szmtag Pandemie verschärft wirtschaftliche Probleme der Krankenhäuser
NewsPolitikPandemie verschärft wirtschaftliche Probleme der Krankenhäuser
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Pandemie verschärft wirtschaftliche Probleme der Krankenhäuser

Dienstag, 29. Dezember 2020

/picture alliance, PA Wire, Steve Parsons

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) schlägt angesichts der coronabedingten Betriebs­einschränkungen Alarm. „Wenn die Bundesregierung die Hilfen nicht deutlich erhöht, werden flächen­de­ckend Kliniken bereits im ersten Quartal 2021 nicht mehr die Gehälter ihrer Mitarbeiter zahlen können“, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Das Geld aus der Regelversor­gung fehlt.“ Die Krankenhäuser verfügten nur noch begrenzt über finanzielle Mittel.

Die Bundesregierung hatte Mitte Dezember einen neuen Rettungsschirm für die Krankenhäuser aufge­spannt. Nach dem Konzept des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums erhalten diese in besonders coronabelasteten Gebieten Ausgleichszahlungen, wenn sie auf aufschiebbare Eingriffe verzichten und damit Betten frei halten.

Anzeige

Davon würden aber lediglich 25 Prozent der Kliniken erfasst, erklärte Gaß. Er schlug vor, dass die Klini­ken auf der Basis von 2019 monatlich ihr Budget erhalten sollten und Ende 2021 ge­nau abgerechnet wird.

Wie Daten des Krankenhaus-Barometers des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) zeigen, haben ver­scho­bene Operationen und andere Folgen der Pandemie die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Deutschland noch einmal verschärft.

Die Pandemie hatte dabei nicht nur Auswirkungen auf die Allgemein- und Intensivstationen. Auch in den OP-Bereichen führte sie zu merklichen Beeinträchtigungen. In der ersten Pandemiewelle von März bis Mai 2020 ist die Zahl der stationär durchgeführten Operationen laut DKI im Durchschnitt um 41 und bei ambulanten Operationen um 58 Prozent zurückgegangen. Allein in diesem Zeitraum hätten die Erlösver­luste bei den betroffenen Kliniken bei etwa 2,5 Millionen Euro pro Haus gelegen, heißt es.

Die meisten Kliniken haben danach die OP-Auslastung des Vorjahres noch immer nicht erreicht. Grund seien nach wie vor die Zurückhaltung der Patienten bei planbaren Operationen, erforderliche Schutz­maß­nahmen und gestiegene Hygieneanforderungen sowie Freihaltekapazitäten für Coronapatienten in den Intensivbereichen. Die aktuell hohen Infektionszahlen werden daher einen normalen OP-Betrieb vielerorts weiter erschweren.

„Die Krankenhäuser stehen angesichts weiter sehr hoher COVID-Infektionszahlen vor einer ungewissen Zukunft. Es ist zu befürchten, dass sich die Entwicklung aus der ersten Welle während der zweiten Welle verstärkt“, so Gaß. Die Versorgung hilfsbedürftiger Patienten sei aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

Die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser hat sich dem Barometer zufolge zuge­spitzt. Bereits 2019 hat fast jede zweite Klinik (44 Prozent) rote Zahlen geschrieben. Die Pandemie hat die Lage weiter verschärft. Weniger als ein Drittel der Häuser erwartet für 2020 ein positives Jahreser­geb­nis. Nur noch 18 Prozent der Kliniken beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut.

„Damit setzt sich der Abwärtstrend der vergangenen Jahre fort“, schreibt die DKG. Seit 2016 sei der An­teil der Krankenhäuser mit positivem Jahresergebnis von 61 (DKI-Umfrage 2017) auf aktuell 29 Prozent gesunken. Umgekehrt ist der Anteil der Häuser in schwieriger wirtschaftlicher Lage kontinuierlich gestiegen. Für 2021 erwartet nur knapp ein Viertel der Krankenhäuser eine wirtschaftliche Verbesserung.

„Die Lage der Krankenhäuser ist seit Jahren sehr problematisch. Wir haben eine chronische Unterfinan­zie­rung der Investitionen, die aus den Landeshaushalten und damit aus Steuermitteln aufgebracht wer­den müssten. Statt sechs Milliarden erhalten die Krankenhäuser nur rund drei Milliarden Euro“, so Gaß.

Da nicht alle coronabedingten Erlösausfälle und Mehrkosten eins zu eins gedeckt würden, sei davon aus­zugehen, dass sich für viele Kliniken die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtere. Vor diesem Hinter­grund forderte der DKG-Präsident weitere unterstützende Maßnahmen zur Bewältigung der Lasten der Pandemie.

„Die Wiedereinführung von Freihaltepauschalen für die Monate November, Dezember und Januar war we­gen der sehr restriktiven Zuordnungskriterien nur für wenige Kliniken eine wirksame Finanzierungs­hilfe. Daher ist es wichtig, dass der bestehende Klinikrettungsschirm angepasst und wieder an alle Krankenhäuser gezahlt wird“, forderte Gaß.

Gleichzeitig hat der Fachkräftemangel laut DKI-Studie im Krankenhaus die OP-Bereiche erreicht. 2020 konnte fast jede zweite Klinik offene Stellen im nicht ärztlichen OP- und Anästhesiedienst nicht beset­zen. Bundesweit sind hier 3.000 Vollzeitstellen unbesetzt.

Die Ergebnisse des Krankenhaus-Barometers 2020 beruhen auf der schriftlichen Befragung einer reprä­sentativen Stichprobe von Allgemeinkrankenhäusern ab 100 Betten, die von Ende Juni bis Ende August 2020 durchgeführt wurde. Beteiligt haben sich insgesamt 438 Krankenhäuser. © dpa/may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER