gegen eine erneute Infektion erzielen könnte – nach dem 95-%-Konfidenzintervall könnten es aber auch 97 % oder nur 56 % sein. Die Schutzwirkung wäre demnach etwas geringer als mit den beiden zugelassenen Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna, die bekanntlich bei 95 % liegt. Allerdings bezieht sich die Schutzwirkung der Impfstoffe auf Erkrankungen an COVID-19. Da keiner der beiden Angestellten in der zweiten Infektion Symptome zeigte, könnte die Immunität durch die frühere Infektion sogar höher sein als nach einer Impfung.

Es gab allerdings unter dem Personal noch eine 3. Person, die ein zweites Mal erkrankt ist. Bei dieser Person, einer jüngeren Ärztin, war wegen fehlender Symptome die erste Infektion nicht erkannt worden. Sie war später durch einen positiven Antikörper-Test auf das Nukleokapsid aufgefallen. 160 Tage später erkrankte sie mit leichtem Fieber an COVID-19. Komplikationen sind – wegen des jungen Alters nicht unerwartet – ausgeblieben. Die Ärztin ist die einzige der drei Personen, deren zweite Episode symptomatisch verlief.

Die Studie zeigt, dass Zweitinfektionen auch bei dem Personal einer Klinik, das häufiger mit den Viren exponiert sein dürfte als der Rest der Bevölkerung, Zweitinfektionen selten sind. Die Immunität könnte genauso gut sein wie nach einer Impfung. Allerdings sind diese Ergebnisse aufgrund der weiten 95-%-Konfidenzintervalle und der recht kurzen Nachbeobachtungszeit noch mit Vorsicht zu genießen. © rme/aerzteblatt.de

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C. Kreitmayer
am Mittwoch, 13. Januar 2021, 22:32

Doch nur eine einzige Reinfektion?

Wenn man die Studie genau liest und auch den Appendix (Seite 9) beachtet, stellen sich die Ergebnisse weniger eindeutig dar.
Von den drei mutmaßlichen Zweitinfektionen lag nur in einem Fall ein positiver PCR-Test bei der ersten Episode vor. Nach dem zweiten, mit geringer Viruslast positivem PCR-Test (Screening, Pat. asymptomatisch) ergab sich keine Änderung in den Titern (der Anti-Nucleocapsid-Titer war sogar weiter fallend) und alle weiteren PCR-Testungen blieben negativ.
Die AutorInnen selbst diskutieren hier eine falsch-positive PCR in der zweiten Testung.
In den beiden anderen Fällen lag keine positive PCR vor, nur ein erhöhter Titer.
In einem Fall erscheint eine Re-Infektion tatsächlich plausibel bei im Zeitverlauf abfallenden Anti-Spike-Titern, welche nach der positivem PCR-Testung ansteigen. Diese Patientin berichtete auch über Covid-Symptome in der Vergangenheit, eine PCR-Testung blieb dabei (falsch?)negativ.
Im Fall der jungen Ärztin ist in der Ursprungsmessung nur der Anti-Nucleocapsid-Titer erhöht, es gibt keine vorangeganenen Covid-Symptome und nach der positiven PCR steigen beide Titer. Eine Kreuzreaktion in der Ursprungsmessung erscheint durchaus möglich.

Die Studienautoren selbst berechnen die mutmaßliche Schutzwirkung von "Seropositivität" und nicht von nachgewiesenen Erstinfektionen. Dies ist wissenschaftlich korrekt, wird aber im Artikel nicht korrekt zitiert.

Aufgrund der Häufigkeit von Covid-Infektionen beim ärztlichen Personal und der Konsequenzen für die Abschätzung des persönlichen Risikos einer Zweitinfektion würde ich mich freuen, wenn dies im Artikel präzisiert wird.
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